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Verhaltenssucht


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Januar 2006

Beschreibung

Beschreibung

Das Buch eignet sich gleichermaßen als Nachschlagewerk für den praktizierenden Arzt und Psychotherapeuten, als auch für interessierte Leser als Einstiegsliteratur.

Kauf-, Sex-, Spiel-, Arbeits-, Sport- und Computersucht sind Formen der «Verhaltenssucht», von denen weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Im vorliegenden Buch werden die Entstehung und das Erscheinungsbild der verschiedenen Süchte wissenschaftlich fundiert, aber auch für interessierte Laien verständlich dargestellt. Neben den aktuellen Forschungsergebnissen zu Phänomenologie, Ätiologie, Epidemiologie und Komorbiditäten wird jede Verhaltenssucht anhand eines Fallbeispiels illustriert und die Diagnosestellung erläutert.

Anschließend werden die neuesten Erkenntnisse aus den verschiedenen Disziplinen der Psychologie, Psychiatrie und Neurobiologie zu dieser Thematik komprimiert wiedergegeben. Weitere Fragestellungen aus den angrenzenden Fachgebieten werden anhand von Exkursen erläutert.

In einem gesonderten Therapiekapitel gehen die Autoren auf die aktuellen Möglichkeiten einer therapeutischen Intervention ein und diskutieren die Behandlung in Anlehnung an gängige Suchttherapiekonzepte. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen gestalten das Buch anschaulich. Das Werk füllt damit eine bislang bestehende Lücke in der aktuellen Suchtliteratur. Mehr Informationen zur Forschungsgruppe finden Sie unter http://verhaltenssucht.de  

Inhaltsverzeichnis

1;Inhaltsverzeichnis;8 2;Vorwort;12 3;1. Einleitung;14 3.1;1.1 Zum Suchtbegriff;16 3.2;1.2 Definition und Klassifikation von Abhängigkeit;18 3.3;1.3 Definition und Klassifikation von Verhaltenssucht;20 3.4;1.4 Literatur;26 4;2. Erklärungsansätze der Entstehung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeit;30 4.1;2.1 Lerntheoretische Erklärungsansätze;31 4.2;2.2 Integrativer psychobiologischer Erklärungsansatz;35 4.3;2.3 Kognitive Erklärungsansätze;40 4.4;2.4 Das Konzept des Drogenverlangens;50 4.5;2.5 Exkurs Belohnungssystem;58 4.6;2.6 Exkurs Begriffsklärung und Definition von Impulsivität;61 4.7;2.7 Literatur;63 5;3. Erklärungsansatz für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Verhaltenssucht;72 5.1;3.1 Begriffsklärung Trieb und Homöostasemodell des süchtigen Verhaltens;77 5.2;3.2 Literatur;79 6;4. Kaufsucht;82 6.1;4.1 Definition und Phänomenologie;82 6.2;4.2 Epidemiologie;84 6.3;4.3 Stellenwert des Geldes für Kaufsüchtige;85 6.4;4.4 Komorbiditäten;85 6.5;4.5 Fallbeispiel;87 6.6;4.6 Exkurs Horten;90 6.7;4.7 Literatur;93 7;5. Sportsucht;98 7.1;5.1 Definition und Phänomenologie;98 7.2;5.2 Begrifflichkeiten;103 7.3;5.3 Ätiologie;103 7.4;5.4 Entzugssymptome;105 7.5;5.5 Epidemiologie;107 7.6;5.6 Komorbiditäten;107 7.7;5.7 Fallbeispiel;107 7.8;5.8 Literatur;110 8;6. Glücksspielsucht;114 8.1;6.1 Definition und Phänomenologie;114 8.2;6.2 Epidemiologie;121 8.3;6.3 Komorbiditäten und Aspekte der Entstehung und Aufrechterhaltung von Glücksspielsucht;123 8.4;6.4 Fallbeispiel;129 8.5;6.5 Exkurs Lotto und Wetten;131 8.6;6.6 Literatur;134 9;7. Arbeitssucht;144 9.1;7.1 Einleitung;144 9.2;7.2 Definition;145 9.3;7.3 Diagnose Arbeitssucht im beruflichen Alltag;151 9.4;7.4 Epidemiologie;153 9.5;7.5 Komorbiditäten und Folgen;153 9.6;7.6 Erklärungsansätze zur Entstehung von Arbeitssucht;155 9.7;7.7 Arbeitssucht als Suchtverhalten;159 9.8;7.8 Fallbeispiel;161 9.9;7.9 Literatur;164 10;8. Computersucht;168 10.1;8.1 Definition und Phänomenologie;168 10.2;8.2 Epidemiologie;171 10.3;8.3 Wirkung und
Komorbiditäten;173 10.4;8.4 Das Suchtpotenzial von Computer- und Videospielen;175 10.5;8.5 Computernutzung bei Kindern;176 10.6;8.6 Fallbeispiel;180 10.7;8.7 Exkurs "Sensation Seeking" und Medienkonsum;183 10.8;8.8 Literatur;185 11;9. Sexsucht;190 11.1;9.1 Einleitung und Definition;190 11.2;9.2 Prävalenz;193 11.3;9.3 Klassifikation;193 11.4;9.4 Differenzialdiagnostik und Komorbiditäten;197 11.5;9.5 Fallbeispiel;201 11.6;9.6 Exkurs Internet und exzessives sexuelles Verhalten;204 11.7;9.7 Exkurs Liebessucht und Hörigkeit;207 11.8;9.8 Literatur;214 12;10. Diagnostik;218 12.1;10.1 Kaufsucht;218 12.2;10.2 Sportsucht;221 12.3;10.3 Glücksspielsucht;224 12.4;10.4 Arbeitssucht;230 12.5;10.5 Computersucht;234 12.6;10.6 Sexsucht;238 12.7;10.7 "Fragebogen zur Differenzierten Anamnese exzessiver Verhaltensweisen" (FDAV);239 12.8;10.8 Diagnostische Merkmale für Verhaltenssucht;240 12.9;10.9 Literatur;241 13;11. Therapie;248 13.1;11.1 Einleitung;248 13.2;11.2 Therapieimplikationen aus Theorie und Praxis bei einzelnen Formen der Verhaltenssucht;257 13.3;11.3 Literatur;276 14;12. Ausblick;282 15;Autorenregister;284


Leseprobe

9. Sexsucht (S. 189-190)

9.1 Einleitung und Definition

Das menschliche Sexualverhalten ist einer der intimsten Bereiche des Lebens, in welchem sich jedes Individuum durch bestimmte Präferenzen und Fantasien auszeichnet, die äußerst unterschiedliche Formen annehmen können. Eine offen gelebte und befriedigende Sexualität stellt einen bedeutenden Faktor im seelischen und körperlichen Wohlbefinden eines jeden Individuums dar. Im 19. Jahrhundert wurde jede Frau, die außerehelichen Geschlechtsverkehr hatte oder masturbierte, der Nymphomanie bezichtigt. Obwohl sich seit damals die Moralvorstellungen wesentlich verändert haben, werden auch heute noch Mädchen und Frauen, die vorehelich sexuell aktiv sind, mitunter als Nymphomaninnen, Schlampen und Huren bezeichnet oder mit anderen diskriminierenden Ausdrücken bedacht. Die Tatsache, dass einem Mann mehr Verständnis für das Sammeln von (zahlreichen) Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht und somit von vorehelichen (und auch außerehelichen) sexuellen Kontakten entgegengebracht wird, ist nach wie vor in vielen Kulturen verbreitet.

Wie bei nahezu allen Verhaltensweisen kommt es jedoch auch im Bereich der Sexualität zu behandlungswürdigen Abweichungen vom normalen Verhalten. So wird z. B. in populären Medien häufig über das ausschweifende Liebesleben von Prominenten berichtet, und des Öfteren fällt in diesem Zusammenhang der Begriff Sexsucht. Dabei wird außer Acht gelassen, dass eine offen gelebte Sexualität nicht mit dem behandlungsbedürftigen Krankheitsbild des exzessiven sexuellen Verhaltens bzw. einer Sexsucht gleichzusetzen ist. Letzteres ruft mit seinem schädigenden Potenzial bei den Betroffenen großes Leiden hervor. Der krankhafte Zustand der Hypersexualität ist bislang wissenschaftlich kaum erforscht und wird auch häufig nicht als behandlungsbedürftige Störung anerkannt. Exzessives, übermäßiges sexuelles Verlangen und Verhalten ist jedoch kein ne
ues klinisches Phänomen. So wird in der Literatur bereits 1886 sexsüchtiges Verhalten bei Krafft-Ebing und Moll (1896) mit dem Begriff sexuelle Hyperästhesie beschrieben. Exzessive sexuelle Fixierung und Verhaltensweisen wurden früher oft als Symptome mannigfacher psychiatrischer Störungen verstanden. Der Begriff Sexsucht wurde in den 1930er-Jahren in den USA im Zuge einer sich verändernden Sichtweise, Süchte (insbesondere den Alkoholismus) als Krankheit zu betrachten, geprägt.

Bislang gibt es für exzessives sexuelles Verhalten, dass bei dem Betroffenen ein Leiden hervorruft, keine einheitliche Definition. In der Vergangenheit wurde ein derartiges Verhalten sowohl den Monomanien (Bloch, 1907), den Perversionen (von Gebsattel, 1954) als auch den Tätigkeitssüchten (Gabriel, 1962) zugeordnet. Die bislang andauernde Zuordnungsproblematik und die damit verbundene unklare Therapieindikation wird auch in neueren Veröffentlichungen thematisiert (Lehmann, Rosemeier, & Grüsser, 2004; Mäulen & Irons, 1998). So besteht innerhalb der wissenschaftlichen Forschung kein Konsens bezüglich einer einheitlichen adäquaten Bezeichnung des Störungsbildes. Symptombeschreibungen erscheinen unter sexueller Sucht (Carnes, 1992; Lehmann et al., 2004; Roth, 1992, 2000), sexueller Kompulsivität bzw. Störungen der Impulskontrolle (Barth & Kinder, 1987; Coleman, 1991; Raymond, Coleman, & Miner, 2003), exzessivem sexuellen Verhalten (Kafka, 1997) und zwanghafter sexueller Betätigung (Kuiper, 1973). Die Einordnung von gesteigertem sexuellen Verhalten ist oft schwierig, da gerade bei der Bewertung von Sexualität individuelle und gesellschaftliche Maßstäbe eine große Rolle spielen. Moralische Argumente gegen das Konstrukt Sexsucht zielen auf die Möglichkeit ab, dass Personen ihre exzessive sexuelle Aktivität als Sucht erklären und somit keine Verantwortung für ihr Verhalten tragen müssen.

Die Anonymen Alkoholiker (www.sexaa.org) haben einen Aphorismus geprägt: The alcohol
ic is not responsible for his disease, but he is responsible for his recovery. (Der Alkoholiker ist nicht für seine Krankheit verantwortlich, gleichwohl trägt er die Verantwortung für seine Heilung). Demnach können Sexsüchtige nicht für ihre Gefühle, Fantasien und Impulse zur Verantwortung gezogen werden genauso wie Substanzabhängige nicht für ihre Abhängigkeit verantwortlich gemacht werden jedoch sind sie für ihre Verhaltensweisen als Reaktion ihrer Fantasien und Impulse und die damit verbundenen Konsequenzen für sich selbst und andere verantwortlich. Auch wenn die Veränderungen in der Biochemie der Gefühle viel erklären, entbinden sie niemanden von der Verantwortung für sein Handeln.
EAN: 9783456942506
Untertitel: Diagnostik, Therapie, Forschung. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: Verlag Hans Huber
Erscheinungsdatum: Januar 2006
Seitenanzahl: 293 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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