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Viktor im Schattenland


€ 9,50
 
kartoniert
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April 2015

Beschreibung

Beschreibung

Lange Schultage, mobbende Mitschüler, überlastete Lehrer, erdrückende Eltern: Und zu allem Überfluss verfolgen Viktor auch noch die Schatten der antiken Unterwelt! Doch sein geliebter Opa kennt Goethes Farbschatten, pfiffige Lerntricks, indonesische Schattenfiguren und einen begeisternden Musiklehrer. Schafft Viktor die Versetzung doch noch? Übersteht er das unheimlichste Schattenspiel unserer Erde? Für Schülerinnen und Schüler (von Klasse 5 bis 13), die in einem spannenden Leseabenteuer Hilfen gegen Lernstress suchen, und für Erwachsene, die sie dabei unterstützen möchten.

Portrait

Gerd Haehnel, geb. 1955, lebt mit seiner Familie in Essen. Er ist Oberstudienrat (Musik, Pädagogik, Deutsch, Literatur und Theater); Diplom-Pädagoge (mit dem Schwerpunktfach Psychologie); von 1986-1996 Aufbau und Leitung des Schulversuchs »Musikalische Chancen für alle - Musik als Hauptfach«; seit 1993 Moderator für Lehrerfortbildung im Fach Musik bei der Bezirksregierung Düsseldorf; zahlreiche Lehrerfortbildungen und Schattentheater-Aufführungen im In- und Ausland, u. a. bei der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 und bei der musikpädagogischen Sommerakademie in Salzburg; Autor und Herausgeber von Veröffentlichungen zum Deutschunterricht, zum Musikunterricht und zum Menschenschattenspiel sowie entsprechender Homepages im Internet; Romanautor. Weitere Infos: www.gerd-haehnel.de

Leseprobe

006 - mit der Lizenz zum Sitzenbleiben

Den übelsten Kandidaten habe ich mir für den Schluss aufbewahrt: Nummer fünf, dessen Sechs an Unverschämtheit kaum noch zu überbieten ist. Nimm erst mal deine Kappe ab!, donnerte es in Viktors Richtung. Skandalös, Viktor! Und faul, stinkend faul! Unbegreiflich, wo dein Vater doch ebenfalls Studiendirektor ist. Zwar bei der Konkurrenz, aber immerhin promoviert. Er sollte am besten wissen, dass deine Leistungen für ein Gymnasium absolut inakzeptabel sind. Auch mit Intelligenz bist gerade du ja überhaupt nicht gesegnet. So eine Null habe ich lange nicht mehr erlebt, beinahe schon eine Doppelnull, hahaha, ein Doppelnullagent, fast wie James Bond: die 006, mit der Lizenz zum Sitzenbleiben, hahaha!
Geschafft. Aufatmend stimmten die übrigen Schüler in das Gelächter ein; nun war die Gefahr für sie vorüber, jetzt würden die ausreichenden Arbeiten folgen. Viktor jedoch schossen die Tränen in die Augen, als der Französischlehrer ihm sein Heft auf den Tisch knallte. Immer noch verzückt von seinem Wortwitz wandte er sich etwas vergnügter an die Klasse: Man wird sich ja am letzten Schultag wohl ein Sprachspielchen erlauben dürfen, oder?
Die Klasse nickte begeistert. Doppelnull ist doch cool für die alte Heulsuse!
Verzweifelt verließ Viktor das Schulgebäude.
Zwei Schülerinnen stürmten an ihm vorbei. Toll, rief die kleinere, dass ich mich von Drei auf Eins verbessert habe. Dann streichen mir meine Eltern heute nicht den Kinobesuch.
Unten, am Fuß der wuchtigen Treppe, sah er sich plötzlich von Klassenkameraden umringt. Sie standen unter dem Kommando von Simon, einem sportlichen, blonden Typ mit Motorradjacke und Springerstiefeln, bereits ein Jahr älter als die meisten. Tritt endlich dem Freundeskreis bei. Wir beschützen dich auch an deiner neuen Schule. Scheinheilig knuffte er Viktor in die Seite. Natürlich kostet das eine Kleinigkeit, aber du kriegst Weichei-Rabatt. Oder bist du dir etwa zu fein für uns? Sein Befeh
lston verschärfte sich: Anmeldung in die Community nur online. Den Zugangscode hat meine Assistentin. Judith, rück den Stick raus. Und halte dich an die Meldefrist. Bis dahin ist unsere Fürsorge gratis: Schutzkreis mit Ansage!
Sofort umstellte ihn die Clique, und ihr Chef schleuderte ihn mit einem wütenden Stoß Richtung Judith. Diese fing ihn auf und schob ihm einen Datenträger in seine Schlabberjeans. Macht insgesamt 20 Euro. Dein Sonderpreis deckt kaum unsere Unkosten. Zahlbar an die Finanzchefin - also an mich. Damit rammte sie ihm ihre rosaroten Fingernägel in den Handrücken. Dann trat sie ihre halbhohen Stiefel so in seinen Hintern, dass er durch den Freundeskreis taumelte.
Die anderen stiegen begeistert in das Spiel ein. Jetzt nur keine Schwäche zeigen und heulen, dann würden sie von selber aufhören. Doch die Attacken wurden immer brutaler, bis eine Lehrerin sich näherte. Na, ihr Racker, hört ihr wohl mit der Schubserei auf? Nicht dass sich noch jemand wehtut. Messt eure Kräfte lieber beim Fangenspielen.
Lasst uns verschwinden, Leute, wir können keinen Ärger mehr brauchen!, flüsterte Judith. ...
Viktor schlich nach Hause. Wie sollte er seiner Mutter nur das 'Ungenügend' beichten?

EAN: 9783956671586
ISBN: 3956671589
Untertitel: Ein Leseabenteuer gegen Lernstress. Auch für Erwachsene.
Verlag: Verlag 3.0
Erscheinungsdatum: April 2015
Seitenanzahl: 320 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Igelmanu - 20.09.2015, 20:39
Viel mehr, als du glaubst
Im nächsten Moment schob sich mit den bebenden Massen des Lehrkörpers ein dunkler Schatten zwischen ihn und den kleinen Hoffnungsschimmer an der Wand. »Den übelsten Kandidaten habe ich mir für den Schluss aufbewahrt: Nummer fünf, dessen Sechs an Unverschämtheit kaum noch zu überbieten ist. Skandalös, Viktor! Und faul, stinkend faul! Unbegreiflich, wo dein Vater doch ebenfalls Studiendirektor ist. ... Er sollte am besten wissen, dass deine Leistungen für ein Gymnasium absolut inakzeptabel sind. Auch mit Intelligenz bist gerade du ja überhaupt nicht gesegnet. So eine Null habe ich lange nicht mehr erlebt, beinahe schon eine Doppelnull, hahaha, ein Doppelnullagent, fast wie James Bond: die 006, mit der Lizenz zum Sitzenbleiben, hahaha!« Viktor fühlt sich wie der völlige Versager. Schon die fünfte Klasse musste er wiederholen und wenn er nun auch die sechste nicht schafft, fliegt er vom Gymnasium. Nicht nur sein Lehrer hält ihn für eine Doppelnull, auch sein Vater, promovierter Studiendirektor, ist schwer enttäuscht von ihm. Und seine Mutter hätte sicher auch nicht solche schlimmen Herzprobleme, wenn sie sich nicht unaufhörlich um Viktor sorgen müsste! Mit seinem kaum vorhandenen Selbstbewusstsein ist er das perfekte Mobbing-Opfer seiner Mitschüler und auch außerhalb der Schule wird sein Leben von Ängsten beherrscht. Allein die gruseligen Schatten in der Dämmerung, die ein Eigenleben entwickeln und ihn verfolgen! Ein Glück, dass Viktor in den Osterferien seinen Opa besuchen darf. Der pensionierte Lehrer hat nicht nur so manchen tollen Pädagogentick (ja -tick, nicht trick ;-) drauf, er hilft Viktor, seine Stärken zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und einen Weg zu finden, mit seinen Ängsten umzugehen. Wird Viktor das Schuljahr vielleicht doch noch schaffen? Ein tolles Buch, es hat mir sehr gefallen und ich konnte es - dank eines freien Wochenendes - zum Glück in einem Rutsch lesen. Mit Viktor konnte ich sofort mitfühlen: Wie soll man noch irgendetwas vernünftig hinbekommen, wenn man unter einem solchen Druck steht? Wenn einem stetig vermittelt wird, dass man ein Versager und eine Enttäuschung ist? Dabei drängten sich einige von Viktors (bislang ungenutzten) Stärken gleich auf: Zum Beispiel seine enorme Phantasie und Kreativität, die allerdings durch ein starres Regelkonstrukt ausgebremst wurde und bei ihm für Ängste und Panikattacken sorgte. Sein Großvater setzt genau an diesen Stellen an, indem er ihn für das Schattenspiel und das freie Schreiben begeistert. Die sich einstellenden Erfolge können sich sehen lassen! Ist eine Lösung wirklich so einfach? Und warum kann man dann nicht gleich so vorgehen? Das Buch will nicht einfach Schuldzuweisungen verteilen. Im Gegenteil lautet einer von Opas Pädagogenticks, dass die Frage nach der Schuld bei Lernproblemen wenig hilfreich ist. Es gibt nun mal lange Schultage, es gibt überforderte Lehrer, ein nicht wirklich optimales Schulsystem und Eltern, die - warum auch immer - Fehler machen. Wichtig sind die Stärkung des Selbstbewusstseins und das Finden der eigenen Stärken. Ich glaube, hier kann das Buch wertvolle Tipps liefern! Viktor schafft es dank Opas Pädagogentick Nummer 3 (Finde die Lernmethode, die zu dir passt!), sich sogar mit dem bislang verhassten Goethe anzufreunden. (Stichwort: Goethe reloaded) Wenn ich so zurückdenke: Das hätte mir auch gefallen! An dieser Stelle: Das Buch bietet interessante Zugänge zu Goethes Balladen und seiner Farbenlehre und zu alten griechischen Sagen. Man kann also zudem auch noch entsprechendes Fachwissen erwerben und ganz nebenbei merken, dass scheinbar langweilige Themen doch nicht sooo schlimm sein müssen. Und einiges, was ich über die Farbschattenlehre erfahren habe, hatte ich zuvor noch nirgends gelesen. Ich bin richtig neugierig geworden, werde mal ein bisschen experimentieren und in der Natur die Augen aufhalten. Neben dem Schattenspiel und dem kreativen Schreiben spielt auch die Musik und das Musizieren eine große Rolle. Nicht nur im Buch, auch tatsächlich weiß man, wie förderlich das Musizieren für das Lernen sein kann. Viktor quält sich bislang durch Nachmittage mit ungeliebtem Klavierunterricht, er hasst seinen unsensiblen Lehrer und das aufgezwungene Üben. Das ändert sich mit dem richtigen Instrument und einem coolen Lehrer, der es versteht, Freude am Musikmachen zu vermitteln. »Man sollte lernen, dass Schatten nicht nur düster sind, sondern aus Licht, aus Farbe, aus Musik bestehen!« Am Ende wird Viktor seine Stärken gefunden und seine Ängste besiegt haben, er wird Freunde gefunden und mit ihnen Abenteuer bestanden haben. Und auch die Erwachsenen werden das ein oder andere gelernt haben. Wenn das nicht Mut macht! Im Buch gibt es immer wieder schöne Zeichnungen, die die enorme Phantasie von Viktor deutlich erkennen lassen. Im Anhang dann: Erfahrungsberichte von Lehrern und ihren Klassen, die dieses Buch im Unterricht gelesen haben. Viele Hinweise zu ergänzenden Internetseiten, Schattenspielen und -experimenten (dem Buch liegen übrigens zwei farbige Folien bei, die man dazu nutzen kann). Außerdem Informationen zum Musikunterricht, ein kleines Wörterbuch zu den antiken Sagen, Opas gesammelte Pädagogentickticks und einige Bastelvorlagen. Der Autor Gerd Haehnel wurde 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren und lebt heute in Essen. Er ist Oberstudienrat und unterrichtet die Fächer Musik, Pädagogik, Deutsch, Literatur und Theater. Zudem ist er Diplom-Pädagoge mit dem Schwerpunktfach Psychologie und Moderator für Lehrerfortbildung bei der Bezirksregierung Düsseldorf und der musikpädagogischen Sommerakademie in Salzburg. Vor fast 35 Jahren erwachte bei ihm die Faszination für das Menschenschattenspiel, seitdem haben ihn seine Forschungen und Aktivitäten durch ganz Deutschland und ins Ausland geführt, bisheriger Höhepunkt war dabei sein Projekt im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Fazit: Ein tolles Buch, das Wege gegen Lernstress aufzeigt und helfen kann, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene! »Du wirst sehen: In dir steckt viel mehr, als du glaubst!«