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Regulierung der Kulturberufe in Deutschland

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November 2007

Beschreibung

Beschreibung

Christiane Schnell entwickelt ein Konzept der individuellen Professionalisierung, das die Aneignung und Entwicklung von Handlungsressourcen als dynamischen Prozess der Interaktion von Struktur und Handeln betrachtet. Sie analysiert die Leistungen und Grenzen der Regulierung, beispielsweise durch Künstlersozialversicherung und Urheberrecht, sowie Strategien kollektiven Handelns und individueller Bewältigung von Zwängen des Marktes und sozialer Unsicherheit in diesem Feld.

Inhaltsverzeichnis

Regulierung von Arbeit und sozialer Sicherung im Kontext gesellschaftlichern Wandels

Institutionelle Rahmung und struktureller Wandel des "Regulationsmodells Kultur"

Berufliche Entwicklung und Strategien kollektiven Handelns: Dimensionen intermediärer Regulierung

Handlungsspielräume und biographische Selbstregulation: Chancen und Grenzen individueller Professionalisierung

Wechselwirkungen institutioneller, kollektiver und individueller Regulierung und das Regime des Marktes

Portrait

Dr. Christiane Schnell ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen.

Leseprobe

1 Die Regulierung von Arbeit und sozialer Sicherung im Kontext gesellschaftlichen Wandels Entwicklung des Forschungsvorhabens (S. 7)

Für die Interpretation der Kulturberufe werden im Folgenden zunächst die klassischen Grundtypen von Arbeit und Existenzsicherung dargestellt. Zum einen das Modell abhängiger Normalarbeit (1.1), das in Deutschland als beruflich qualifizierte Facharbeit in der industriellen Massenproduktion verortet wird, zum anderen die Professionen (1.2), als privilegierte Experten- bzw. Dienstleistungsberufe. Beide Formen werden in ihrer jeweiligen sozio-historischen Entwicklung beschrieben, wobei das jeweils charakteristische Zusammenspiel von wohlfahrtsstaatlicher Regulierung, kollektivem Handeln und individuellen Akteuren die im Kontext von Paarbeziehungen und Familien betrachtet werden müssen herausgearbeitet wird.

Geleitet von einem soziologischen Verständnis von Regulierung wird ein erweiterter erwerbs- und professionssoziologischer Zugang gewählt, der die sozial- und lebenslaufspolitische Verfasstheit von Erwerbsstrukturen abhängiger und professionalisierter Arbeit einbezieht und somit Arbeit und soziale Sicherung in einen Zusammenhang stellt.

Dabei wird auch auf die Folgen des Strukturwandels eingegangen, welche die jüngere sozialwissenschaftliche Diskussion beschäftigen und das Interesse an den Künsten und Kulturberufen geweckt haben. Während in diesem ersten Zugriff die Frage des Aufbrechens der traditionellen Regulierungsmuster nachgezeichnet wird, wird in einem zweiten Schritt der Stand der Forschung in Bezug auf neue bzw. modifizierte Regulierungsformen und -Prinzipien resümiert.

Werden bei den Kulturberufen in der Regel staatlich institutionalisierte und kollektive Regulierungen im Wechselspiel zwischen Markt und Individuum als vergleichsweise unbedeutsam erachtet (1.3), so legt das empirische Vorhaben die umgekehrte Perspektive an. Es wird explizit nach der Regulierung vo
n Arbeit und sozialer Sicherung in Kulturberufen gefragt. Die vorwiegend aus anderen Feldern gewonnenen theoretischen Befunde dienen dabei der Hypothesenbildung und können als Werkzeug für die empirische Untersuchung fruchtbar gemacht werden (1.4).

1.1 Die Regulierung industrieller Lohnarbeit im deutschen Wohlfahrtsregime

1.1.1 Die traditionelle Konstellation

Den historischen Ausgangspunkt der Regulierung von (abhängiger) Arbeit und sozialer Sicherung in Deutschland bilden die Ende des 19. Jahrhunderts von Bismarck erlassenen Ersatzregelungen für die mit der industriellen Lohnarbeit verbundenen Risiken wie Arbeitsunfälle, Krankheit und Alter. Sie wurden im Zeitverlauf ergänzt und institutionell zu einem Sozialversicherungssystem ausgebaut, in dem die grundlegenden Regulierungsprinzipien des deutschen Wohlfahrtsregimes im zwanzigsten Jahrhundert angelegt sind.

Der Staat agiert als dominante gesellschaftliche Regulationsinstanz und als Generalagent" der Absicherung von Soziallagen. Zentrales Motiv staatlicher Interventionstätigkeit ist die Festigung des sozialen Friedens. Zum Ausdruck kommt hier die paternalistische Annahme, dass weder die Arbeitenden selbst noch ihre kollektiven Interessenvertretungen eine ausreichende Weitsicht und Loyalität gegenüber der industriellen Ordnung besitzen.

Das Ziel der sozialen Sicherheit wird jedoch als Gemeinwohl betrachtet, für das sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber paritätisch zur Finanzierung herangezogen werden. Indem die Sozialversicherung an die wirtschaftliche Rolle eines regulären Arbeitnehmers" anknüpft, der lebenslange, vollzeitbeschäftigte, vertraglich garantierte Lohnarbeit ausübt, konstituiert sie zudem einen unmittelbar geschlechtsspezifisch wirksamen lohnarbeitszentrierten Vorbehalt" sozialer Sicherung (vgl. Vobruba 1990, 28).

Die Leistungen werden dabei als über die Beschäftigung und entsprechende Beitragszahlungen erworbener" individueller Rechtsanspru
ch konzipiert.1 Der Staat beaufsichtigt die Versicherungshaushalte und ist im Falle von Finanzierungsdefiziten die inzwischen längst an der Tagesordnung sind zuschusspflichtig (vgl. Offe 1998, 361).

Die heroische Figur des Industriearbeiters, bei der eine starke körperliche Beanspruchung und der Umgang mit den immer komplexer werdenden großtechnischen Anlagen im Vordergrund stehen, wurde durch die Schwerindustrie erschaffen.
EAN: 9783835091665
Untertitel: Strukturen, Akteure, Strategien. 2007. Auflage. eBook. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Erscheinungsdatum: November 2007
Seitenanzahl: xiii261
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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