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Rechtsextremismus und historisch-politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR zwischen 1958 und 1965 im Vergleich


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Juli 2014

Beschreibung

Beschreibung

Inhaltsangabe:Einleitung:
In den Jahren zwischen 1958 und 1965 kam es sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR erstmals zu größeren antisemitischen und neonazistischen Ausschreitungen Jugendlicher.
Da beide deutsche Staaten ihre gesellschaftliche Ordnung über den Bruch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit legitimierten, mußte der Rechtsextremismus sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR als staatsfeindlich interpretiert und bekämpft werden. Die hohe Beteiligung junger Leute an antisemitischen oder nazistischen Aktionen war ein Schock für beide deutsche Staaten. Denn es handelte sich bei den Tätern offensichtlich nicht um Altnazis, sondern um Jugendliche, die nicht mehr im Dritten Reich, sondern in der Bundesrepublik bzw. in der DDR sozialisiert worden waren.
Die rechtsextremen Vorfälle zwischen 1958 und 1965 wurden in beiden deutschen Staaten als Erziehungsproblem wahrgenommen, da die Distanzierung vom Nationalsozialismus erklärtes Ziel aller pädagogischer Bemühungen in Ost und West war.
In der Bundesrepublik wurden rechtsextreme Ausschreitungen im untersuchten Zeitraum mit einem Bildungsdefizit begründet. Als Maßnahme sollten demzufolge Wissenslücken über die Verbrechen des Nationalsozialismus behoben werden. Mit dem Begriff ¿Erziehung¿ wurde zurückhaltender umgegangen als in der DDR. Man scheute sich davor, eine erzieherische Manipulation des Kindes oder Jugendlichen anzustreben, weil man damit die nationalsozialistische Gleichschaltung der Jugend assoziierte. Wenn in der pädagogischen Literatur der Bundesrepublik von Erziehung gesprochen wird, dann meist in Wortverbindungen wie ¿Verhaltenserziehung¿ oder ¿Erziehung zu Toleranz¿, die ihre Ziele bereits selbst begrenzen. Demzufolge wird in der bundesdeutschen pädagogischen Literatur häufiger der Terminus ¿historisch-politische Bildung¿ verwendet. Zudem kennzeichnet der Begriff ¿Bildung¿ einen, in der Bundesrepublik favorisierten, theoretischeren Ansatz als ¿Erziehung¿.
Das Selbstverständnis der DDR als antifaschistischer Staat brachte es mit sich, daß in ihm Rechtsextremismus per definitionem nicht existierte. Dieses Selbstverständnis trug dazu bei, daß der Begriff ¿Erziehung¿ in der DDR wesentlich positiver belegt war als in der Bundesrepublik. Die DDR forderte selbstbewußt eine ¿Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit¿ ohne Assoziationen mit den manipulativen Erziehungsmethoden des Nationalsozialismus zu fürchten. Man glaubte, mit der Einführung des Sozialismus radikal genug mit dem NS-Regime gebrochen zu haben, um über einen solchen Verdacht erhaben zu sein. Die DDR-Regierung hatte sich von der ersten ¿sozialistisch erzogenen¿ Generation eine stärkere Loyalität zu dem von ihr proklamierten ¿antifaschistischen Staat¿ versprochen. Deshalb wurde in der DDR rechtsextremes Verhalten als Erziehungsproblem wahrgenommen.
Bei der Deutung der rechtsradikalen Vorfälle spielte sowohl von bundesrepublikanischer als auch von DDR-Seite her die Bezugnahme auf das jeweils gegnerische System eine große Rolle. Anhand der rechtsextremen Aktionen in der Bundesrepublik versuchte die DDR, einen systemimmanenten faschistischen Charakter der Bundesrepublik nachzuweisen. Die Bundesrepublik nutzte zwar nicht den Rechtsextremismus in der DDR propagandistisch aus, beschuldigte diese aber einer zentralen Lenkung der Vorfälle in der Bundesrepublik und war bis zum Beginn der Ostpolitik bemüht, die Ähnlichkeiten der kommunistischen und der nationalsozialistischen Regierungsform herauszustellen. Während der sogenannten ¿antisemitischen Schmierwelle¿ 1959/60 in der Bundesrepublik versuchte die Bundesregierung, die Täter als Marionetten des SED-Regimes zu präsentieren, was aber nicht überzeugend gelang.
In meiner Arbeit beschreibe ich Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Staaten im Umgang mit rechtsextremen Ausschreitungen. Vergleichskategorien bei der Interpretation der Vorfälle sollen dabei der Grad der Offenheit bzw. der Öffentlichkeit sein, der den Vorfällen eingeräumt wurde, und die Bedeutung der Konkurrenz zum jeweils anderen Staat. Ich untersuche, inwiefern in beiden Staaten rechtsextreme Vorkommnisse als Indikatoren für Mißerfolge in der ¿Vergangenheitsbewältigung¿ gedeutet wurden. Abschließend wird verglichen, welchen gesellschaftlichen Bereichen die Verantwortung für rechtsextremes Verhalten zugewiesen wurde, wann z.B. strafrechtlich und wann erzieherisch vorgegangen wurde, und welche Erziehungsträger daran beteiligt waren.
Quellengrundlage sind für die Bundesrepublik vor allem Zeitungen, Zeitschriften und öffentliche Reden. Für die DDR mußte ich mich auf die Untersuchung von FDJ- und SED-Akten beschränken, da das Thema ¿Rechtsextremismus¿ in der DDR nicht öffentlich diskutiert wurde.

Inhaltsverzeichnis:
I.Einleitung3
II.Bundesrepublik Deutschland
1.Erziehungs- und Bildungspolitik bis 1960
1.1Re-education-Politik in den westlichen Besatzungszonen 1945-49: Entnazifierung und Ringen um Reformen in der Schule9
1.2Politische Bildung in der Schule zwischen 1950 und 196020
2.Die antisemitische Schmierwelle 1959/60
2.1Antisemitische und rechtsextreme Vorfälle bis 195825
2.2Der ¿Kölner Initialfall¿ vom 25.12.5929
2.3Interpretation der Tathintergründe von seiten der Regierung 32
2.4Die öffentliche Diskussion: Deutung der antisemitischen Ausschreitungen als Erziehungs- und Bildungsproblem39
3.Konsequenzen
3.1Umfragen41
3.2Die Behandlung von Zeitgeschichte im Unterricht46
3.3Schulbuchanalysen53
3.4Reaktionen außerschulischer Erziehungsträger55
4.Fazit und Ausblick58
III.DDR
1.Erziehungs- und Bildungspolitik bis 1960
1.1Umerziehung in der SBZ: Die Einführung der ¿antifaschistisch-demokratischen Schulreform¿ 1945-4960
1.2Exkurs: Antifaschistischer Anspruch und antifaschistische Erziehung in der DDR67
1.3Erziehung zur ¿allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit¿ in den fünfziger Jahren71
1.4Exkurs: Die Jugendorganisationen FDJ und Junge Pioniere77
2Rechtsextreme Vorkommnisse nach dem Bau der Berliner Mauer 1961
2.1Umgang mit Jugendlichen nach dem Mauerbau79
2.2Rechtsextreme Parolen bezogen auf aktuelle Politik81
2.3Vergleiche mit dem Nationalsozialismus als unspezifische Kritik an der DDR83
2.4Rechtsextreme Aktionen ohne Bezugnahme auf die DDR86
2.5Interpretation der Vorkommnisse durch Funktionäre der SED und FDJ90
3Erziehungs- und bildungspolitische Maßnahmen
3.1Der strafrechtliche und erzieherische Umgang mit den Tätern95
3.2Erziehungs- und bildungspolitische Maßnahmen vom Bau der Berliner Mauer 1961 bis zum Jugendkommuniqué des Politbüros 196397
3.3Die erziehungspolitische Entwicklung bis zum ¿Kahlschlagsplenum¿ des ZK der SED 196599
IVSchluß104
EAN: 9783832459796
Untertitel: Dateigröße in KByte: 761.
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 2014
Seitenanzahl: 117 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Keiner
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