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Lucinde. Studienausgabe


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Juni 1999

Beschreibung

Portrait

Friedrich Schlegel (seit 1815: von), 10. 3. 1772 Hannover - 12. 1. 1829 Dresden. Der Sohn des Theologen (und zeitweiligen Literaten) J. A. Schlegel und jüngere Bruder A. W. Schlegels begann 1789 in Göttingen Jura sowie Philologie, Geschichte und Philosophie zu studieren, wechselte 1791 nach Leipzig und entschied sich 1793 für eine Existenz als freier Schriftsteller. Aus Geldmangel zog er 1794 zu seiner Schwester Charlotte nach Dresden, 1796-97 lebte er bei seinem Bruder in Jena im Kreis der Frühromantiker, dann in Berlin, wo er seine spätere Frau Dorothea Veit, geb. Mendelssohn, kennen lernte. Er hatte wesentlichen Anteil an der Gründung des Athenaeum (1798-1800), der programmatischen Zeitschrift der Frühromantik. 1799 kehrte er nach Jena zurück, habilitierte sich 1800 und hielt eine Vorlesung über Transzendentalphilosophie. 1801 löste sich der Jenaer Romantikerzirkel auf; über Berlin, Dresden und Leipzig zogen Sch. und Dorothea Veit nach Paris (1802-04), wo sie 1804 heirateten. 1804-08 lebten sie in Köln, konvertierten 1808 zum Katholizismus und erneuerten ihre Ehe. 1808-15 wirkte Sch. als Sekretär der Hof- und Staatskanzlei in Wien und hielt daneben Vorlesungen; 1816-18 war er Legationssekretär der österreichischen Delegation am Frankfurter Bundestag und beendete seine amtliche Tätigkeit 1819 als Kunstsachverständiger auf einer Italienreise des Kaisers und Metternichs. Danach war er Herausgeber der Zeitschrift Concordia (1820-23), des zentralen Organs der Wiener Spätromantik, arbeitete an seiner Werkausgabe und hielt noch einmal eine Reihe von Vorlesungen, zuletzt auch in Dresden. Sch.s kritisches Frühwerk - Fragmente, Aufsätze, Rezensionen - gehört zu den maßgeblichen Dokumenten der ästhetischen, philosophischen und politischen Programmatik der jungen Romantikergeneration. Es bestimmt die Stellung der modernen romantischen Poesie im Rahmen der Literaturentwicklung und enthält u. a. die De¿nition der romantischen Poesie als 'progressiver Universalpoesie', in der sich alle getrennten Gattungen wieder vereinigen und Fiktion und Kritik, Phantasie und Ironie zusammenwirken. Sch.s Roman Lucinde ist Ausdruck der Vorstellung, dass sich die romantische Poesie am ehesten in der offenen Form des Romans verwirklichen lasse. Zugleich wirkte der Roman skandalös als (auch autobiographisch deutbares) Zeugnis einer die Konventionen der Gesellschaft sprengenden Auffassung von Liebe als Einheit von Geist und Sinnlichkeit, verbunden mit einem neuen, emanzipatorischen Frauenbild. Auch politisch galt Sch. mit seinen republikanischen Auffassungen als Radikaler. Dies änderte sich nach 1800 allmählich. Interesse an Mythologie und Mystik bereiteten die Wandlung vor, die im Übertritt zum Katholizismus und der Tätigkeit für die restaurative Politik Metternichs mündete. Dementsprechend vertreten die späten Publikationen die Positionen einer konservativ-katholischen Staatsphilosophie. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

EAN: 9783150003206
ISBN: 3150003202
Untertitel: 'Reclam Universal-Bibliothek'. Revid. und erweiterte Auflage.
Verlag: Reclam Philipp Jun.
Erscheinungsdatum: Juni 1999
Seitenanzahl: 224 Seiten
Format: kartoniert
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