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Fingerspiele


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Dezember 2004

Beschreibung

Beschreibung

»Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen ...« - ein Fingerspiel, das jeder aus seiner Kindheit kennt. Das geschickte Verbinden von Reimen und Fingerbewegungen fasziniert jedes Kind. Bernd Brucker weiß, wie viel Spaß die Kleinen dabei haben können, und hat neue und klassische Varianten zusammengestellt.

Portrait

Bernd Brucker, Jahrgang 1969, arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Anglistik in Augsburg und der Kunstgeschichte in Vancouver, Kanada in einer Werbeagentur im Allgäu. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Texter in Augsburg.

Leseprobe

I
Vorwort


Wie hei' es doch so sch'n: Spielend lernt der Mensch seine Umwelt kennen, und in ganz besonderem Ma' gilt dies nat'rlich f'r die Allerkleinsten. Mit jedem neuen Tag gehen sie auf Entdeckungsreise in eine ihnen noch vollkommen fremde Welt, in der es allerhand zu erleben, zu erfahren und - in des Wortes urspr'nglichster Bedeutung -zu begreifen gibt. Durch ihre nat'rliche Neugier und ein f'r uns Erwachsene beinahe unbegreifliches Durchhalteverm'gen eignen sie sich auf diese Weise all die Fingerfertigkeiten an, die sie im Laufe des Lebens ben'tigen. An Ihnen als Eltern liegt es nun, Ihr Kind und die Entwicklung seiner Fertigkeiten gezielt zu f'rdern, spielerisch zu f'rdern, denn eines ist gewiss: Spielen bildet den Charakter, hat nachweislich positiven Einfluss auf die Kreativit'und st't das Selbstbewusstsein.
Mit diesem Buch m'chte ich Ihnen bei der Auswahl der f'r Sie und Ihr Kind passenden Spiele helfen. Neben zahlreichen Fingerspielen unterschiedlichster Art - einige davon werden Sie noch aus Ihrer eigenen Kindheit kennen - habe ich detaillierte Anleitungen und weitere n'tzliche Tipps zum Gebrauch hinzugef'gt, mit einem Wort: Sie k'nnen sofort loslegen.
In diesem Sinne w'nsche ich Ihnen und Ihrem Kind viel Freude beim gemeinsamen Spiel und allzeit die n'tige Mu'.
Bernd Brucker


Kapitel 1
Einf'hrung


Eine lange Tradition


Wer erinnert sich nicht daran zur'ck: 'Das ist der Daumen, der sch'ttelt die Pflaumen ...' Diese Zeilen hat sicher jeder schon einmal - oder besser gesagt zigmal - geh'rt, und tats'lich geh'rt dieses wohl bekannteste Fingerspiel auch heute noch zu den beliebtesten 'berhaupt. Ein echter Evergreen, sozusagen, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Damit sind wir auch schon beim Thema: Fingerspiele haben in unserer Gesellschaft eine lange Tradition. Sie sind ein lebendiges St'ck Kultur, das bereits Jahrhunderte 'berdauert hat, und das auch in Zukunft weite
r leben wird. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass zumindest die gebr'hlichsten Spiele auch im heutigen Medienzeitalter noch immer m'ndlich 'berliefert werden. Und beinahe noch erstaunlicher: 'er die ganze Zeit bewahren sie mehr oder weniger ihren Ursprung, von einzelnen Modernisierungen und regionalen Besonderheiten einmal abgesehen. Diesen Umstand verdanken wir in erster Linie der Tatsache, dass sie kinderleicht gelernt und auch behalten werden k'nnen, was wiederum an der speziellen Form liegt: Zumeist sind es einfache Verse in Reimform. Inhaltlich besch'igen sie sich mit den verschiedensten Dingen und Lebensbereichen, gelegentlich finden sich auch so genannte Nonsens-Verse, die allein wegen des 'sch'nen Klanges' gefallen. Kurz gesagt: Sie decken ein breites Spektrum ab und geben gleichzeitig Aufschluss dar'ber, was zu welcher Zeit als kindgerecht empfunden wurde. Und hier hat sich in der Tat im Laufe der Jahre viel getan. Vor allem werden Kinder in der Gegenwart als Kinder angesehen, und nicht wie noch bis ins letzte Jahrhundert hinein als kleine Erwachsene. Dementsprechend betrachten wir heute manches, was wir finden, mit einem Schmunzeln, anderes eher kritisch, weil es eindeutig nicht mehr zeitgem'ist. Dies gilt insbesondere f'r jene Verse, die allzu stark moralisieren und zu viel Wert auf den erhobenen Zeigefinger legen. Konsequenterweise haben solche Zeilen hier keinen Platz gefunden. Die Zusammenstellung in diesem Buch ist eine Mischung aus alten und neuen Spielen, die sich in der Praxis bew't haben und t'ich aufs Neue bew'en. So etwas wie eine autorisierte oder einzig g'ltige Fassung einzelner Spiele gibt es jedoch nicht. Vielmehr bestehen eine Vielzahl verschiedener Varianten nebeneinander. Z'gern Sie also nicht - falls Sie eine kennen -, Ihre eigene Version zu spielen, wenn sie Ihnen besser gef't.
Warum dann aber 'berhaupt ein Buch, wenn doch Fingerspiele, wie behauptet, noch immer m'ndlich 'berliefert werden? Ganz einfach: Aus praktischen G
r'nden! Auf diese Weise beh' man bei der Vielzahl an Versen besser den 'erblick und es f't leichter, eine Auswahl zu treffen. Der Erste, der damit anfing, volkst'mliche Fingerspiele zu sammeln und neue selbst systematisch zu entwickeln, war der P'goge Friedrich Fr'bel. Sein Buch Mutter- und Kose-Lieder, wie auch Lieder zu K'rper-, Glieder- und Sinnenspielen fand zu seinen Lebzeiten allerdings nur wenig Anklang. Fr'bel, der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte und auch als 'Erfinder' des Kindergartens gilt, hatte schon damals Vorstellungen 'ber die Erziehung von Kindern, mit denen er seiner Zeit weit voraus war. So sah er beispielsweise das Spielen als elementar f'r die Entwicklung an, nicht zuletzt, weil es dem Kind wichtige Ausdrucksm'glichkeiten bietet. Entgegen der herrschenden Meinung seiner Zeit war f'r ihn die spielerische Besch'igung mit Kleinkindern weit mehr als reiner M''ggang. Heute zum Gl'ck ein unbestrittener Fakt! Aber: Spielen ist (auch!) ein sch'ner Zeitvertreib, der Kindern wie Erwachsenen Spa'machen soll und nicht nur einen p'gogischen Zweck erf'llt. Um es auf den Punkt zu bringen: Nehmen Sie die Sache nicht zu ernst! Spielen Sie!


Verschiedene Fingerspiele


Fingerspiel ist nicht gleich Fingerspiel! M'glicherweise eine 'berfl'ssige, weil banale Aussage, aber die Fragestellung bei der Zusammenstellung der vorliegenden Spielesammlung war folgende: Wie gelingt es, die verschiedenen Spiele so unter einen Hut zu bringen, dass die Reihenfolge einen inhaltlichen Sinn ergibt und gleichzeitig f'r Sie, den Leser, leicht nachvollziehbar ist? Die Antwort lautet: M'glichst 'bersichtlich soll es sein, damit Sie sich jederzeit zurecht finden und wissen, wo Sie was schnell finden k'nnen. Eine Unterteilung nach rein inhaltlichen Gesichtspunkten, also etwa nach Versen aus der Tier-, Pflanzen-, Menschen-, Fantasiewelt, etc. schien mir wenig zweckm'g. Entstanden ist schlie'ich ein Ordnungsprinzip nach unterschiedlichen Spieltypen.
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Den Anfang machen dabei die so bezeichneten Kosespiele oder auch Krabbelspiele. Dabei handelt es sich um Spiele, die haupts'lich dazu dienen, mit dem Kind in Kontakt zu treten, es anzusprechen, zum Lachen zu bringen. Sie verlaufen alle mehr oder weniger nach dem gleichen Muster: Der Erwachsene spricht einen Vers und f'hrt dabei bestimmte Rituale aus, wie zum Beispiel am K'rper des Kindes entlang zu krabbeln, es zu streicheln, zu dr'cken, zu kitzeln, ihm die Hand zu sch'tteln, usw. Hierunter fallen unter anderem auch Trostreime wie 'Heile, heile G'chen', denen ein eigener kurzer Abschnitt gewidmet ist. Das Kind hat dabei eher eine passive, eine wahrnehmende Rolle. Die eigenen Finger werden noch nicht gezielt bewegt.


Als n'stes kommen die Zeigespiele. Ihnen ist allen zu eigen, dass die Finger in irgendeiner Form benannt werden, indem zun'st der Erwachsene darauf zeigt. Bekanntestes Beispiel ist das bereits an vorheriger Stelle erw'te 'Das ist der Daumen, der sch'ttelt die Pflaumen ... ' Die Absicht dahinter ist, dass das Kind lernt, die einzelnen Finger unabh'ig voneinander zu bewegen. Die Feinmotorik wird geschult und gleichzeitig das Sprachgef'hl. Sp'r dann soll das Kind auch in der Lage sein, auf bestimmte Dinge zu zeigen und diese zu benennen.


Dem schlie'n sich an die Z'spiele, eigentlich eine Unterform der Zeigespiele. Anstelle von Begriffen werden den Fingern unterschiedliche Zahlen zugeordnet oder beides miteinander kombiniert. Es geht darum, ein Gesp'r f'r Reihenfolgen zu entwickeln. Sinnvollerweise werden die Z'spiele erst gespielt, wenn das Kind bereits so etwas wie grammatische Strukturen beherrscht, sprich einfache S'e bilden kann.


Das n'ste Kapitel befasst sich mit Aktionsspielen. Darunter ist zu verstehen, dass das Kind mit den Fingern, den H'en und den Armen bestimmte einfache Bewegungen unter Anleitung nachahmen kann. Ziel ist es, das Spiel auch zu begreifen, also einen Handlungszusammenhang nachzuvo
llziehen. Viele dieser einfachen Aktionsspiele eignen sich jedoch auch hervorragend als einfache Krabbelspiele.


Es folgen einfache Geschichten, die mit den H'en dargestellt und nachgespielt werden. Sinn und Zweck ist wie bei den Aktionsspielen, Zusammenh'e zu begreifen, das Sprachgef'hl und die Koordinationsf'gkeit weiter zu entwickeln. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder bei diesen kleinen Geschichten riesigen Spa'haben, auch wenn sie noch nicht in der Lage sind, sie selbst nachzuspielen. Soll hei'n: Spielen sie ruhig fr'hzeitig, aber erwarten Sie nicht zu viel.


Das letzte Kapitel schlie'ich widmet sich dem einfachen Fingertheater. Hier werden etwas komplexere Zusammenh'e dargestellt. Aus Fingern werden Figuren, die miteinander interagieren. Hierbei sind die Kinder vor allem Zuschauer, die aber auch mit ins Spiel einbezogen werden. Das Besondere am Fingertheater ist, dass es keine feste Form hat. Es ist gereimt oder ungereimt, folgt einer Vorlage oder ist improvisiert. Zum Selberspielen ist es - besonders f'r Kleinkinder - eher ungeeignet. Dennoch bringt schon das Zuschauen viel und macht obendrein Spa' Um das Ganze noch aufzupeppen, k'nnen Sie Ihre Finger schm'cken und Ihre eigene kleine B'hne basteln. Hierzu finden Sie entsprechende Anleitungen und Vorlagen.


Wie schon gesagt: Die Trennlinie zwischen einzelnen Spielen kann verschwimmen und es ist nicht immer auf den ersten Blick einzusehen, warum ein Spiel ein Zeigespiel, das n'ste aber ein Aktionsspiel sein soll. Lassen Sie sich dadurch aber nicht irritieren. Wie 'einfach' oder 'anspruchsvoll' ein einzelnes Spiel dann in Wirklichkeit ist, h't nat'rlich ma'eblich davon ab, wie es gespielt wird. Bleibt noch eine Frage zu kl'n:


Welche Spiele f'r welches Alter?
Als Richtwert geht man davon aus, dass Fingerspiele gespielt werden k'nnen, sobald das Kind aus eigener Kraft sitzen kann und seine H'e frei hat. Zuerst die einfachen Kosespiele, mit einem Jahr auch Zeig
espiele und so geht es dann weiter bis zu einem Alter von ungef' f'nf Jahren. Aber wie gesagt handelt es sich dabei um einen Richtwert. Sinnvoller als eine verbindliche Altersangabe ist es jedoch, die Entwicklungsstufe des Kindes zum Ma'tab zu nehmen. Und noch viel wichtiger f'r Sie als Eltern ist vor allem eines: Sie k'nnen nicht viel falsch machen, wenn Sie mit Ihrem Kind spielen, so lange Sie nur richtig bei der Sache sind. Einen ganz sicheren Anhaltspunkt haben Sie noch: Gef't das Spiel Ihrem Kind, liegen Sie in jedem Fall richtig.


Was bringen Fingerspiele?
Erst im letzten Jahrhundert wurde intensiv - und mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden - erforscht, welchen Einfluss die Beweglichkeit der Finger auf die Entwicklung weiterer F'gkeiten hat. Die Ergebnisse 'berraschen nicht: Es sind durchweg positive Auswirkungen. So haben Verhaltensforscher beispielsweise festgestellt, dass der Gehirnbereich, der f'r die Koordination der Finger verantwortlich ist, in unmittelbarer Nachbarschaft zum
Bereich f'r Spracherwerb liegt, und allem Anschein nach verh' es sich so,dass sich die beiden Bereiche gegenseitig beeinflussen. Etwas verk'rzt dargestellt ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Fingerfertigkeit sich g'nstig auf die Sprachentwicklung auswirkt und umgekehrt: Sprach'bungen verbessern das Koordinationsverm'gen. Demzufolge sind Fingerspiele also in doppelter Hinsicht wertvoll, weil sie eine Kombination von beidem sind: Sprache und Bewegung. Aber ganz von diesen Erkenntnissen einmal abgesehen: F'r die Kleinsten hat jedes Spiel - durchaus w'rtlich genommen - seinen ganz eigenen Reiz. Aus Sicht eines Babys oder Kleinkindes ist zun'st einmal alles, was es in dieser Welt sieht, h'rt, f'hlt, riecht oder schmeckt, eine ganz neue Erfahrung, die es noch nicht einordnen kann. Erst mit der Zeit werden diese Erfahrungen zu etwas Vertrautem, n'ich dann, wenn sie sich 'fter wiederholen. Und genau darum geht es: Vertrauen! Das bedeutet nichts anderes
als etwas, worauf man sich verlassen kann, etwas, das man kennt. Ein sch'neres Geschenk k'nnen Sie Ihrem Kind gar nicht machen, als ihm dieses Urvertrauen mit auf seinen Lebensweg zu geben; ein Pfund, mit dem es sp'r einmal wuchern kann.


Wussten Sie 'brigens, dass Fingerspiele nicht nur riesigen Spa'machen und das Koordinationsverm'gen verbessern, sondern noch eine Reihe weiterer 'Nebenwirkungen' haben? Und das alles ohne Risiko! Hier sind nur einige davon:


1. Wie bereits erw't: Durch wiederholtes Spielen lernt ein Kind: Es kann sich auf seine Eltern verlassen und ihnen vertrauen. Die kleinen Rituale werden mit der Zeit durchschaubar und berechenbar, ein Teil der Unsicherheit geht dadurch verloren, die Position in dieser
Welt wird ein St'ck weit bestimmt. Mit einem Wort: Das Fundament f'r ein gesundes Selbstvertrauen wird gelegt.


Die Sinne werden gesch't. Babys und Kleinkinder sind st'ig damit besch'igt, ihre M'glichkeiten zu erkunden, soll hei'n: Sie finden nach und nach heraus, welche Mittel ihnen zur Verf'gung stehen, um sich in der 'neuen Welt' (nach der Geborgenheit im Mutterleib) zu behaupten. Dieser Prozess verl't besonders in den ersten Lebensmonaten in rasender Geschwindigkeit und ist ein st'iges Hin und Her zwischen Erfahren und Ausprobieren, Erleben und Nachahmen. Um diese Entdeckungsreise zu begleiten und zu unterst'tzen, k'nnen Sie als Eltern in einem begrenzten Ma' bestimmen, welchen Erfahrungen Sie Ihr Kind aussetzen. Neben der Flut an Reizen, auf die Sie keinen Einfluss haben, k'nnen Sie eine angenehme und anregende Umgebung schaffen. Dazu geh'rt die Bereitstellung von verschiedenen Spielzeugen ebenso wie h'iger K'rperkontakt und eine liebevolle Zuwendung.


Spielen ist ein sch'ner Zeitvertreib oder anders ausgedr'ckt: Spielen ist gut gegen Langeweile. Zur Erkl'ng: Jeder kennt die unangenehme Situation, nicht zu wissen, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Das ist schon bei den Kleinsten so.
'er die Langeweile gibt es ausf'hrliche Theorien, die hier freilich nicht in allen Einzelheiten er'rtert werden k'nnen. Nur soviel: Eine der angenommenen Ursachen f'r jenes l'ende Gef'hl ist ein Mangel an Abwechslung auf der einen Seite, verbunden mit der Unf'gkeit, die einstr'menden Reize von au'n in angemessener Form zu verarbeiten. Im Klartext bedeutet das: Man h'e zwar genug zu tun, wei'aber nicht, wie man es anfangen soll. Wenn Sie also mit Ihrem Kind spielen, ist es nicht nur f'r den Moment abgelenkt und 'ruhig gestellt'. Es lernt dar'ber hinaus, wie es seine Zeit nutzen kann und dabei Fortschritte macht. Viele kleine Erfolgserlebnisse sind garantiert.


Die sensorisch-motorischen F'gkeiten werden gef'rdert. Fingerfertigkeiten, davon war schon 'fter die Rede, sind eine Schl'sselqualifikation, deren Bedeutung heutzutage unumstritten ist. Es geht nicht unbedingt darum, ein Kleinkind zu einem sp'ren Konzertpianisten (oder Chirurgen) auszubilden, aber viele T'ren 'ffnen sich tats'lich leichter, wenn man seine H'e zu gebrauchen wei' Beispielsweise kann man etwas 'richtig anpacken', schafft etwas 'von eigener Hand' oder 'hat den Dreh raus'. Alles Redewendungen, die nicht von ungef' kommen. Wer seinen K'rper selbst bewusst erlebt - und eben dies wollen Fingerspiele unter anderem f'rdern -, der wird selbstbewusst, weil er ein Gesp'r f'r seine Talente und M'glichkeiten entwickelt. Mehr noch werden, wie schon gesagt, das Sprachgef'hl, das Ged'tnis und die Intelligenz im Allgemeinen gesteigert. Die Erfahrung lehrt uns, dass wir Dinge, die wir anfassen k'nnen, schneller und besser begreifen.


Mit Fingerspielen wird soziale Kompetenz vermittelt, sozusagen, um noch einmal eine Redewendung zu bem'hen, das sprichw'rtliche Fingerspitzengef'hl im Umgang mit anderen Menschen. Hierzu geh'rt neben dem Erlernen von Mitteln der nonverbalen Kommunikation - die gemeinsam mit der Sprache unsere wichtigste Ausdrucksm'glichkeit ist - ein sicheres Gesp'r daf'r, wi
e man sich in bestimmten Situationen 'sozial angemessen' verh'. Dabei geht es f'r die Kleinsten freilich nicht darum, wie man gekonnt diversen gesellschaftlichen Fettn'chen aus dem Wege geht. Ziel ist also keineswegs ein Leitfaden f'r Benimm oder gar ein 'Knigge f'r Kleinkinder'. Vielmehr geht es um elementare Werte wie Zuneigung, menschliche W'e und Geborgenheit, die ausgedr'ckt werden durch k'rperlichen Kontakt, eine liebevolle Ansprache und nette Gesten. Die Vorbildfunktion, die die Eltern diesbez'glich aus'ben, ist nicht zu untersch'en, denn Sozialverhalten lernt man von der Pike auf. Vieles spricht daf'r, dass Kinder, die 'wohl beh'tet' aufgewachsen sind, sp'r einmal selbst zu freundlicheren und umg'licheren Menschen werden.


Neben diesen offensichtlichen Vorz'gen - und die Reihe lie' sich beinahe beliebig fortsetzen - haben Fingerspiele noch einen ganz praktischen Vorteil, der sich nicht von der Hand weisen l't: Sie sind einfach. Und sie gehen schnell. Diesen Umstand werden Sie sp'stens zu sch'en lernen, wenn sie einmal unterwegs sind und kein passendes Spielzeug parat haben ...


Was Fingerspiele nicht bewirken
Zum Schluss soll noch mit einem alten Vorurteil aufger't werden. Tats'lich ist immer noch vereinzelt zu h'ren oder zu lesen, dass kleine Kinder durch manche Fingerspiele nachhaltig gesch'gt w'rden. Gewarnt wird beispielsweise immer wieder vor dem Osterhasen, den es ja - so sagt man - in Wirklichkeit gar nicht g'. Deshalb sei es besser, bei der Wahrheit zu bleiben und auch im Spiel eine Henne die Eier legen zu lassen. Nur so k'nne vermieden werden, dass sich in den kleinen K'pfen ein falsches Bild der Welt festsetze, das die Kinder unn'tig verwirre.


Nat'rlich entstehen beim Spielen in den K'pfen der Kinder mitunter Bilder, die mit der Wirklichkeit nicht unbedingt viel zu tun haben, aber Schaden wird dadurch nicht verursacht. ('rigens passiert das nicht nur durch die Erw'ung von Osterhasen und Weihnachtsm'ern, s
ondern auch bei ganz allt'ichen Gegenst'en, die dem Kind unbekannt sind.) Ganz im Gegenteil wird eher die Vorstellungskraft gef'rdert, und wie trostlos s' denn eine fantasielose Welt aus! Viel bedeutender als die Frage, welche Spiele Sie denn nun ausw'en - und das ist immer auch eine Geschmacksfrage -, ist, wie Sie mit Ihrem Kind spielen. Dazu finden Sie im folgenden Kapitel ein paar Anregungen.


Kapitel 2


Praktische Tipps


Wo kann man spielen?
Die Frage ist schnell beantwortet. Weil sie so einfach sind, weil man weder eine aufw'ige Vorbereitung noch viel Platz oder diverse Spielutensilien braucht, lassen sich Fingerspiele prinzipiell 'berall spielen. Zu Hause in vertrauter Umgebung, unterwegs - ob im Auto, Zug oder Flugzeug -, kurz: an jedem x-beliebigen Ort. Achten Sie jedoch stets auf den richtigen Rahmen! Soll hei'n: Schaffen Sie eine angenehme Atmosph', eine Art Erlebniswelt, in der das Spiel im Mittelpunkt steht. Daf'r braucht es nicht viel mehr, als dass Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes auf sich lenken, bevor Sie mit dem Spielen beginnen.


Wann spielt man?
Ob beim Wickeln, beim Baden, beim Zubettgehen oder um zu tr'sten: F'r ein Spiel bleibt immer Zeit. Das soll nun aber nicht hei'n, dass Sie ununterbrochen und um jeden Preis spielen sollten. Wie bei allen anderen Dingen gilt es auch hier, das richtige Ma'zu finden. Aber keine Angst! Sie werden sehr schnell merken, ob Ihr Kind gerade in Spiellaune ist oder nicht. Trotzdem noch ein Tipp: Kleine Kinder brauchen Rituale. Durch bestimmte Abl'e, die sich regelm'g wiederholen, gewinnen sie Sicherheit und Vertrauen und lernen zu abstrahieren. Das hei', sie lernen zu unterscheiden und zuzuordnen.


EAN: 9783453685024
ISBN: 3453685024
Untertitel: Klassiker und neue Ideen für Babys und Kleinkinder. 'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'. Zahl. Abbildungen.
Verlag: Heyne Taschenbuch
Erscheinungsdatum: Dezember 2004
Seitenanzahl: 128 Seiten
Format: kartoniert
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