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Größerer Hippias


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Januar 2011

Beschreibung

Beschreibung

Das Adjektiv »größer« im Titel bezieht sich auf den Umfang, verglichen mit einem kleineren Dialog desselben Namens. Der unbekannte Autor wird Platon (427-347) und Aristoteles (384-322) noch gekannt haben und gewährt uns mit seiner Schrift einen Blick in das Leben und den Unterrichtsbetrieb der frühen Akademie. Sokrates und der renommierte Gelehrte Hippias aus Elis führen in der ersten Hälfte des Dialogs ein Gespräch über die Frage, was eigentlich das Schöne sei: Hier orientiert sich der Autor für den Gesprächsstil im Wesentlichen an den früheren Dialogen Platons. Die zweite Hälfte, vor allem mit den Ausführungen über distributive und kollektive Eigenschaften, spiegelt eher die Diskussionen über Probleme, wie sie seinerzeit in der Akademie aktuell waren.

Inhaltsverzeichnis

1;Front Cover;1 2;Title Page;4 3;Copyright;5 4;Inhalt;6 5;Vorwort;8 6;Übersetzung;12 7;Kommentar;40 7.1;Gliederung des Textes und der Erläuterungen;42 7.2;Erläuterungen;43 7.3;Eine konkurrierende Interpretation des Textes 302b5303d10 von Franz von Kutschera;103 8;Appendizes;112 8.1;I Verfasser und Datierung;112 8.2;II Fingierte Autorität;126 8.3;III Sokrates und Typhoeus;132 8.4;IV Eduard Zeller über den Grösseren Hippias;134 8.5;V Zum Text;137 9;Literaturverzeichnis;138 10;Register;142 10.1;1. Stellen;142 10.2;2. Personennamen;144 10.3;3. Sachen;145 10.4;4. Griechische Wörter;145 11;Back Cover;150


Leseprobe

"Erläuterungen 281a–286c3 (S. 42-43)

Einleitung


281a–283b3. Hippias und sein Gewerbe. Der Autor läßt Sokrates das Gespräch nicht mit einer Anrede beginnen sondern mit einer Feststellung: „Da ist Hippias, hübsch und intelligent“ (Ἱππίας, ὁ καλός τε καὶ σοφός). Sie variiert hier offenbar die feste Bezeichnung für das Ideal des perfekten Mannes καλός τε καὶ ἀγαϑός13. Und daß Hippias (spätes 5. Jh. v.Chr.) tatsächlich vollkommen ist, wird Sokrates in seinem nächsten Satz bestätigen: τέλειος. Mit dem zweiten Wort des Textes aber fällt sofort das Stichwort für das Thema des Dialoges, der nach insgesamt acht vergeblichen Versuchen zu bestimmen, was das Schöne ist, mit dem resignierenden Hinweis auf das Sprichwort schließt: „Schwer ist, was schön ist“ (304e8 χαλεπὰ τὰ καλά)14.

Ähnlich dem deutschen Wort ‚schön‘ hat auch καλός einen weiten Anwendungsbereich. Der mögliche Wechsel der Gesichtspunkte, unter denen das Wort gebraucht wird, und das Nebeneinander von äußerer und innerer Qualität spiegelt sich kaum irgendwo so gut wie in der Wendung καλὸς καὶ ἀγαϑός. In ihr meint καλός ursprünglich zweifellos die äußere Qualität der optischen Erscheinung.

Doch im Laufe der Zeit g
ewinnt diese Wendung die Neigung, den Begriff der Vollkommenheit zu bezeichnen und dabei die Konnotation der optischen Schönheit zu verlieren. Daher kann denn Platon im Protagoras seinen Sokrates den jugendlichen Agathon so charakterisieren lassen: ὡς μὲν ἐγὦιμαι καλόν τε κἀγαϑὸν τὴν φύσιν, τὴν δ᾽ οὖν ἰδέαν πάνυ καλός (315d „er hat nach meiner Einschätzung treffliche Anlagen, jedenfalls ist er aber ausnehmend schön“. Übers. Manuwald); der Hinweis auf die Schönheit der optischen Erscheinung muß also eigens wiederholt werden, da sie durch das erste καλόν nicht hinreichend zum Ausdruck gekommen ist.

Und im Theaetet korrigiert Sokrates den Mathematiker Theodoros, der seinen Schüler Theaitetos hochbegabt, aber fast so häßlich wie Sokrates genannt hatte (143e), indem er im anschließenden Gespräch dem Jungen versichert, er sei καλός und nicht, wie sein Lehrer behauptet habe, häßlich, „denn wer so gescheit diskutiert, der ist schön und gut“ (Theaet. 185e ὁ γὰρ καλῶς λέγων καλὸς καὶ ἀγαϑός). Bevor nun dieses Wort zu Beginn des Hauptteils ausdrücklich zum Thema der Diskussion gemacht wird (286a1 τί ἐστι τὸ καλόν;), wird es in der Einleitung scheinbar beiläufig schon mehrmals und zwar unterschiedlich verwendet.

Während die übrigen Belege sich im üblichen Rahmen
halten,16 verlangt die merkwürdige Formulierung in 282d6 (οὐ- δὲν γάρ οἶσϑα τῶν καλῶν περὶ τοῦτο) eine Erläuterung17. Dafür zunächst ein Blick auf den Kontext. Der Autor hat Sokrates das Gespräch bis zur These führen lassen, der Fortschritt, den die verschiedenen Gewerbe gegenüber früheren Zeiten gemacht haben, dokumentiere sich auch und besonders in den Summen, die ihre heutigen Vertreter verdienen.

Und Sokrates nennt von den Sophisten18 Gorgias, Prodikos und Protagoras (282b-d) als Beispiel dafür, welche Honorare Koryphäen heute fordern können und auch erhalten, während die Früheren gar nicht daran gedacht hätten, sich für ihren Unterricht bezahlen zu lassen19. Hippias entgegnet, so könne Sokrates nur reden, weil er nicht Bescheid wisse. Sonst wüßte er nämlich, daß er, Hippias, durch seinen Unterricht bedeutend höhere Summen als die Genannten erworben habe. Stellt man den fraglichen Satz in diesen Kontext, dann liegt am nächsten die Vermutung, er müsse so etwas wie „So redest du. Denn das Wichtigste kennst du gar nicht“ meinen. Man erwartet also eigentlich einen Superlativ."
EAN: 9783647304175
Untertitel: Übersetzung und Kommentar. Dateigröße in MByte: 4.
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsdatum: Januar 2011
Seitenanzahl: 145 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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