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Leitbild Menschenwürde

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August 2011

Beschreibung

Beschreibung

Vor 40 Jahren haben Selbsthilfeinitiativen die menschenunwürdigen Zustände in Erziehungsheimen und psychiatrischen Krankenhäusern angeprangert und mit neuen Konzepten und Handlungsmodellen zu einem Perspektivenwechsel beigetragen: Menschenwürde kann im Gesundheits- und Sozialbereich nur bestehen, wenn Patienten und Nutzer in Beratung, Behandlung und Betreuung als selbstständig handelnde Personen anerkannt werden. Hans Dietrich Engelhardt zeigt die Entwicklung der Selbsthilfeinitiativen und zeichnet nach, wie die alternativen Leitbilder Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Mitwirkung schließlich zu grundlegenden Säulen des Sozialgesetzbuches wurden.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Einführung 9

1. Lehre, Praxis und Forschung mit und für Selbsthilfeinitiativen - wie ich dazu gekommen und warum ich dabei geblieben bin 21
1.1 Zur Ausgangslage 21
1.2 Leistungspotenziale von Selbsthilfeinitiativen und Selbstorganisation 28
1.3 Wie kann man Selbsthilfegruppenarbeit den Studenten nahe bringen? 29
1.4 Zur Faszination von Selbsthilfeinitiativen 30
1.5 Erfahrungsfelder 31
1.6 Impulse aus der Auseinandersetzung mit Selbsthilfegruppen und Selbstorganisation 36

2. Zur "Selbsthilfelandschaft": Selbsthilfeinitiativen - Vielfalt als Tatsache, Aufgabe und Chance 37
2.1 Vorbemerkungen 37
2.2 Selbsthilfeinitiativen - Feld und Begriffe 38
2.3 Einige Perspektiven zur Komplexität von Selbsthilfezusammenschlüssen 41
2.4 Kriterien für die Systematisierung von Selbsthilfezusammenschlüssen 50
2.5 Was leisten diese Systematisierungen? 51
2.6 Zusammenfassung 76

3. Zur Arbeitsweise von Selbsthilfeinitiativen: Learning by Doing - Selbsthilfeinitiativen als Konsumenten und Produzenten von Wissen 79
3.1 Ausgangslage: Warum entstehen Selbsthilfeinitiativen? 79
3.2 Bedeutung und Stellenwert von Wissen in Selbsthilfeinitiativen 82
3.3 Zum Umgang der Selbsthilfeinitiativen mit Wissen 84
3.4 Selbsthilfeinitiativen als Konsumenten von Wissen 87
3.5 Selbsthilfeinitiativen als Produzenten von Wissen 95
3.6 Die Verbreitung von Handlungsmodellen in der Selbsthilfe- bzw. Alternativszene 102
3.7 Zusammenfassung und Folgerungen 103

4. Von der Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit bis zu professionellen Innovationen - Leistungen von Selbsthilfezusammenschlüssen im Überblick 107
4.1 Zugang zum Thema 107
4.2 Tabellarische Beschreibung der Leistungen von Gesprächs- und Kontaktgruppen im Spiegel der Fachliteratur 114
4.3 Leistungen von Aktionsgruppen, selbst organisierten und alternativen Projekten 126
4.4 Zusammenfassung: Die Leistungen der Selbsthilfeinitiativen auf einen Blick 146
5. Die Betroffenenperspektive als Bereicherung und Qualifizierung sozialer Arbeit: Selbsthilfeinitiativen in der Ausbildung zum Sozialpädagogen/Sozialarbeiter 149
5.1 Ausgangspunkte für Lehrveranstaltungen über Selbsthilfeinitiativen in der Ausbildung von Sozialarbeitern/Sozialpädagogen 149
5.2 Selbsthilfe und Selbstorganisation als Ausbildungsinhalt für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter 153
5.3 Probleme: Verpuffen von erworbenen Kenntnissen und Qualifikationen 155
5.4 Kooperationsformen zwischen Selbsthilfeinitiativen und Professionellen 157
5.5 Leistungen von Selbsthilfeinitiativen: Anregungs- und Lernpotenziale für soziale Berufe 164

6. Kooperation zwischen Fachkräften und Selbsthilfegruppen: Zur Dynamik zwischen Selbsthilfegruppen und Profis. Das Beispiel Münchner Angstselbsthilfe 169
6.1 Ausgangspunkte 169
6.2 Die Befragung der Gruppenleiter der Angstselbsthilfegruppen 172
6.3 Ergebnisse der Experteninterviews 179
6.4 Übereinstimmungen und Differenzen 185
6.5 Ausblick 188

7. Demokratisierung und Modernisierung des Gesundheits- und Sozialbereichs: Wie alternative Leitbilder und Handlungsmodelle in die Gesellschaftsstruktur eingegangen sind 191
7.1 Vorbemerkung 191
7.2 Entwicklungsstränge in der neuen Selbsthilfebewegung 193
7.3 Beiträge der Selbsthilfeinitiativen zur Demokratisierung und Modernisierung des Gesundheits- und Sozialbereichs 205
7.4 Transformation alternativer Leitbilder, Konzepte und Handlungsmodelle in die Gesellschaft 209
7.5 Zum gegenwärtigen Schattendasein der sozialen Selbsthilfeinitiativen 223
7.6 Die "neue" Selbsthilfebewegung - eine soziale Bewegung? 227
7.7 Veränderungen im Feld Selbsthilfe und Selbstorganisation 231
7.8 Zur gesellschaftlichen Funktion der Selbsthilfebewegung 237
7.9 Profile von Selbsthilfeinitiativen im Gesundheits- und Sozialbereich 240

8. Menschenwürde als gelebtes Leitbild - ein Rückblick 243
8.1 Veränderungen des gesundheits- und sozialpolitischen
Systems durch Selbsthilfeinitiativen 243
8.2 Resümee 247

Abbildungen 253
Literatur 255
Sachregister 275

Portrait

Hans Dietrich Engelhardt war von 1975 bis 2003 Professor für Soziologie und soziale Arbeit an der Hochschule München.

Leseprobe

7. Demokratisierung und Modernisierung des Gesundheits- und Sozialbereichs: Wie alternative Leitbilder und Handlungsmodelle in die Gesellschaftsstruktur eingegangen sind (S. 191-192)

7.1 Vorbemerkung

Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen im weitesten Sinn sind uralte mit dem Menschsein verbundene, selbstverständliche Formen der Lebensgestaltung, der Daseinsvorsorge, der Nothilfe und der Existenzsicherung; sie sind eigentlich selbst erklärend. Entsprechende Belege sind in vielen verstreuten Dokumenten und Veröffentlichungen zu finden (zum Beispiel Der Ständige Ausschuss für Selbsthilfe 1956; Moeller 1978: 45–53).

Wenn man in den siebziger und achtziger Jahren in Verbindung mit der Zunahme von Selbsthilfegruppen von »neuer« Selbsthilfebewegung spricht, bezieht man sich üblicherweise zunächst weitgehend auf einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt von Selbstorganisationsformen, nämlich die aus unterschiedlichen Krisen- und Notsituationen entstandenen Gruppen und Projekte, die sich zu Problemen im Umwelt-, Bildungs-, Kultur- und insbesondere im Sozial- und Gesundheitsbereich bilden.

Mit »neu« meint man zweierlei: Einerseits hebt man damit ins Bewusstsein, dass Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisation trotz der Vielfalt institutioneller Hilfe- und Mammutorganisationen als normale und vor allem schnelle Reaktionen auf aktuelle Probleme und Bedrohungen nach wie vor neu entstehen und unentbehrlich sind, nichts Außergewöhnliches sind und bleiben. Andererseits wird deutlich, dass diese Formen der Problembewältigung – gemessen an der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg – eine quantitative und qualitative Wiederbelebung mit neuen Akzenten erfahren, die den strukturellen Gegebenheiten und Herausforderungen der gegenwärtigen Gesellschaft entsp
rechen.

Schriftliche Darlegungen über Selbsthilfezusammenschlüsse als Erfahrungsberichte von einzelnen Personen, Selbstdarstellungen von Gruppen und Projekten sowie systematische Erörterungen und empirische Untersuchungen nehmen seit Beginn der 70er Jahre deutlich zu, erreichen einen ersten Höhepunkt in den 80er Jahren und zwar für Selbsthilfeinitiativen des Sozial- und Gesundheitsbereichs. Seit etwa Mitte der 90er Jahre nehmen sowohl die innovativen Selbsthilfezusammenschlüsse als auch auf sie bezogene Untersuchungen sehr stark ab, worauf ich später ausführlicher zurückkomme.

Die neuere Fixierung der Forschung auf Gesundheitsselbsthilfezusammenschlüsse bringt eine Art Tunnelblick auf die Selbsthilfeinitiativen insgesamt mit sich, der sich als Engführung der sozialpolitischen Diskussion und der Forschung erweist. Diese Engführung lässt die vielfältigen Facetten der Selbstorganisationslandschaft auch durch Übergehen der selbst organisierten und alternativen Projekte nur selektiv wahrnehmen und wichtige Komponenten zum Beispiel das Innovationspotenzial der sozialen Selbsthilfezusammenschlüsse sowie die gesamtgesellschaftliche Verortung der Selbsthilfebewegung insgesamt weitgehend aus dem Blick verlieren.
EAN: 9783593412290
Untertitel: Wie Selbsthilfeinitiativen den Gesundheits- und Sozialbereich demokratisieren. 13 Abbildungen. Dateigröße in MByte: 5.
Verlag: Campus Verlag
Erscheinungsdatum: August 2011
Seitenanzahl: 277 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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