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Benedictus de Spinoza

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Januar 2002

Beschreibung

Beschreibung

Spinozas Philosophie ist vor allem (rationale) Metaphysik. Auch seine Ethik, die Psychologie der Affekte, die Lehre von Recht und Staat und seine Religionsphilosophie beruhen auf metaphysischen Grundlagen. Wolfgang Röd erläutert in dieser fundamentalen Einführung, wie weit Spinozas gesamtes Werk vom Geist der Geometrie beherrscht wird.

Inhaltsverzeichnis

1;Inhalt;5 2;Einleitung;13 2.1;1. Spinozas philosophisches Programm;13 2.2;2. Spinozas Metaphysik und der Geist der Geometrie;22 2.3;3. Das Interesse am Spinozismus;26 3;I Spinozas Leben im Überblick;31 3.1;1. Jugend in Amsterdam;31 3.2;2. Die Jahre in Rijnsburg;35 3.3;3. Die Zeit in Voorburg und Den Haag;40 4;II Methoden- und Erkenntnislehre;44 4.1;1. Die geometrische Ordnung;44 4.2;2. Die Erkenntnisweisen;54 4.3;3. Der Begriff der Wahrheit;64 4.4;4. Der geometrische Geist;82 5;III Die erste Gestalt der Spinozanischen Metaphysik;85 5.1;1. Die Gottesbeweise;86 5.2;2. Das Wesen Gottes;89 5.3;3. Spinoza und Descartes;91 5.4;4. Praktische Philosophie in der Kurzen Abhandlung;101 5.5;5. Erkenntnis und Liebe;110 6;IV Die Grundlegung der Ontologie in der Ethik;114 6.1;1. Einleitende Bemerkungen;114 6.2;2. Grundbegriffe und Grundsätze;118 6.3;3. Die Entwicklung des Substanzbegriffs;127 6.4;4. Unendliche und endliche Modi;130 6.5;5. Die Macht der Substanz und die Macht der Modi;139 6.6;6. Der Parallelismus der Attribute;142 6.7;7. Kritik der Teleologie und des Indeterminismus;145 7;V Ontologie und Geometrie;150 7.1;1. Geometrische und ontologische Folgebeziehungen;150 7.2;2. Unendliche Modi als Folgen der Attribute;159 7.3;3. Vielheit und Einheit;169 8;VI Der Beweis der Existenz Gottes;174 8.1;1. Die Bedeutung des Gottesbeweises;174 8.2;2. Die Widerspruchsfreiheit der Gottesidee;178 8.3;3. Die Substanz als causa sui;179 8.4;4. Die Einzigkeit der Substanz;184 9;VII Geist, Körper und Anschauung;195 9.1;1. Das psychophysische Problem;195 9.2;2. Spinozas Auffassung der Idee;199 9.3;3. Die Natur der Körper, insbesondere des menschlichen Körpers;203 9.4;4. Der Geist als Idee des Körpers;206 9.5;5. Das anschauliche Erkennen;213 10;VIII Die Lehre von den Affekten;217 10.1;1. Die Methode;217 10.2;2. Spinoza und die herkömmliche Auffassung der Affekte;219 10.3;3. Metaphysische Grundlagen der Lehre von den Affekten;221 10.4;4. Die Grundaffekte;229 10.5;5. Das Problem der Bewertung von
Affekten;232 10.6;6. Das Ideal der menschlichen Natur;238 10.7;7. Metaphysische Voraussetzungen;242 11;IX Erkenntnis aus reiner Vernunft;245 11.1;1. Die Möglichkeit vollkommenen Wissens;246 11.2;2. Wissen nach der Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes;248 11.3;3. Die Auffassung des Wissens in der Ethik;250 11.4;4. Zeit und Ewigkeit;261 12;X Freiheit, Ewigkeit des Geistes und Liebe zu Gott;266 12.1;1. Freiheit;266 12.2;2. Freiheit als Unabhängigkeit von Leidenschaften;270 12.3;3. Freiheit und vernünftige Gottesliebe;276 12.4;4. Die Ewigkeit des Geistes;283 13;XI Rechts- und Staatsphilosophie;290 13.1;1. Das natürliche Recht;291 13.2;2. Natürliches Recht und natürliches Gesetz;299 13.3;3. Die Konstruktion des Staatsbegriffs;301 13.4;4. Staat und vernünftige Gemeinschaft;310 13.5;5. Die Einheit des Staates nach dem Politischen Traktat;316 13.6;6. Der geometrische Geist in der Staatslehre;318 13.7;7. Naturrecht und Politik;321 14;XII Religionsphilosophie und Bibelkritik;327 14.1;1. Die Motive der Religionskritik;327 14.2;2. Religiöser Aberglaube und wahre Religion;331 14.3;Schluß: Spinoza und die neuzeitliche Metaphysik;342 15;Abkürzungen und Zitierweise;355 16;Anmerkungen;357 17;Literaturhinweise;401 18;Personenregister;408 19;Sachregister;412 20;Zum Autor;416


Portrait

Wolfgang Röd, Jahrgang 1926, studierte Philosophie in Mailand und Innsbruck, wurde 1970 in München habilitiert und lehrte in München und Innsbruck. Er ist Doktor h. c. der Universität Bern und Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Außer Arbeiten über speziellere philosophiegeschichtliche Themen z. B. Descartes (31995) und Dialektische Philosophie der Neuzeit (21986; auch spanisch, portugiesisch, japanisch und ungarisch) veröffentlichte er unter dem Titel Der Weg der Philosophie (2 Bde., 199496; Taschenbuchausgabe 2000) eine Darstellung der Entwicklung des europäischen Denkens von den Anfängen bis zur Gegenwart. Mit systematischen Fragen setzte er sich auseinander in den Werken Erfahrung und Reflexion (1991) und Der Gott der reinen Vernunft (1992). Er ist Herausgeber der Geschichte der Philosophie (1976 ff.), zu der er selbst zwei Bände und Teile weiterer Bände beigesteuert hat.

Leseprobe

IX Erkenntnis aus reiner Vernunft (S. 245-246)

Wie alle Vertreter der rationalistischen Metaphysik glaubte Spinoza an die Möglichkeit definitiven, einer Korrektur weder fähigen noch bedürftigen und in diesem Sinne perfekten Wissens. Dieser Glaube ist charakteristisch für eine philosophische Tradition, die sich bis zu den Eleaten zurückverfolgen läßt. Parmenides hat das empirische Wissen als bloße Meinung abgewertet und ihm das wahre, absolut sichere und göttlich garantierte Wissen gegenübergestellt.

Platon nahm dieseUnterscheidung auf, und die späteren Vertreter des Platonismus hielten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an ihr fest. In der Neuzeit findet sie sich bei Descartes und den Cartesianern, bei Leibniz, bei Kant und den nachkantischen Idealisten sowie im 20. Jahrhundert noch bei Husserl. Bei Spinoza äußert sie sich in der Auffassung, daß empirische Ideen inadäquat und nur nicht-empirische Ideen adäquat seien bzw. daß es neben Vorstellungen, die körperlichen Vorgängen und Zuständen entsprechen, auch Ideen gebe, die nicht durch zerebrale Prozesse bedingt sind und deren Zusammenhang nicht nur, wie im Falle der anschaulichen Vorstellungen und der Affekte, rein assoziativ ist.

Die empirische Erkenntnis partikulärer Dinge, die auf anschaulichen Ideen beruht, ist immer hypothetisch; ihr steht die nicht-empirische, streng allgemeingültige Erkenntnis auf Grund von adäquaten Ideen gegenüber, die notwendig ist und zu der es daher keine Alternative gibt. Von den anschaulichen Ideen bzw. vom empirischen Wissen war in Kap. VII die Rede; im vorliegenden Kapitel soll Spinozas Konzeption des perfekten Wissens, einschließlich des perfekten Wissens von Gott, erörtert werden.

1. Die Möglichkeit vollkommenen Wissens

V
on Erkenntnis bzw. von Wissen sprach Spinoza gewöhnlich in bezug auf Ideen: Etwas perfekt zu erkennen bedeutet, über notwendig wahre Ideen zu verfügen. An dieser Auffassung könnte jemand, der von »Erkenntnis« und »Wahrheit« primär in bezug auf Urteile spricht, Anstoß nehmen. Man muß aber bedenken, daß Ideen nach Spinoza immer eine Behauptung enthalten und daher implizit urteilsartig sind. Im Zusammenhang der Erkenntnistheorie bzw. der Erkenntnismetaphysik wird von Ideen nicht im Sinne von Bewußtseinsakten, sondern im Sinne von Bewußtseinsinhalten gesprochen, die als endliche Modi des Attributs cogitatio von Gott bzw. von der absolut unendlichen Substanz, näherhin vom unendlichen Intellekt Gottes, abhängen.

Die Ideeninhalte haben Gott zur Ursache, und zwar unabhängig davon, ob dem gedachten Gegenstand ein reales Ding entspricht oder nicht. Gott verursacht die so verstandenen Ideen allerdings nicht unmittelbar, sondern mittelbar, nämlich vermittels anderer von Gott abhängiger Ideen (E II, 9; II,91 f.). Ideen gehören mit allen anderen Ideen einem von der unendlichen Substanz abhängenden Zusammenhang an, der dem Zusammenhang der Ideen der Geometrie analog ist. Die Ideen sind – als Denkinhalte – in Gott bzw. in der unendlichen Idee Gottes, d. h. im unendlichen Intellekt, enthalten (EII, 8; II,90; siehe auch Kap. IV im vorliegenden Band). Ideen sind also nicht nur so durch andere Ideen bedingt, wie materielle Modi durch andere Modi derselben Art bedingt sind, sondern sie sind auch durch den unendlichen göttlichen Intellekt bedingt.


Pressestimmen

"Eine überaus konzise und gut lesbare Einführung in die Welt der spinozistischen Philosophie ... Röd gelingt es in seinem Text, das Leben und Werk Baruch de Spinozas so zu schildern, dass man große Neigung verspürt, die Bücher des niederländischen Philosophen zur Hand zu nehmen und sich in seine Welt zu vertiefen. Eine gelungene Werbung für Spinoza, für dessen Philosophie nicht oft und intensiv genug geworben werden kann."
-- Zeitschrift für Tiefenpsychologie und Kulturanalyse
EAN: 9783159503042
Untertitel: Eine Einführung. Dateigröße in MByte: 1.
Verlag: Reclam Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 2002
Seitenanzahl: 416 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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