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Die Internationale Politische Ökonomie des Risikos


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Mai 2008

Beschreibung

Beschreibung

Der Wandel vom Positivismus zum Post-Positivismus führt zu einer Neuorientierung der Internationalen Politischen Ökonomie dahingehend, dass die bisher konstitutive Unterscheidung von Staat und Markt aufgegeben wird und Politische Ökonomie nun als besondere Kritikform verstanden wird. Oliver Kessler nimmt die Asienkrise als Ausgangspunkt, um die Frage nach den Konturen einer konstruktivistischen IPÖ zu verfolgen und argumentiert, dass das politische Moment der Währungskrisen nicht im Handeln der Staaten, sondern in der Performativität der Risikomodelle zu verorten ist.

Inhaltsverzeichnis

Zu einer Politik der Weltgesellschaft - Währungskrisen und das Problem der Selbstreferenz - Über Wahrscheinlichkeit: eine Typologie - Risiko als Ungewissheit - Risiko vs. Unsicherheit - Unsicherheit, Rationalität, Institutionen - Selbstreferenz und Finanzstabilität

Innenansichten

Portrait

Oliver Kessler ist wissenschaftlicher Angesteller an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.

Leseprobe

1 Zu einer Politik der Weltgesellschaft (S. 23)

1.1 Einleitung

In den Theorien der internationalen Beziehungen dient die Annahme der Anarchie als strukturprägendes Merkmal internationaler Prozesse nie allein der Beschreibung empirischer Tatsachen. Vielmehr kann mir ihr auf besondere Naturgesetze internationaler Prozesse plädiert und damit schließlich auch auf die Eigenständigkeit der Disziplin hingewiesen werden. Doch in dem Maße, in dem die intersubjektive Dimension von Regeln internationaler Beziehungen theoretisch ernst genommen wird, verliert die Annahme einer anarchischen Struktur internationaler Politik an Erklärungskraft.

Wenn schon der Gebrauch einer gemeinsamen Sprache regelbasiert ist, wird die Annahme einer regelfreien Zone logisch paradox, da die Bedeutung von regelfrei selbst schon auf gemeinsamen Regeln aufbaut. In der Konsequenz befinden sich die Selbstbeschreibung und die Selbstdefinition des Fachs in einem Umbruch, der sich anhand einer thematischen und einer semantischen Grenzverschiebung nachzeichnen lässt. Während mit der Anarchie der souveräne Staat als Akteur einfach vorausgesetzt wurde, wird dessen natürliche Akteursqualität zunehmend hinterfragt. Damit öffnet man den thematischen Blick auf Fragen der Transformation von Staatlichkeit und Governance als Regierungsformen jenseits des Nationalstaates.

Freilich gibt es Versuche, quasi als Paradoxielösung, hier der Globalisierung durch eine Gegenüberstellung von Staat und Markt genau die gleiche anarchische Qualität zuzuschreiben und damit das Modell des Selbsthilfesystems einfach auf die polit-ökonomische Dimension auszuweiten. Setzt man jedoch die Akteursqualität der Staaten nicht einfach voraus, sondern rekonstruiert sie als Resultat sozialer Prozesse, zeichnet sich auch eine gesellschaftstheoretische Öffnung IB-Theorien ab, die es erlaubt, die internationale Sphäre jenseits der klassischen Unterscheidung von inn
en und außen beschreiben zu können.

Das hier einsetzende Interesse an soziologischen Ansätzen steht jedoch vor einem analogen Problem: eine einfache Übersetzung soziologischer Überlegungen ist nicht möglich, da die soziologischen Grundbegriffe selbst vor dem Erfahrungshintergrund des Nationalstaates entstanden sind und sich daher als unfähig erweisen, zwischengesellschaftliche Prozesse auf den Begriff zu bringen. Gefangen zwischen national bestimmten sozialen Kategorien und einer von Anarchie geprägten Theorie des Internationalen fehlt eine Sozialtheorie des Internationalen noch heute.

Genau aus diesem Grund drängt sich die Frage auf, wie politische Prozesse in der postnationalen Konstellation zu beobachten sind und wie die Konturen einer zu diesem Zweck formulierten Sozialtheorie aussehen könnten. Für die Bestimmung dieser Grenzen und Möglichkeiten bietet sich eine begriffsorientierte Analyse von Intersubjektivität an, die sich anhand zweier Fragen formulieren und verfolgen lässt.

Um die theoretische Perspektive zu schärfen stellt sich zuerst die Frage, wie innerhalb der IB-Theorien der Begriff der Intersubjektivität konzipiert wird. Zum anderen muss aber gleichzeitig die Frage im Blick behalten werden, inwieweit sich durch die Einbeziehung gesellschaftstheoretischer Kategorien das Verständnis politischer Prozesse grundlegend verändert. Damit zeigt sich dann auch, ob und wie ein soziologisch orientierter Konstruktivismus eine genuin neue Analyse politischer Prozesse erlaubt, oder ob nicht doch nur der alte, realistische Wein mit einem neuen Etikett versehen wurde.

Dieser Frage werde ich anhand einer Diskussion der Systemtheorie Luhmanns nachgehen. Niklas Luhmanns Systemtheorie ist in ihrer Selbstbeschreibung eine auf dem radikalen Konstruktivismus aufbauende Gesellschaftstheorie, welche die Herausforderungen selbstreferenzieller Theorien durch eine Reformulierung der Systemtheorie aufnimmt. Sie bietet daher eine plausible und begrifflic
he hoch entwickelte Alternative, um über eine soziologisch informierte Theorie des Internationalen nachzudenken.

Es zeigt sich, dass die Systemtheorie über ihre Unterscheidung von System/Umwelt eine echte Alternative zu den klassischen Quellen konstruktivistischer Überlegungen darstellt. Mit dieser Unterscheidung gelingt es ihr, aus der Semantik von Teil und Ganzem auszubrechen und damit neue Perspektiven auf intersubjektive Prozesse anzubieten.

Pressestimmen

"Oliver Kessler hat eine theoretisch anspruchsvolle Untersuchung der internationalen politischen Ökonomie vorgelegt, die voll in die Zeit passt." www.e-politik.de, 08.06.2009
EAN: 9783531909141
Untertitel: Eine Analyse am Beispiel der Diskussion um die Reformierung der Finanzmärkte. 2008. Auflage. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: 250 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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