HUDU

Lieb Vaterland magst ruhig sein


€ 9,95
 
kartoniert
Noch nicht erschienen
September 1969

Beschreibung

Beschreibung

Die erregend abenteuerliche Geschichte eines Mannes mit dunkler Vergangenheit, hineingestoßen in die infernalische Weit des Geheimdienstes von Ost und West; ein buntes Panorama Berlins im Jahre 1964, diesseits und jenseits der Mauer; eine Darstellung der Minner, die Fluchttunnels von Ost nach West planten, finanzierten und bauten - all das bringt dieser Roman mit seinem vielschichtigen, dramatischen Geschehen.
Johannes Mario Simmel hat dieses Buch geschrieben, um uns wachzurütteln, um uns zu zeigen, daß die Schaffung universeller Menschlichkeit das höchste Ziel ist, dem alles Planen und Wirken dienen sollte.

Portrait

Johannes M. Simmel, geb. 1924 als Sohn eines jüdischen Chemikers und einer Lektorin in Wien, verbrachte seine Kindheit in Wien und England. Nach seiner Ausbildung zum Chemie-Ingenieur war er ab 1943 als Heilmitteltechniker tätig. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Dolmetscher für die amerikanische Militärregierung in seinem Land. Seit 1948 war er als Journalist tätig, schrieb Drehbücher, Reportagen und Serien. Seit 1963 arbeitete Simmel als freier Schriftsteller und lebte in München oder Frankreich. Der große Wurf gelang ihm 1960 mit dem Romantitel 'Es muss nicht immer Kaviar sein' und dem Bühnenstück 'Der Schulfreund'. Es folgten regelmäßige Veröffentlichungen von Romanen, von denen viele zum Erfolg wurden. Der Literaturbetrieb stufte Simmels Romane teilweise noch als Trivialliteratur ein. Die Kritik an seinen Werken betraf die literarische Ästhetik, aber nicht die Inhalte. Seine Themen waren unter anderem Drogenhandel, Undurchschaubarkeit der Geheimdienste, Neonazismus oder Umweltverschmutzung. Im März 2005 bekam der österreichische Schriftsteller das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.§ eit dem Jahr 1983 lebte der Autor im schweizerischen Zug, wo er am 1. Januar 2009 im Alter von 84 Jahren verstarb.

Leseprobe

Prolog: Die Helfer

Die Frau ist zu dick. Sie kommt nicht durch das Einsteigloch des Tunnels, so sehr sie sich auch bemüht. Bei den einunddreißig Leuten vor ihr ging alles glatt. Nun stockt der Transport. Das ganze Unternehmen ist durch die Dicke gefährdet. Sie weiß es. Darum beginnt sie zu weinen. Lautlos. Wenn sie laut weinte, wäre überhaupt gleich alles aus - nicht nur für sie, sondern auch für die neununddreißig Männer, Frauen und Kinder, die im Hinterhof des Hauses Mottlstraße 35 stehen und warten, ratlos, angstvoll, wütend. Diese dicke Olle, die hat uns gerade noch gefehlt!

Der dicken Ollen rinnen Tränen der Verzweiflung über das breite, fleischige Gericht, das vor Aufregung, Anstrengung und Schmerz violett angelaufen ist. Ja, auch vor Schmerz! Denn die im Tunnel unten zerren an ihren Füßen, und die im Hof stemmen sich auf ihre Schultern. Vergeblich. Da steckt die Arme, halb drin, halb draußen. Es ist 23 Uhr 17 am Donnerstag, dem 13. August 1964. Eine warme Nacht, eine schöne Nacht mit klarem Himmel, vielen Sternen und einem leuchtenden, honigfarbenen Mond.

»Mutti, schau doch! Schon wieder!« flüstert ein kleines Mädchen mit riesigen Augen in dem schmalen Gesicht. Das kleine Mädchen, das einen Teddybären an sich gepreßt hält, hebt die freie Hand nach oben. Eine Sternschnuppe fällt. August und September sind die Sternschnuppenmonate. Man darf sich etwas wünschen, wenn man eine sieht, aber man darf nicht sagen, was man sich wünscht, sonst geht es nicht in Erfüllung. Das kleine Mädchen, seine Mutter und alle anderen im Hof, auch die Unglückliche im Hof, sehen die Schnuppe, die aus den Höhen des unendlichen Firmaments stürzt, und sie alle wünschen sich etwas, keiner sagt, was, alle wünschen sich das gleiche: Die Dicke soll d

EAN: 9783426002094
ISBN: 3426002094
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: September 1969
Seitenanzahl: 608 Seiten
Format: kartoniert
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