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Vor der Krise. Die Keynes-Rezeption in der Weimarer Republik


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Juni 2013

Beschreibung

Beschreibung

Der Artikel beschäftigt sich mit der Rezeption von John Maynard Keynes in der deutschen Nationalökonomie während der Weimarer Republik. Keynes war als ökonomischer Publizist in den 1920er Jahren äußerst prominent, auch seine Arbeiten zur Geldtheorie wurden breit rezipiert. Jedoch spielten seine Überlegungen im Rahmen der intensiven Diskussion über Möglichkeiten einer kontrazyklischen Konjunkturpolitik während der Weltwirtschaftskrise aus verschiedenen Gründen nur eine geringe Rolle: Vor allem, weil sich Keynes Denken außerhalb des damals vorherrschenden Denkens in Konjunkturzyklen bewegte. Hinzu kam, dass institutionelle Beschränkungen die Umsetzung seiner geldpolitischen Vorschläge verhinderten. Die in der Dogmengeschichte mitunter als Ignoranz der Zeitgenossen gedeutete, marginale Rolle, die Keynes in den Debatten während der Großen Depression spielte, lässt sich somit aus dem historischen Kontext heraus zureichend erklären.

Portrait

Roman Köster, Dr. phil.,Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte der Universität der Bundeswehr München

Leseprobe

In der Geschichte des ökonomischen Denkens hat wohl kaum ein Jahr eine solche fast magische Signifikanz wie das Jahr 1936. Es handelt sich um das Erscheinungsjahr der "General Theory of Employment, Interest, and Money", dem Hauptwerk des wohl berühmtesten Ökonomen des 20.Jahrhunderts, John Maynard Keynes. Joseph Schumpeter berichtete später, nicht ganz frei von Neid, dass die Studenten in Harvard es nicht erwarten konnten, das Buch über den Buchhandel zu erhalten, und eine Vorbestellung organisierten. Kaum angekommen, so berichtet eine andere Quelle, rissen sie das Buch geradezu aus der Verpackung, um gleich mit der Lektüre beginnen zu können. In der angelsächsischen Welt knüpften sich an den Namen Keynes also bereits vor der "General Theory" gigantische Erwartungen.
In Deutschland hingegen war die Aufnahme des Werkes um einiges kühler. Das hatte nicht nur mit der durch den Nationalsozialismus veränderten Wissenschaftslandschaft zu tun, welche die Rezeption eines ausländischen Autors erschwerte.4 Noch wichtiger war, dass Deutschland, anders als die USA, das ökonomische Desaster der Weltwirtschaftskrise bereits überwunden hatte und im Jahr 1936 annähernd Vollbeschäftigung erreichte. Letztlich schien man die neue Theorie also gar nicht zu brauchen, zumal der Wirtschaftsaufschwung als genuine Leistung des neuen, nationalsozialistischen Geistes gefeiert wurde. (...)
EAN: 9783868548051
Untertitel: Artikel aus: Mittelweg 36, 3/2013, Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. 1. Auflage. Dateigröße in MByte: 1.
Verlag: Hamburger Edition HIS
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Seitenanzahl: 15 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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