HUDU

Die diskursstrategische Bedeutung des Nachfelds im Deutschen


€ 24,99
 
pdf eBook
Sofort lieferbar (Download)
Dezember 2007

Beschreibung

Beschreibung

Hélène Vinckel versteht unter 'Nachfeld' die Position nach einem syntaktischen "Grenzsignal", die unter anderem durch 'rechtsverschobene' bzw. 'adjungierte' verbfreie Konstituenten besetzt werden kann. Der Hauptakzent liegt auf der Beschreibung und Erörterung der kommunikativ-pragmatischen und diskursstrategischen Funktionen solcher Nachfeldbesetzungen, wobei insbesondere deren Rolle bei der Informationsstrukturierung und die Auswirkungen auf rhetorisch-argumentativer Ebene untersucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Vorgehensweise und Korpusmaterial
Das Nachfeld in der Forschung
Typologie der verbfreien Nachfeldbesetzungen
Kommunikativ-pragmatische Leistungen: Informationsstruktur; textuelle Reichweite; Hervorhebung; Stilfiguren; Sprecherintention; persuasives Sprechen

Portrait

Dr. Hélène Vinckel promovierte in germanistischer Sprachwissenschaft bei Prof. Dr. Martine Dalmas an der Université de Paris-Sorbonne (Paris IV). Sie ist Dozentin für Germanistik an dieser Universität.

Leseprobe

1. Einleitung (S. 1)

1.1. Gegenstand der Untersuchung

1.1.1. Einige Beobachtungen

Aussagen zur Satzgliedstellung des Deutschen kommen häufig auf das Spannungsfeld von "Zwang" und "Freiheit" zu sprechen: Die Anordnung der Wörter ist uns zu einem Teil überliefert, wir sind also durch eine Macht außer uns bestimmt. Zu einem andem Teil entspringt die Anordnung dem persönlichen Bedürfnis des Augenblicks, hier sind wir frei. (Behaghel l932,3)

Die Satzgliedstellung gilt im Deutschen als besonders kompliziert, da sie von Bedingungen verschiedener Ebenen bestimmt ist: von syntaktischen Bedingungen, von morphologischen Bedingungen und von kommunikativen Bedingungen der Sprecherintention. (Fleischer et al. 2001, 282) Während also die Konstituentenabfolge, die Linearisierung der Satzglieder, einerseits bestimmten grammatischen bzw. syntaktischen "Regeln" unterliegt (vgl. etwa das "Gesetz von Fourquet" bzw. das "Prinzip der syntaktischen Verbnähe") spielen andererseits auch andere Faktoren wie z.B. die Sprecherintention oder bestimmte Mitteilungswerte eine wesentliche Rolle: Hierbei kommt die Freiheit des Sprechers deutlich zum Ausdruck.

Zu den heutigen syntaktisch-linearen Erscheinungen, bei denen sich diese (relative) Freiheit am augenfälligsten manifestiert, gehört die Besetzung des "Nachfelds", insbesondere durch verbfreie Konstituenten, das als grammatisches Phänomen im Mittelpunkt der vorliegenden Analyse steht. Das Nachfeld - im vorläufigen Sinne einer linearen Position auf der Ebene einer verbhaltigen Außerung (vgl. unten) - kann durch ein relativ breites Spektrum von Satzgliedern bzw. Satzgliedteilen besetzt werden. Mein Hauptinteresse gilt allerdings nicht allen Besetzungsmöglichkeiten des Nachfelds. Den Gegenstand der Untersuchung bilden die Fälle, bei denen weder eine finite Verbform noch ein Infinitiv vorhanden sind. So werden die Elemente bzw. Nachfeldbesetzungsformen, wie sie
in (a), (b) und (c) auftreten, außer Acht gelassen:

(a) Es freut mich besonders, dass du mir schreiben willst.

(b) Seit heute ist der Mann bekannt, der dies getan hat.

(c) Er betrat das Zimmer, ohne zu grüßen.

Solche weitgehend grammatikalisierten Nachfeldbesetzungen sind im Fall (a) obligatorisch, in den Fallen (b) und (c) fakultativ und verdanken sich dem Verfahren der "Extraposition", das hier unberücksichtigt bleibt." Vielmehr richtet sich die Aufmerksamkeit auf die "verbfreien Konstituenten im Nachfeld", auch "verbfreie Nachfeldbesetzungen" genannt: In den praskriptiven Grammatiken als "Abweichung[en] vom geltenden Normalschema der gewöhnlichen Sprache" (Glinz 1952, 425) betrachtet und noch vor weniger als zwanzig Jahren für "unkorrekt" in der Schriftsprache gehalten (Engel 988, 316), gelten diese Erscheinungen inzwischen als typisches syntaktisch-lineares Merkmal des gesprochenen Deutsch.

Dieser Zusammenhang findet nachdrückliche Beachtung in Untersuchungen zur Syntax der gesprochenen Sprache bzw. in spezifischeren sowohl syntaktisch als auch gesprächsanalytisch orientierten Arbeiten und in manchen Grammatiken und sprachwissenschaftlichen Lexika. Die fraglichen Phänomene finden sich aber auch besonders häufig in zeitgenossischen politischen Reden, aus denen das hier untersuchte Korpus besteht:

(1) In diesem Zusammenhang ist Dank und Anerkennung zu sagen den vielen Angestellten, Mitarbeitern gesellschaftlicher Organisationen und nicht zuletzt den Angehörigen der Armee, der Schutz- und Sicherheitsorgane für ihren Einsatz vor Ort zur Lösung volkswirtschaftlicher Aufgaben. (H. Modrow, 17.11.1989. [Internetseite])
EAN: 9783835090040
Untertitel: Eine Untersuchung anhand politischer Reden der Gegenwartssprache. 2006. Auflage. eBook. Dateigröße in MByte: 16.
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Erscheinungsdatum: Dezember 2007
Seitenanzahl: xiii272
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
Es gibt zu diesem Artikel noch keine Bewertungen.Kundenbewertung schreiben