HUDU

Tanzende Araber


€ 10,99
 
kartoniert
Sofort lieferbar
August 2004

Beschreibung

Beschreibung

Aufgewachsen ist er in dem arabischen Dorf Tira, mit der Legende seines 1948 ums Leben gekommenen Großvaters und einem ehrgeizigen Vater, der in seiner Jugend die Universitätscafeteria in die Luft gejagt und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hat und nun hofft, dass sein Sohn Pilot wird oder zumindest der erste Araber, der eine Atombombe baut. Der Sohn stellt sich allerdings als »Feigling« heraus, genau wie seine Brüder: »Mein Vater versteht nicht, warum ich und meine Brüder so geworden sind. Wir können nicht einmal eine Fahne zeichnen. Er sagt, dass andere Kinder - manche sind sogar jünger als wir - durch die Straße marschieren und dabei »PLO - Israel NO« singen, und dann wirft er mir vor, dass ich wahrscheinlich nicht einmal weiß, was PLO heißt.« Der Erzähler flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung - weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Ein mutiges und hellsichtiges Buch, dessen sanfte Selbstironie und melancholischer Witz überraschen.

Portrait

Sayed Kashua, 1975 geboren, wuchs im Grenzgebiet zum Westjordanland auf und lebte lange in einem jüdischen Viertel Jerusalems. 2014 emigrierte er in die USA, wo er heute an der University of Illinois at Urbana-Champaign lehrt. Er arbeitete als Filmkritiker, Kolumnist der Wochenzeitung Haaretz und ist Autor der erfolgreichen israelischen Sitcom »Avoda Aravit« (Arabische Arbeit). Im Berlin Verlag erschienen »Tanzende Araber«, »Da ward es Morgen« und »Zweite Person Singular«. »Tanzende Araber« wurde 2015 unter dem Titel »Mein Herz tanzt« von Eran Riklis (»Die syrische Braut«) verfilmt.

Pressestimmen

"Seit seinem autobiografischen Debütroman 'Tanzende Araber' gilt Sayed Kashua als starke Stimme der jungen palästinensischen Generation. Kashua schreibt auf Hebräisch - und mit reichlich Selbstironie.", MERIAN, Jan Ludwig, 01.01.2016
EAN: 9783833300950
ISBN: 3833300957
Untertitel: 'Berliner Taschenbuch'.
Verlag: Berliner Taschenbuch Verl
Erscheinungsdatum: August 2004
Seitenanzahl: 287 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Mirjam Pressler
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Line88 - 08.06.2015, 23:51
BVT.00095 Kashua.Tanzende Araber
Der Autor Sayed Kashua, selbst mit Wurzeln, schreibt aus der Ich-Perspektive über den Jungen Eyad, welcher in den 80er Jahren als einer von vier Brüdern in der arabisch geprägten Kleinstadt Tira in Israel aufwächst. Der Protagonist erzählt nicht nur von der politischen Situation zwischen Juden und Arabern, die er selbst als Kind nur schwer nachvollziehen kann, sondern vor allem von seinem persönlichen Umfeld. Er berichtet von seiner Beziehung zur Großmutter und dem schwierigen Verhältnis zum Vater, welcher sehr gebildet ist, aber durch seine politischen Aktivitäten seine eigene Universitätskarriere zerstört hat. Als Eyad als einziger Araber die Chance erhält an ein jüdisches Elite-Internat zu gehen, weckt er damit große Hoffnungen in seiner Familie, doch dem sensiblen Jungen machen die Entfernung zur Heimat und die Verachtung durch jüdische Mitschüler schwer zu schaffen. Eyad möchte ungern als Araber auffallen und bemüht sich daher immer, sich dem jüdischen Leben anzupassen. Seine erste große Liebe zu einem jüdischen Mädchen aus dem Internat hält den Feindseligkeiten der Mitmenschen allerdings nicht stand und zerbricht. Nur wenige Zeit vor dem Abitur verlässt er schließlich das Internat, woraufhin der Vater ihn verachtet. So erhält man als Leser schnell Einblick in die arabische Kultur, das palästinensische Familienleben und in das brutale Bildungssystem. Eyad sucht sich Arbeit in Jerusalem, holt das Abitur nach und schreibt sich halbherzig an der Universität ein, aber durch seine Despressionen lässt er sich immer mehr hängen, lebt ohne Freude und verliert den Mut an die Chancen seiner Zukunft zu glauben. Seine Frau, die Araberin Samia verachtet er, nicht zuletzt für ihre dunkle Hautfarbe " beide hassen sich. Eyad versucht schließlich zu seinem ursprünglichen Glauben zurückzufinden, aber er scheint so stark zwischen den Kulturen gefangen zu sein, dass es ihm nicht gelingt. Der Schluss des Buches spannt zwar einen Bogen zum Anfang, aber hat mir dennoch überhaupt nicht gefallen, da es mir viel zu trist erscheint. Insgesamt finde ich den Grundton des Buches viel zu depressiv. Außer der Aufnahme in das Internat sind kaum erheiternde Momente zu finden, sodass das Buch nur wenig Hoffnung und Lebensfreude vermittelt. Sicher war es das Anliegen des Autors, den Menschen die Problematik des Konflikts vor Augen zu führen, was ihm zweifelsfrei gelungen ist, dennoch hätten zumindest einige Charaktere sympathischere Züge haben können. Von dem auf dem Buchrücken erwähnten melancholischen Witz, kam bei nur sehr wenig an. Ich habe feststellen müssen, dass ich nicht viel über den Alltag in Israel weiß und bin daher froh, einen interessanten Einblick bekommen zu haben. Trotz der zeitlichen Sprünge und meines teilweise lückenhaften Wissen über den Nahost-Konflikt, habe ich das Buch gern gelesen. Der einfache Erzählstil und die lebhaft geschilderten kleinen Geschichten, haben mich sehr gut eintauchen lassen.