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Nietzsche

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Januar 1999

Beschreibung

Beschreibung

Günter Figal nähert sich dem Philosophen Nietzsche von außen, von seiner Biographie und von den Positionen her, die die Nachwelt ihm zugewiesen hat, um den Leser sodann behutsam, anregend und erhellend durch das Werk und den Nachlass zu führen, im Mittelpunkt immer Nietzsches Erfahrungen und Fragen, Gedanken und Bilder. Sein Buch ist eine Möglichkeit, ohne besondere Voraussetzungen mit Nietzsche bekannt zu werden.

Inhaltsverzeichnis

1;Inhalt;5 2;Vorwort;7 3;I. Von außen;9 3.1;1. Seismographie;9 3.2;2. Biographie;18 3.3;3. Positionsbestimmungen;33 4;II: Zeit und Sein und Kunst;44 4.1;1. Vom souverainen Werden;44 4.2;2. Plastische Kraft, Kraft zu vergessen;52 4.3;3. Kunstwelten;63 4.4;4. Vermittelung des menschlichen Künstlers;77 5;III. Dialektiker unter sich;103 5.1;1. Das Problem der Wissenschaft selbst;103 5.2;2. Monstrosität per defectum;108 5.3;3. Abendröthe der Kunst;118 5.4;4. Scheidung der Welt;133 5.5;5. Neue Erfindung des vernünftigen Denkens;140 5.6;6. Selbstzertheilung des Menschen;159 5.7;7. Offnes Meer;172 6;IV. Leben der Erkenntnis;181 6.1;1. Über allen menschlichen Dingen;181 6.2;2. Ich lehre euch den Übermenschen;200 6.3;3. Nicht Wille zum Leben, sondern so lehre ichs dich Wille zur Macht! ;216 6.4;4. Etwas Complicirtes;225 6.5;5. Psychologie;236 6.6;6. Kosmisch empfinden;245 6.7;7. Du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft;254 7;Verzeichnis der Siglen;281 8;Verzeichnis der zitierten Literatur;285 9;Zum Autor;294


Leseprobe

III. Dialektiker unter sich (S. 103-104)

1. »Das Problem der Wissenschaft selbst«

Im Jahr 1886, also vierzehn Jahre nach dem ersten Erscheinen, bringt Nietzsche sein Tragödien-Buch noch einmal heraus, nun versehen mit dem einleitenden Versuch einer Selbstkritik. Ein »fragwürdiges« Buch sei es, »wunderlich« und »schlecht zugänglich« (KSA 1,11; GT, Versuch 1), »schlecht geschrieben, schwerfällig, peinlich, bilderwüthig und bilderwirrig« (KSA 1,14; GT, Versuch 1), beeinträchtigt durch die »schlechten Manieren des Wagnerianers« (KSA 1,15; GT, Versuch 3). Auch die Charakterisierung des Ganzen als »Artisten-Metaphysik « (KSA 1,13; GT, Versuch 2) ist nicht einfach neutral gemeint. Schon in seinem ersten Aphorismenbuch Menschliches, Allzumenschliches I (1878) hatte sich Nietzsche gegen die entsprechenden, auf Schopenhauer zurückgehenden Passagen seines Erstlings gewandt: der Gedanke, daß die »Traumbild-Welt des Künstlers« ein Modell für die »Erscheinungswelt« überhaupt sein könne, wird nun abgelehnt; die »metaphysische Voraussetzung «, nach der »unsere sichtbareWelt nur Erscheinung« ist, sei »falsch« (KSA 2,185; MA I,222): Es gibt, wie Nietzsche betonen möchte, »hinter« den Erscheinungen keine Weltsubstanz – kein »Ding an sich« namens »Wille«, und also keine von ihm strikt unterschiedenen Erscheinungen.

»Metaphysische« Reste dieser Art finden sich im Tragödien-Buch allerdings nicht sehr oft und sind mit seiner Kunstphilosophie außerdem nur schwer zu vereinbaren. Wie sollte etwa die Versicherung, daß der dionysische Künstler »gänzlich mit dem Ur-Einen, seinem Schmerz und Widerspruch, ei
ns geworden« sei (KSA 1,43 f.; GT 5), neben dem Gedanken vom apollinisch vermittelten Charakter der dionysischen Kunst bestehen? Also mag die Selbstkritik gelegentlich zu streng sein und das Eigenständige, über Schopenhauer Hinausgehende vernachlässigen – unzweifelhaft artikuliert sie einen Bruch: Schopenhauer undWagner, die Leitbilder der frühen Basler Jahre, sind inzwischen problematisch geworden. Für Wagner gilt das besonders: Seine »Unbändigkeit, Maasslosigkeit« (KSA 7,758; N 1874, 32[15]) ist Nietzsche schon aufgefallen, als er noch die Eloge Richard Wagner in Bayreuth (1876) vorbereitete. Es sei »ein Glück, dass Wagner nicht auf einer höheren Stelle, als Edelmann, geboren« und »auf die politische Sphäre« verfallen sei (KSA 7,765; N 1874, 32[35]). Auch die problematischen Seiten der Wagnerschen Kunst sieht Nietzsche genau: etwa die »Gefahr der Affectmalerei« oder »das Berauschende, das Sinnliche Ekstatische, das Plötzliche, das Bewegtsein um jeden Preis – schreckliche Tendenzen! « (KSA 7,760; N 1874, 32[16]).

Wichtiger als der Abschied von den frühen Helden ist freilich die Neuorientierung. Auf sie kommt es Nietzsche an, wenn er kontrastierend die Befangenheit seines ersten Buches hervorhebt. Denn auch was ihn nun interessiert, läßt sich bis in die Tragödien-Schrift zurückverfolgen: Auf »eine Frage ersten Ranges und Reizes« sei er hier gestoßen, »noch dazu eine tief persönliche Frage« (KSA 1,11; GT, Versuch 1). Er habe damals »etwas Furchtbares und Gefährliches« zu fassen bekommen, »ein Problem mit Hörnern«, »ein neues Problem«.


Pressestimmen

"Wie soll man, zumal in einer Einführung, einem derart disparaten Phänomen gerecht werden? Dem Tübinger Philosophen Günter Figal ist das Kunststück gelungen, die Widersprüche Nietzsches beim Wort zu nehmen, ohne sie vorschnell zu harmonisieren oder zu kritisieren."
-- Neue Zürcher Zeitung
"Ich lobe ein Buch, das den hierarchischen Schnitt zwischen dem sekundären und dem primären Text vorbildlich ansetzt.
"Franz Schuh in der"
-- Zeit
"Eine Einführung im guten Sinne des Wortes. Figal (...) versteht es, philosophische Propädeutik zu schreiben, die dem Laien und Anfänger Richtschnur ist, ohne den Gehalt der Sache zu simplifizieren."
-- Berliner Zeitung
"Günter Figals 'philosophische Einführung' ist der gelungene Versuch einer Systematisierung des Unsystematischen, indem er Nietzsche mit bewundernswerter Klarheit in den Zusammenhang der altgriechischen Tradition stellt."
-- Badische Zeitung
EAN: 9783159503011
Untertitel: Eine philosophische Einführung. Dateigröße in KByte: 907.
Verlag: Reclam Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 1999
Seitenanzahl: 296 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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