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Hitler - Eine Bilanz


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kartoniert
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Mai 2005

Beschreibung

Beschreibung

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich 2005 zum sechzigsten Mal. Guido Knopp zieht Bilanz und zeichnet ein facettenreiches Porträt von Adolf Hitler - dem Diktator und dem Privatmann. Waren die Deutschen ihm, dem Verführer hilflos augeliefert, oder fiel seine Ideologie auf fruchtbaren Boden?

Sorgfältig recherchiert und spannend geschrieben.

Gibt einen ausgezeichneten Überblick über bekannte und unbekannte Fakten zur Person Hitlers, seiner Politik, seinen Verbrechen und den Wurzeln seiner Schreckensherrschaft.

Guido Knopp hat dieses komplexe Thema verständlich und gut lesbar zusammengefasst.

Bestens geeignet, auch jüngere Leser an die unvergesslichen Geschehnisse der Vergangenheit heranzuführen.

Portrait

Prof. Dr. Guido Knopp war nach seinem Studium der Geschichte, Politik und Publizistik zunächst Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und anschließend Auslandschef der "Welt am Sonntag". Seit 1984 leitet er die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, mit der er vielbeachtete Fernsehserien wie "Hitlers Helfer", "Hitlers Krieger" und die Serie "History" produziert; auf Phoenix erschien die Reihe "100 Jahre" über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Durch eine gelungene Verknüpfung von exakt recherchierter und gleichzeitig unterhaltender Information gelingt es ihm immer wieder, ein großes Publikum für seine Fernseh- und Buch-Dokumentationen zu begeistern. Guido Knopp hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Jakob-Kaiser-Preis, den Europäischen Fernsehpreis, den Telestar, den Goldenen Löwen, den Bayerischen Fernsehpreis, das Bundesverdienstkreuz und den Internationalen Emmy. Seine Bücher waren allesamt Bestseller. Zuletzt erschienen von ihm die Bücher zur ZDF-Serie "Die Deutschen" sowie "Der Wettlauf zum Südpol".

Leseprobe

Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen.
'er f'nf Jahrzehnte nach dem Tode Hitlers ist es nicht mehr n'tig, Angst vor ihm zu haben. Hitler ist durchschaut. Er kann uns nicht gef'lich werden.
Noch nie ist ein Politiker in einem einzigen Jahrzehnt so geliebt und so verflucht worden wie er. Noch nie ist einer so total gescheitert. Alles, was er je gewollt hatte, mi'ang. Alles, was er je erstrebt hatte, verkehrte sich ins Gegenteil. Er wollte der Retter Europas sein. Statt dessen wurde er zum Folterknecht des Kontinents und fast zu seinem Henker. Er wollte von Europa aus die Welt beherrschen. Statt dessen wurde das gespaltene Europa 40 Jahre lang zum M'ndel zweier fremder Superm'te. Er wollte an der Spree die Welthauptstadt Germania bauen. Statt dessen wurde die zerbombte und geteilte Stadt zum Kampfplatz f'r den Kalten Krieg. Er wollte die kommunistische Herrschaft zerst'ren und erm'glichte es Stalin, sein Imperium bis zur Elbe auszudehnen. Er wollte die Juden Europas vernichten und trug mit dazu bei, da'ein starkes souver's Israel entstand.
Bis zum Fall der Mauer war die zweigeteilte Welt Europas eine sp' Rache Adolf Hitlers. Beide deutsche Staaten, seine Erben, mu'en an der Nahtstelle der Bl'cke atomare Geiseln ihrer Prinzipale sein. Ihr Territorium war das potentielle Schlachtfeld eines nuklearen Holocaust, in dem die Deutschen sich im Massengrab vereint gefunden h'en. Das ist 'berwunden. Deutschland ist, ein Gl'ck und eine Gnade der Geschichte, neuvereint und frei. Auch frei von Hitler? Nein, wir haben ihn nicht 'berwunden. Hitlers d'sterer Schatten ist noch immer sichtbar. Nach wie vor ist er, ein 'terreicher, weltweit der bekannteste Deutsche - immer noch vor Beckenbauer, Helmut Kohl und Boris Becker.
Wir w'rden uns so gerne von ihm l'sen, w'rden gerne ein "normales" Land sein. Doch wir werden immer wieder gnadenlos auf ihn zur'ckgef'hrt. Wir sind noch immer Hitlers Erben, ob wir wollen oder nicht. Wir werden ihn nicht los.


Erst heute, nach Ja
hrzehnten, offenbart sich, da'das eigentliche Menetekel seiner Herrschaft, eigentlicher S'ndenfall des zwanzigsten Jahrhunderts, nicht der Krieg mit seinen offenen Schrecken, sondern ein verborgenes Verbrechen war. Auschwitz - die Erfahrung dessen, was der Mensch dem Menschen antun kann:
Vertilgung seinesgleichen, Massenmord nach Plan - mechanisch, systematisch, gr'ndlich. Der Krieg, so furchtbar er auch f'r die Zeitgenossen war, tritt in der n'chternen historischen Betrachtung fast zur'ck. Er wirkt mitunter wie ein Mantel, unter dessen H'lle sich der Holocaust verstecken und vollziehen konnte.
Dieses d'stere Erbe Hitlers lastet auf uns Deutschen: Es hat unser Selbstvertrauen nahezu zerst'rt.
Wie k'nnen wir uns trauen, wenn wir ihn gew't haben? Wie k'nnen wir uns trauen, wenn wir ihn umjubelt haben? Wie k'nnen wir uns trauen, wenn wir ihm in seinen Krieg gefolgt sind? Wie k'nnen wir uns trauen, wenn wir Auschwitz zugelassen haben? Hitlers Erbe: ein 'stlicher Konformismus der Demokratie. Nur wenn er Gl'ck hat, gilt der Au'nseiter als Exzentriker. Hitlers Erbe: eine unerf'llte Sehnsucht, da'Gesellschaft auch Gemeinschaft sein soll.
Hitlers Erbe: eine eingeschr'te F'gkeit, mit Gegenwart und Zukunft unbefangen umzugehen.
Es ist, als s'n wir die Gegenwart zun'st im R'ckspiegel der Nazizeit, als f'hlten wir in uns die innere Verpflichtung, unser Antinazitum tagt'ich beweisen zu m'ssen - auch wenn es gar nicht n'tig ist. Wir scheuen uns, Hochbegabte besonders zu f'rdern, weil wir f'rchten, dies erinnere an Elitez'chtung a la Napola. Wir k'nnen nicht gelassen 'ber Sterbehilfe diskutieren, weil uns die Erinnerung an Hitlers m'rderische "Euthanasie" zum Schweigen bringt. Wir k'nnen uns nicht unbefangen um die Gentechnologie bem'hen, weil uns Hitlers Rassenwahn vom Herrenmenschentum im Nacken sitzt. Seit Hitlers Ende definieren wir von vornherein als prinzipiell normal, was unter Hitler andersherum geregelt war. Wir sind die Geiseln unserer Vergangenheit. W
enn wir mit dem deutschen Trauma Hitler fertigwerden wollen, m'ssen wir uns mit ihm auseinandersetzen. Denn ein Trauma ist er nur geworden, weil wir ihn verdr'en wollen. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Einhundertzwanzigtausend Schriften 'ber Hitler gibt es mittlerweile, berufene und unberufene. Sie haben uns mit den letzten Einzelheiten seiner Untaten vertraut gemacht. Sie haben uns in die Abgr'nde seines Wesens gef'hrt. Sie haben uns in die inneren Kammern seiner Seele blicken lassen.
Sie haben uns berichtet, da'er Pillen gegen Bl'ucht einnahm, wann er Masern hatte, da'er, wenn gerade eine Front zusammenbrach, mehr Kuchen a'als sonst. F'r alle diese Einzelheiten sind wir den Autoren dankbar.
Doch je mehr wir 'ber Hitler wissen, desto schwerer ist er zu erkl'n, desto mehr entzieht er sich. Zwischen dem in 50 Jahren angeh'ten Wissen 'ber Hitler und der allgemeinen Kenntnis 'ber ihn liegt eine tiefe Kluft.
Das popul' Hitler-Bild zeigt einen D'n, der von au'n kam. So fiel es leichter, mit ihm umzugehen. Wer kann sich gegen einen Teufel wehren, der sich als der wei' Ritter ausgibt? "Hitler war nicht ganz normal", sagt ein sudetendeutscher Zeitzeuge in einem Gespr'. Wohl wahr, ein D'n aber war er nicht. Er kam von au'n, doch er f'hlte sich als ausgeschlossener Deutscher. Also mu'e er auch Deutscher werden - und er wurde deutscher als die meisten Deutschen. So sehr deutsch, da'manche Deutsche Deutschsein immer noch als Last empfinden.
Die Bilanz in Sachen Hitler mu'aus Deutschland kommen. Denn obwohl wir ihm in freien Wahlen nie die Mehrheit unserer Stimmen gaben, haben wir ihm doch zur Macht verholfen. Und obwohl er weder f'r den Krieg noch f'r den Judenmord je 'ffentlich die Zustimmung der Deutschen einverlangte und erhielt, haben wir beides zugelassen. Keiner nimmt uns Deutschen die Verantwortung daf'r ab, da'wir den Teufel untersch't haben und ihn nicht losgeworden sind, bevor es zu Millionen Toten kam. Aber keiner kann die Welt um uns herum von der Ver
antwortung befreien, diese Untersch'ung vielfach wiederholt zu haben. Vor 1938 gab man Hitler, was man Weimar noch verweigert hatte. Krieg und Holocaust - sie h'en sich vermeiden lassen, wenn man Hitler nicht beschwichtigt, sondern ihm die Faust gezeigt h'e. Dieses Buch will eine Schneise durch den Dschungel unseres Wissens 'ber Hitler schlagen. Es ist keine weitere Biographie. Es erz't von den f'nf Ebenen der Existenz des Adolf Hitler, f'nf neuralgische Befindlichkeiten.




Pressestimmen

»Wer sich nur schaudernd abwendet, macht es sich zu leicht ... Er mag ein schreckliches historisches Phänomen gewesen sein, aber ein wichtiges ... wir können es uns nicht leisten, ihn unbeachtet zu lassen.«
EAN: 9783442153527
ISBN: 3442153522
Untertitel: Originaltitel: Hitler - Eine Bilanz. 'Goldmanns Taschenbücher'.
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 2005
Seitenanzahl: 318 Seiten
Format: kartoniert
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