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School Shooting. Schulsicherheitsmanagement im Bundesland Kärnten

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April 2014

Beschreibung

Beschreibung

Bachelorarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Sozialwissenschaften allgemein, Note: 1,0, Fachhochschule Wiener Neustadt (Polizeiliche Führung), Sprache: Deutsch, Abstract: Unter dem Eindruck des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, Thüringen, im Jahr 2002 befasste sich das Landespolizeipräsidium des Innenministeriums Baden-Württemberg intensiv mit der Thematik des Amoklaufs an Schulen. Auch das österreichische Bundesministerium für Inneres nahm das Thema ¿Amoklagen¿ als Schwerpunkt in das Einsatztraining auf. Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Landespolizeidirektion Kärnten und dem Landesschulrat für Kärnten wurde das Projekt ¿Schulsicherheitsmanagement im Bundesland Kärnten¿ mit dem Fokus auf School Shootings eingerichtet. Under the impression of the gun rampage at the Gutenberg-Gymnasium, Erfurt, Thuringia, in 2002, the State Police Headquarters of Baden-Württemberg have intensively dealt with this issue. The same applies to the Austrian Federal Ministry of the Interior, which included the issue ¿amok¿ as a priority in the operational training. Within the scope of a joint project between the Country Police Directorate of Carinthia and the school authorities of Carinthia, the project ¿School Safety Management¿ has been established. This project focuses on school shootings.

Portrait

Dr. Wolfgang Gabrutsch, BA MBA MBA geboren am 21.10.1968 in Villach, wohnt in St. Jakob im Rosental in einer Lebensgemeinschaft. Der Verfasser ist leitender Polizeibeamter der Landespolizeidirektion Kärnten und leitet das Referat Dienstvollzug. Der Verfasser trägt den Dienstrang eines Oberst. Der Verfasser arbeitete in mehreren Arbeitsgruppen des Bundesministeriums für Inneres (auch im Team04 ¿ Zusammenführung der beiden Wachkörper Bundespolizei und Bundesgendarmerie) mit. In der Vorbereitungs- und Umsetzungsphase der Wachkörperreform wurde der Verfasser vom Bundesministerium für Inneres als Regionaler Projektverantwortlicher für das Bundesland Kärnten eingesetzt. Mit der Zusammenführung der beiden Wachkörper Bundespolizei und Bundesgendarmerie wurde der Verfasser mit der Leitung der Organisations- und Einsatzabteilung des Landespolizeikommandos für Kärnten betraut und ist Landestrainer für die Richtlinie für das Führungssystem der Sicherheitsexekutive in besonderen Lagen. Der Verfasser löste während der Vorbereitungsphase im August 2007 den Regionalen Projektverantwortlichen für die Fußballeuropameisterschaft 2008 ab und übernahm dessen Projektverantwortung. Im Rahmen des Einsatzes hatte der Verfasser die Funktion des Leiters der Stabsarbeit (Chef des Stabes) und die Stellvertretung der Einsatzleiterin inne. Von 2007 bis 2008 absolvierte der Verfasser den Lehrgang universitären Charakters ¿Akademischer Business Manager¿ (am WIFI Klagenfurt in Kooperation mit der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) und schloss diesen im Frühjahr 2009 ab. Im Dezember 2009 schloss er den universitären Lehrgang ¿General Management¿ am Joseph-Schumpeter-Institut und im September 2010 den universitären Lehrgang ¿Advanced Management¿ an der Universität Klagenfurt mit je einem Master of Business Administration ab. Im Jahr 2012 publizierte der Verfasser den Artikel ¿Risikomanagement¿ in ¿Interdisziplinäre Managementforschung VIII¿ der Wirtschaftsfakultät der Josip Juraj Strossmayer Universität Osijek in Kroatien und der Universität Pforzheim unter der ISSN 1847-0408 bzw. ISBN 978-953-253-105-3. Am 30. August 2013 schloss der Verfasser das Studium ¿Polizeiliche Führung¿ an der Fachhochschule in Wiener Neustadt mit dem akademischen Grad ¿Bachelor of Arts in Police Leadership¿ ab. im Februar 2015 promovierte er an der CYPRUS INTERNATIONAL UNIVERSITY zum Doctor of Business Administration.

Leseprobe

1.  Einleitung


 

„Der General, der eine Schlacht gewinnt, stellt vor dem Kampf im Geiste viele Berechnungen an. Der General, der verliert, stellt vorher kaum Berechnungen an. So führen viele Berechnungen zum Sieg und wenig Berechnungen zur Niederlage – überhaupt keine erst recht!“[3]

 

Mit diesem Zitat von J. Clavell aus dem Buch Sun Tsu - Die Kunst des Krieges möchte ich mich der Thematik „Schulsicherheitsmanagement im Bundesland Kärnten mit dem Fokus auf Amoklagen“ annähern. Einfacher gesagt fasse ich das oa. Zitat folgendermaßen zusammen:

 

„Bereite vor, was Du vorbereiten kannst!“

 

Im Schatten des  Eindrucks des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt im Jahr 2002 befassten sich die Europäischen Sicherheitsbehörden intensiv mit dem Thema School Shooting und Amok. So nahm auch in Österreich das Bundesministerium für Inneres[4] dieses Thema als Schwerpunkt  in das Einsatztraining und in den Präventionsbereich auf.

 

„Seither beschäftigen sich Schulen und Schulaufsichtsbehörden damit, ob und wenn ja, wie es möglich sei, potentielle Täter bereits im Vorfeld zu erkennen. In verschiedenen Arbeitsgruppen suchten Polizisten nach Lösungswegen, wie die Schule im Falle eines Amoklaufes zu reagieren hätten und welche Strategien die Einsatzkräfte vor Ort verfolgen sollten.“[5]

 

Die Landespolizeidirektion Kärnten (bis zur Reform am 1. September 2012 das Landespolizeikommando für Kärnten) richtete gemeinsam mit dem Landesschulrat für Kärnten eine Projektgruppe ein, die sich mit dem Schulsicherheitsmanagement in Kärnten, unter besonderer Fokussierung auf Amoklagen befasste u
nd noch immer befasst.

 

Der Fokus der Projektgruppe richtete sich darauf, wie man sich auf School Shootings bzw. auf deren Verhinderung vorbereiten kann, denn "Amokläufe durch Jugendliche an Schulen, sog. School Shootings, sind entscheidende Lebensereignisse. Wer einmal mit ihnen in Berührung gekommen ist, wird dies in der Regel sein Leben lang nicht mehr vergessen. Sei es als Hausmeister, der die Opfer identifizieren musste und immer wieder die Erinnerung durchlebt, in den Schulgängen Blutlachen von Schülern, die er schätzte und von Lehrern, mit denen er befreundet war, aufzuwischen. Sei es als Polizist, der in eine Schule gerufen wurde, um einen jugendlichen Amoktäter zu stoppen und der ständig daran denken musste, wo sein eigener Sohn zu finden sei und ob er noch lebe. Und ob er es wirklich fertig bringen würde, auf einen Jugendlichen im Alter seines Sohnes zu schießen. Sei es als Schulgemeinschaft, die mit dem Ungeheuerlichen konfrontiert wird, herausgerissen aus dem Gefühl einer Sicherheit, die jede Schule bieten sollte. Jener Ort, der als Schutzraum zur Vorbereitung auf ein möglichst glückliches Leben in der sozialen Gemeinschaft gilt, wird mit einem Mal zum Schauplatz einer externen Gewalt. Zudem handelt es sich bei den Tätern um Kinder und Jugendliche. Nicht genug, dass ein grundlegendes und für das gesunde Erwachsenwerden auch notwendiges Gefühl von Sicherheit zerstört wird, es wird auch noch von einem Mitschüler zerstört. Ein Bekannter, ein Klassenkamerad, der täglich dieselben Unterrichtsstunden besucht, dieselben Schulflure durchschritten hat, tötete ohne Vorwarnung Mitschüler und Lehrer."[6]

 

Aus der repressiven Sichtweise wird „schon bei Anhaltspunkten für das Vorliegen einer Gefährdungssituation […] ein vorsorglich repressives, polizeiliches Einschreiten erforderlich sein, um de
n potentiellen Täter im Aufbau und der Umsetzung seiner tödlichen Aktionsmacht frühzeitig zu stoppen. Bei Amoktaten besteht für die polizeilichen Sicherheitskräfte Eile zur Intervention und Rettung des Lebens akut gefährdeter Personen. Dieser Verdichtung der Gefahr muss die Polizei klar entgegentreten. Während sich die Opfer in einer zur Passivität verurteilten Situation befinden, verfügt nur die Polizei über Mittel der Ab- und Gegenwehr. Dennoch sind auch die polizeilichen Einsatzkräfte von der Gefährlichkeit des Amoktäters und seiner Aktionsmacht betroffen. Je nach vorhandenen Ressourcen kommt die örtliche Polizei mehr oder weniger schnell an ihre Grenzen.“[7]

 

Wie bei jedem Polizeieinsatz wurde auch der Amoklauf von Erfurt evaluiert. Aber bereits unmittelbar nach dem Einsatz wurden kritische Stimmen laut. Weibach schilderte in seinem Artikel „Erfurt-5 Tage danach“ seine Eindrücke: „Kurz nach der Tat war eine harsche öffentliche Kritik an der polizeilichen Eingriffstaktik laut geworden, da das zur Hilfe gerufenen Sondereinsatzkommando die Schule nach seinem Eintreffen langsam und systematisch durchsucht hatte, während angeschossene Opfer verbluteten. Die Kritik war jedoch allenfalls zum Teil berechtigt. Zum einen schließt der Abschlussbericht des Thüringer Innenministeriums ausdrücklich aus, dass durch eine andere Vorgehensweise Leben hätte gerettet werden können. Zum anderen weist der damalige Einsatzleiter mit Recht darauf hin, dass zum Tatzeitpunkt schlicht keine Erfahrungen mit Amokläufen durch Jugendliche an deutschen Schulen vorlagen. Es wurde von der Polizei erwartet, in einer unübersichtlichen Ausnahmesituation mit teilweise gegensätzlichen Informationen zu Tathergang und Täteranzahl quasi hellseherische Entscheidungen zu treffen. Und dabei darf nicht vergessen wer
den, dass in den ersten Minuten der Tat dem Schützen bereits ein Polizeibeamter zum Opfer gefallen war. Vor dem Hintergrund der an ihn gerichteten Vorwürfe formulierte der Einsatzleiter im Hinblick auf die neuartige und unübersichtliche Situation zum Einsatzzeitpunkt dann folgerichtig, dass man ja auch nach der Ziehung der Gewinnzahlen den Lottospieler nicht danach fragen würde, warum er denn nicht die richtigen Ziffern angekreuzt hätte.“[8] Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass derartige Amokläufe in aller Regel sehr kurz andauernde Geschehen darstellen. Im Fall von Erfurt erbrachte eine Weg-Zeit-Analyse der Polizei, dass der eigentliche Tatablauf nur 10 Minuten gedauert hatte.“[9]

 

In Österreich wurde zu dem Thema „Gewalt, Drohungen und Amok“ im Jahr 2009 eine Offensive gestartet. Dabei wurden Tipps für Schulen im Umgang mit Aggression erarbeitet. „Als Prämisse gilt es mittlerweile, die Täter möglichst schnell handlungsunfähig zu machen, um weitere Schädigungen von Opfern zu verhindern.“[10]

 

Das AMOK-Training wurde im Rahmen des Einsatztrainings der Polizeibeamten  aufgenommen. Ziele des Trainings sind der Schutz der Opfer und das Wohl der beteiligten Beamten.

 

Erkenntnisse und Empfehlungen aus vergangenen Ereignissen (Amok, Geiselnahmen, Tötungsdelikte) sollen es ermöglichen, die Aufgaben des schulischen Krisenteams festzulegen, die schulinternen Krisenpläne zu ergänzen und auf die örtlichen Gegebenheiten abzustimmen.

 

Die Projektgruppe „Schulsicherheitsmanagement“ hat die Schlüsse aus den Erkenntnissen der bekanntesten School Shootings seit 1974 gezogen:

 

 

Abbildung 1 - School Shootings von 1974 bis
2012
[11]

 

Diese kriminellen Taten wurden deshalb als Beispiele ausgewählt, weil sie sowohl in der Literatur als auch in den Medien stark präsent waren und immer noch sind.

 

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und den Blaulichtorganisationen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Bewältigung solcher besonderen Lagen. Dies wird auch in der Evaluierung des Massakers von Erfurt deutlich.

 

Der Landesschulrat für Kärnten hat im Jahr 2004 eine Notfallmappe[12] herausgegeben, damit sich alle Schulen auf mögliche Extremsituationen theoretisch vorbereiten können. Die permanente Aktualisierung dieser Mappe ist notwendig, um im Ernstfall die Chaosphase zu verkürzen. Im Verlauf der Projektarbeit musste jedoch festgestellt werden, dass nicht alle Schulverantwortlichen von der Existenz dieser Notfallmappe wussten. Dieser Missstand sollte ehestens durch entsprechende Maßnahmen behoben werden.

 

„Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Einrichtung eines schulinternen Krisenteams. Die Schulleitung beruft zu Beginn eines jeden Schuljahres das Krisenteam ein, um die notwendigen Vorkehrungen zur Bewältigung von Gewaltvorfällen und Schadensereignissen zu treffen. Die schulinternen Krisenteams werden auf Anforderung durch die Polizei bzw. Feuerwehr beraten.“[13]

 

„Verantwortlicher für alle Vorgänge und Entscheidungen ist letztendlich immer der Schulleiter. Er kann jedoch die vorzukehrenden Maßnahmen an eine oder mehrere geeignete Person(en) wie den Zivilschutz- und/oder Brandschutzbeauftragten delegieren. Der Verantwortliche der Schule muss beste Kenntnisse über die lokalen räumlichen Gegebenheiten und die gesamte Infrastruktur der Schule besitzen.“[14]

 

„Von Seiten des bm:bwk a
ls auch von Seiten des Landesschulrates für Kärnten wurden verschiedene Rundschreiben zu den Themen Zivilschutz, Krisen, Strahlenschutz und Chemikalien ausgegeben. Diese Rundschreiben sind für die/den Verantwortliche(n) der Schule absolut von Bedeutung und müssen bei der Erstellung der Notfallmappe bzw. den damit...


EAN: 9783656643517
Untertitel: Dateigröße in MByte: 5.
Verlag: GRIN Verlag
Erscheinungsdatum: April 2014
Seitenanzahl: 118 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Keiner
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