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Alchemilla


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Juni 2000

Beschreibung

Beschreibung

Über die durchgreifenden Heilwirkungen von Frauenmantel + Co. Der Frauenmantel (Alchemilla) trägt zu Recht auch den Namen "Allerfrauenheil". Denn er ist eine unserer wertvollsten Heilpflanzen. Die in ihm enthaltenen Wirkstoffe bieten natürliche Hilfe bei fast allen Frauenleiden. Die Heilpraktikerin Margret Madejsky integriert die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in ein ganzheitliches Konzept moderner Frauenheilkunde. Dabei berücksichtigt sie auch neue Indikationsgebiete wie die Behandlung von Antibabypillenschäden und Schwermetallvergiftungen im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung.

Portrait

Margret Madejsky, Jahrgang 1966, ist seit 1992 Heilpraktikerin in eigener Praxis und Mitbegründerin von NATURA NATURANS, Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle Abendländische Medizin, in München. Sie hält seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorträge und leitet Fortbildungen im In- und Ausland. Schwerpunkte ihrer Praxis- und Lehrtätigkeit sind die abendländischen Heiltraditionen nach Paracelsus sowie die Naturheilkunde für Frauen, insbesondere Hormonregulation und Fruchtbarkeitssteigerung. Mit ihrem Ratgeber "Alchemilla" und dem "Lexikon der Frauenkräuter" hat sie bereits zwei Standardwerke zur Frauenheilkunde vorgelegt. Sie veröffentlichte zahlreiche weitere Bücher zu naturheilkundlichen Themen.

Leseprobe

Nomen est omen: Der Frauenmantel und seine Namen


Die Alten kannten die Heilkraft dieser Pflanze ganz wohl und gaben ihr den Namen Alchymilla (Zauberkraut).
Kräuterpfarrer Künzle


Namen, die eine der Göttin geweihte Pflanze bezeichnen: Friggas Blume, Liebfrauenmantel, Marienblümli, Marienkraut, Marienmantel, Muttergottesmantel, Unser Frowen Mantel, Venusmantel.
Namen, die auf die Heilkraft bei Frauenleiden deuten: Aller Fraue Heil, Frauehilf, Frauenmänteli, Frauentrost, Jungfernmantel, Jungfernwurz, Milchkraut, Mutterkraut (Mutter = Gebärmutter).
Namen, die auf die Verwendung in der Alchimie hinweisen: Alchemilla, Alchemille (frz.), Alchemillenkraut, Alchemistenkraut, Alchimilla, Alchymilla (= kleine Alchimistin).
Namen, die sich auf die Blattform beziehen: Bettlersmantel, Frauenhäuble, Frauenmänteli, Gänselatschen, Gänseplatschel, Herrgottsmäntelchen, Jungfernmantel, Ladies Mantle (engl.), Lieb Frauen Mantel, Lewendopen, Löwenfuß, Löwentatzen, Mäntli, Mäntlichrut, Mantelkraut, Marienmantel, Muttergottesmäntli, Neunlappkraut, Planta Leonis, Trauermantel, Weiberkittel.
Namen, die sich auf das Guttationsphänomen beziehen (Guttation = Wasserausscheidung): Collatenna (= Tränenhalterin), Himmelstau, Perlkraut, Regendachl, Sinäugl, Sin(n)au (sin = immer, au = Wasser), Sindau, Sindouwe, Sintau, Sonnenthau, Synauwe, Syn(n)aw, Taubecher, Taublatt, Taubletter, Taufänger, Tauhaltauf, Taukräutl, Taumantel, Taumänteli, Taurose, Tauschüsselchen, Tränenschön, Wiesensinau.
Sonstige Namen:
Der Frauenmantel hieß auch Gewittergras, weil man ihn einst, zu Kränzen gewunden, an Fenstern, Türen oder auf dem Dachfirst angebracht hat, um sich vor Blitzschlag zu schützen.
Der Beiname Nimm-ma-nix deutet auf die Verwendung im Gegenzauber hin; wenn eine Kuh verhext war und keine Milch mehr gab, dann gab man ihr Frauenmantel zu fressen.
Der Name O(h)mkraut bezieht sich auf die entzündungswidrigen und wundheilenden Kräfte; das Wort O(h
)m bezeichnete einst eine entzündete Hautstelle bzw. eine Geschwulst.


Von den 1001 Frauenmantelarten


Selbst Botaniker geraten ins Schwitzen, wenn es um die Gattung Alchemilla geht, denn zu den Frauenmantelgewächsen gehören über tausend Arten, die nicht immer leicht voneinander zu unterscheiden sind. Auch der gemeine Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) variiert sehr stark. Er ist je nach Standort mehr oder weniger behaart, hat hier halbkreisförmig abgerundete und dort eher dreieckig zulaufende Blätter.
Schon im Tertiär, also vor rund 65 Millionen Jahren, haben die ersten Grundsippen begonnen, beinah die gesamte nördliche Hemisphäre zu besiedeln - wie man sieht, erfolgreich. Frauenmantelarten gibt es bis heute in ganz Ost-, West- und Nordeuropa. Sie konnten sogar das karge Grönland und das raue Sibirien erobern und kommen auch in Asien und Nordamerika vor.
Obwohl der Frauenmantel zu den heimischen Heilpflanzen zählt, stammt das getrocknete Kraut, das wir in Kräuterläden oder Apotheken erhalten, meist aus Polen, Tschechien, Bulgarien oder Ungarn. Das Land ist dort eben noch weniger zersiedelt als bei uns und bietet dem anspruchsvollen Gewächs noch ausreichend Lebensräume.
Wer die Vorlieben des Frauenmantels kennt, wird aber auch hierzulande schnell fündig. Die Pflanze bevorzugt nämlich leicht feuchten, humösen und dungkräftigen Boden. Wir treffen sie meist auf saftigen Kuh- oder Pferdeweiden, auf halbschattigen Wiesen, an Waldrändern, an Bachufern und in der Nähe von Quellen.
Um dem Frauenmantel auf die Spur zu kommen, muss man eigentlich nur ein Gespür für lieblich-venusische Plätze entwickeln, deren Anblick dem Auge wohl tut. Das sind Plätze, die Harmonie ausstrahlen und Seelenfrieden spenden. So gedeiht der Frauenmantel z. B. gerne auf den fruchtbaren Kalkböden der Schwäbischen Alb und des Altmühltals oder in den sanften Hügellandschaften des Voralpenlandes.
Oft findet er sich in Gesellschaft anderer venusischer Heilpfl
anzen wie etwa Gänseblümchen oder Schafgarbe. Eine zuverlässige Zeigerpflanze ist auch die Bachnelkenwurz: Wo sie vorkommt, trifft man stets ihre Schwester, die Alchemilla.
Die große Freundin der Alchemilla ist aber die Lärche, der lichteste aller Nadelbäume. Der Frauenmantel bevölkert den gehaltvollen Boden lichter Lärchenwälder. Dadurch, dass die Lärche im Herbst ihre goldenen Nadeln abwirft, düngt sie den Waldboden für den Frauenmantel und schafft überhaupt fruchtbaren Boden für eine artenreiche Flora.
Die geheimnisvolle Schwester der Rose


Es ist ein anmutiges Kraut,
dessen Anblick sofort das Herz erfreut.
Wilhelm Pelikan


Im Frauenmantel fließt blaues Pflanzenblut, denn er entstammt dem edlen Geschlecht der Rosengewächse (Rosazeen). Kaum zu glauben, dass ein auf den ersten Blick so unscheinbares Kräutlein mit der Königin der Blumen verwandt sein soll. Lockt es uns doch weder mit der Farbenpracht noch mit dem betörenden Duft seiner adeligen Schwester.
An seinen Naturstandorten zeigt sich der Frauenmantel zunächst eher bescheiden. Meist verbirgt er sich im dichten Grün saftiger Wiesen, besiedelt aber auch lichtdurchflutete Lärchenwälder und sonnige Almwiesen. Es bedarf jedoch eines geübten Blickes, um das grüne Kraut mit den winzigen Blüten inmitten von Gräsern und blühenden Wiesenpflanzen zu entdecken.
Ab Frühlingsbeginn schieben sich die edel gefächerten Blätter aus der Erde hervor und recken sich an schlanken Stielen der Sonne entgegen. Die Geste erinnert dabei ein wenig an Seerosen (Nymphazeen), deren lang gestielte Blätter vom dunklen Grund eines Teiches zur Oberfläche emporstreben. Wie sich in Seerosen Wasser und Himmel vereinen, so verbindet der Frauenmantel Erd- und Himmelskräfte miteinander. Analog vermittelt die Heilpflanze auch im Menschen zwischen Oben und Unten. Wie wir später sehen werden, nimmt der Frauenmantel über die oberen Hormonzentren (Hypothalamus/Hypophyse) Einfluss auf die unteren Hormondrü
sen (Eierstöcke), auf den Stoffwechsel und die Vitalkräfte.
Im Mai erheben sich dann die zarten Blütenstände wie eine Schar erwachender Wiesennymphen - nur bleiben sie meist unerkannt, weil sie sich ebenfalls in sanftes Grün hüllen. Ihr Anblick ist wohltuend für das Auge und regenerierend für die Seele.
Von der Nymphenpflanze geht noch ein ganz besonderer Zauber aus. Spätestens wenn Sonnenstrahlen auf die betauten Blätter treffen, offenbart sich ihre wahre Schönheit, die der Rose in nichts nachsteht. In der Sonne funkeln die Tröpfchen am Blattrand wie Edelsteine. Und selbst wenn der Morgentau längst abgetrocknet ist, behält die Taurose noch lange ihre geheimnisvoll glitzernden Wasserperlen, deren bezauberndes Lichtspiel wohl schon die Kräuterfrauen der Vorzeit in den Bann gezogen haben muss. Doch um dieses magische Pflanzenwasser geht es erst später -


Das Wesen der Rosengewächse
Zuerst wollen wir die Verwandtschaft unserer anmutigen Wiesennymphe etwas näher kennen lernen. In den Angehörigen einer Pflanzenfamilie wirken nämlich meist ganz ähnliche Prinzipien.
So tragen die Korbblütler, zu denen bekannte Heilpflanzen wie die Kamille oder die Ringelblume gehören, ihr erhellendes Wesen bereits mit den sonnenhaften Blüten zur Schau. Doldengewächse wie Bärenklau oder Engelwurz offenbaren ihre Lichtnatur u. a. durch die gelblichen und feurig schmeckenden Pflanzensäfte. Lippenblütler bringen Heil- und Gewürzkräuter wie Lavendel, Majoran, Salbei oder Thymian hervor und speichern Licht und Wärme in Form von Aromastoffen.
In den Rosazeen wirken dagegen Kräfte, die nur scheinbar so verschieden sind wie die Pflanzen, die dieser Familie entstammen: Vom kleinen Gänsefingerkraut am Wegesrand über die stolze Rose bis hin zum üppig behangenen Apfelbaum reicht die Vielfalt.
Bei den Rosengewächsen, die uns unweigerlich an die Rose denken lassen, sei zuerst das Prinzip von Duft und Sinnlichkeit genannt. Viele Angehörige dieser Pflanzenfamilie bilden
betörende Blütenaromen, wobei aber der vollkommenste aller Düfte der Rose entquillt (Wilhelm Pelikan). So wie sich die Rose mit ihren Dornen vor allzu aufdringlichen Verehrern schützt, ist auch ihr Duft nicht einfach nur berauschend, sondern vielmehr blumig und edel. Rosenduft ist Balsam für die Seele, er erzählt uns vom Dornröschen, das wachgeküsst werden will. Nicht umsonst kommt heute kaum mehr ein Parfum ohne die Rose aus: Sie ist so beliebt, weil sie der Frau die Geruchsaura einer Königin verleiht und im Mann den Prinzen weckt. Schließlich vereint die Rose auf harmonische Weise Gegensätzliches miteinander: Ihre zart duftenden Blüten verkörpern das weiblich-venusische Prinzip, dagegen stehen die Dornen für das männlich-marsianische Prinzip. Daher symbolisiert die Rose die mystische Vereinigung von Weiblichem und Männlichem (Unio mystica).
Der Reigen der duftenden Rosengewächse beginnt aber schon im Frühjahr mit der Blüte von Schlehe, Apfel und Weißdorn. Unter den Obstblüten ragt die Kirsche hervor. Ihr entströmt ebenfalls ein besonders lieblicher Duft. Ähnlich wie der Rose haftet auch der Kirsche etwas Unwiderstehliches an. In Wahrheit ist sie nämlich eine Circe in Baumgestalt, was sich bereits in der Symbolik widerspiegelt: Wenn in der Nacht zum ersten Mai Bäume vor den Türen der Mädchen aufgestellt werden, dann steht eine Birke für Freundschaft, eine Fichte verrät dagegen, dass hier eine Kratzbürste wohnt, und eine blühende Kirsche besagt, dass hier jeder naschen darf. Wer sich in Kirschwasser eingelegte Kirschblüten als Liebeszaubermittel einverleibt, kann sich daher auf einiges gefasst machen: Mit solchen Kirschblütentropfen wird frau selbst zur Circe und lockt zuweilen Scharen von Bewerbern an.
Im Sommer kommen noch weitere Duftakkorde hinzu: An warmen Tagen verströmen Ebereschen in den Wäldern ihren honigartigen Blütenduft, und an lauen Sommerabenden tränkt die Wiesenkönigin die Luft mit ihrem süßlichen, fast schon betäubenden Aroma.
Duft und
Sinnlichkeit wirken schließlich auch im Frauenmantel. Die blühende Pflanze bildet zwar nur wenig Aromastoffe, jedoch genug, um dem Tee einen lieblichen Geschmack und eine seelenerwärmende Kraft zu verleihen. Um das milde, honigartige Aroma zu erhalten, ist es aber wichtig, dass man für den Tee nicht nur Blätter, sondern auch viele Frauenmantelblüten sammelt (siehe Sammeltipps, Seite 74).
Von der Süße des Lebens
Als unsere heimische Obstfamilie entführen uns die Rosengewächse nicht zuletzt auch in das Reich der Gaumenfreuden. Sie verwöhnen uns mit köstlichen Früchten wie Äpfeln, Aprikosen, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen oder Pfirsichen und verkörpern somit geradezu die Süße des Lebens. Interessant ist dabei, dass man in manchen Rosengewächsen einen Stoff namens Phlorridzin gefunden hat, der die Zuckerausscheidung über die Niere anregt. Die süßen Früchte der Rosazeen füllen also den Zuckerspiegel auf, dagegen können sie als Heilpflanzen den erhöhten Blutzucker wiederum regulieren. Da verwundert nicht, dass einige Rosengewächse - z. B. Frauenmantel und Nelkenwurz - von Volksmedizinern seit langem zur Teekur bei Altersdiabetes empfohlen werden.
Wegen ihres Früchtereichtums wirkt in den Rosengewächsen aber auch das urweibliche Prinzip der Fruchtbarkeit. Die Germanen glaubten einst, dass die Frucht tragenden Bäume oder Sträucher ebenso die Fruchtbarkeit des Menschen beeinflussen. So war der Apfelbaum das Attribut ihrer Liebesgöttin Freyja, und unter ihm brachten die Frauen Opfer dar, wenn sie den göttlichen Kindersegen erwirken wollten. In ländlichen Gegenden konnten sich solche Opfergaben bis heute erhalten: Immer noch vergraben manche Frauen nach der Niederkunft die Plazenta unter einem Apfelbaum, womit dieser zum Gedeihbaum wird, der das Wohlergehen des neuen Menschen anzeigt.
In dem uralten Glauben an die Fruchtbarkeit spendende Kraft dieser Gewächse wurzelt aber noch ein weiterer Brauch, der in katholischen Gegenden zu Mariä Himmelfahrt ge
pflegt wird: Die Kräuterbüschel, die am 15. August zur kirchlichen Weihe getragen werden, sind oftmals mit Wunschketten aus aneinander gereihten Ebereschenfrüchten verziert. Wenn das Pflanzenreich zum Erntemond von der Blüte in die Fruchtreife übergeht, dann sollten diese orangerot leuchtenden Wunschketten einst die Fruchtbarkeit der Sippe, ihres Landes und ihrer Tiere fördern. Durch einen symbolischen Schlag mit einem solchen Kräuterbusch, der wie die Nikolausrute ursprünglich eine heidnische Lebensrute war, übertrug man die Kräfte der Pflanzen auf Mensch und Tier.
Nicht durch süße Früchte, sondern auf ganz andere Weise äußert sich die weibliche Grundkraft im Frauenmantel: Statt der Frucht bringt er Wasserperlen hervor, die in seinem Blattschoß ruhen wie die Leibesfrucht im Mutterbauch. Ebender Wassertropfen in der Mitte des schüsselförmigen Blattes macht den Taubecher zu einem Sinnbild des Weiblichen.
Im übertragenen Sinn fördern Frauenmantel wie auch andere Rosengewächse die Weiblichkeit. Die ganze Familie der Rosazeen wird astrologisch der Venus unterstellt, und mit den Venuskräften verbindet man immer die angenehmen Seiten des Lebens: z. B. Genussfähigkeit, Liebe und Sinnlichkeit. Die der Venus zugeordneten Heilpflanzen - insbesondere aber Frauenmantel und Rose - spenden Gelassenheit, wirken auf den Körper sowie auf die Seele entkrampfend und stärken das weibliche Selbstwertgefühl. Mit den Heilmitteln der Venus kann man daher Frauen, die durch den hektischen Alltag in unserer Männergesellschaft aggressiv, hart und männlicher geworden sind, wieder fraulicher und somit auch begehrenswerter machen. Sie sind aber ebenso Konstitutionsmittel für Frauen, die ihr eigenes Geschlecht ablehnen und daher vielleicht unter chronischen Frauenbeschwerden leiden. Rosengewächse machen aber nicht nur Frauen weiblicher, sie stärken gleichermaßen den Yin-Pol (siehe Seite 324) des Mannes und machen Männer einfach ausgeglichener, sanftmütiger und hingebungsvoller.

r/>Harmonie für Seele und Körper
Nicht zuletzt sind die Rosengewächse eine besonders wohlwollende Pflanzenfamilie, der bedeutende Heilpflanzen angehören (siehe Die Heilkräfte der Rosengewächse, Seite 35). Viele von ihnen begleiten den Menschen seit Jahrtausenden. So grenzten Heckenrosen und Weißdornbüsche bereits die Siedlungen der Vorzeit ein, denn ihre Dornen hielten wilde Tiere ab, und die lebendigen Zäune dienten den Menschen als Naturapotheken. Die Germanen kannten den mild beruhigenden Weißdorn noch als Schlafdorn.
Während die wilden Rosen heute kaum mehr arzneilich genutzt werden, hat es der Weißdorn in der modernen Phytotherapie zur Kardinalheilpflanze bei Herzleiden gebracht. Man konnte nachweisen, dass er die Durchblutung der Herzkranzgefäße sowie die Herzkraft verbessert. In manchen Krankenhäusern reicht man die einschlaffördernden Blätter als Abendtee, und die herzkräftigenden Weißdornpräparate haben längst in den Arztpraxen Einzug gehalten (z. B. Crataegutt von Schwabe).
Das Gänsefingerkraut blickt ebenfalls auf eine lange Tradition als Heilpflanze zurück. Die Germanen verwendeten das krampflösende Kraut, indem sie es in Ziegenmilch sotten. Zu Ruhm gelangte es aber durch Pfarrer Kneipp, der sein Krampfkraut vor allem als Frauen- und Kindermittel lobte. Bei Neigung zu Unterleibskrämpfen oder bei Darmkoliken erweist es sich bis heute als sanftes Heilmittel.
Doch die Liste der heilkräftigen Rosazeen ist lang, und die Familie hat gleich drei Panazeen (von gr. pan = alles, akeisthai = heilen) hervorgebracht. An erster Stelle sei hier wiederum die Rose genannt, die schon von den Ägyptern als Universalheilmittel geschätzt wurde. Aufgrund ihrer antiseptischen Kräfte diente die Rose zusammen mit Myrrhe, Salbei und Weihrauch zur Einbalsamierung.
Die keimhemmenden Eigenschaften der Rose nutzte man allerdings auch in der Frauenheilkunde: Bereits in der Antike stellten die Ärzte aus dem kostbaren Rosenöl Mutterzäpfchen für Gebärmutterleiden her -
welch venusische Arznei für das weiblichste Organ! Innerlich verabreichten sie Rosenblütenwein bei Schmerzen aller Art und schätzten die Rosenmedizin als Herz- und Nerventonikum.
Wenn wir heute dieser Heiltradition folgen, dann können es manche gar nicht glauben, dass Rosenblüten nicht nur angenehm duften, sondern auch heilsam sind. Wie alle Rosengewächse zeichnet sich die Rose durch einen hohen Gerbstoffgehalt aus. Der Alkoholauszug aus den Blütenknospen enthält 10 bis 25 % Gerbstoffe, auf deren umfassende Heilkräfte ich in den nachfolgenden Kapiteln noch eingehen werde. Im ätherischen Rosenöl überwiegt mit bis zu 60 % das Geraniol, das eine beachtliche antibiotische Wirkung zeigt: Geraniol hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen (z. B. Candida albicans).
Rosenwasser war schließlich noch Bestandteil von Schönheitselixieren, so auch vom Schönheitswasser der Königin von Ungarn, das aus dem 14. Jahrhundert überliefert ist: Die damals Siebzigjährige soll durch ihr Geheimrezept so jugendlich und anziehend geworden sein, dass sogleich der König von Polen um ihre Hand anhielt (siehe Rezept, Seite 33).




EAN: 9783442141913
ISBN: 3442141915
Untertitel: Eine ganzheitliche Kräuterheilkunde für Frauen. 'Goldmanns Taschenbücher'. durchgehend s/w und farbig bebildert.
Verlag: Goldmann TB
Erscheinungsdatum: Juni 2000
Seitenanzahl: 352 Seiten
Format: kartoniert
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