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Abschied von der Ohn-Macht!


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Juli 2014

Beschreibung

Beschreibung

Inhaltsangabe:Einleitung:
In der vorliegenden Diplomarbeit wird die Frage erörtert, welche Ansätze und Möglichkeiten im Rahmen der Internationalen Beziehungen bestehen, um destruktive ethnopolitische Konfliktlagen präventiv oder friedlich meistern zu können. Wobei jene Konflikte als ethnopolitisch verstanden werden sollen, ¿in denen sich zumindest für die Akteure einer Seite die Zugehörigkeit zu den Konfliktparteien aus ethnischen (bzw. sprachlichen oder religiösen) Unterschieden, ergibt. Diese Beschreibung meint nicht, daß die Ethnizität als solche den Konflikt konstituiert; die Ethnizität konstituiert lediglich eine besondere, wenn auch höchst einflußreiche Form der Vergesellschaftung. Erst die Mobilisierung der ethnischen Zugehörigkeit für politische Zwecke, insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, wenn es um die (Neu-) Verteilung von existentiellen Lebenschancen geht, macht sie zu einem Schlüsselmerkmal für das Selbstverständnis der Konfliktparteien.¿.
Angesichts der zu beobachtenden Machtlosigkeit mit der die internationale Staatengemeinschaft auf die Herausforderungen ethnopolitischer Konflikte reagiert, muß vor allem der Aufgabe nachgegangen werden, welche Mittel und Wege zur Lösung prinzipiell existieren und wo die Stärken und Schwächen der einzelnen diskutierten Ansätze zur friedlichen Intervention Dritter Parteien liegen. Im folgenden wird ferner der Versuch unternommen die zur Erklärung der Eskalation ethnopolitischer Konflikte notwendigen Eigenschaften und Eigenheiten kurz zusammenzustellen. Im Anschluß daran finden sich kritische Reflexionen über die politikstrategisch sinnvollsten friedlichen Einmischungsmaßnahmen wieder, die erörtern, ob und inwieweit eine eskalierende Konfliktdynamik von dritter Seite überhaupt präventiv beeinflußt werden kann. Dazu gehört, daß eine langfristig erfolgreiche Friedensstrategie zur konstruktiven Gewaltprävention dieser schwierigen Konfliktart ihrer zunehmenden Komplexität gewachsen sein muß, um geeignete Lösungen bzw. Regelungen der hierfür notwendigen gesellschaftlichen Transformation zur Verfügung stellen zu können. Von daher sind reine Akteure der Staatenwelt, wie z.B. Regierungen oder deren Vertreter: die Diplomaten mit dieser Aufgaben allein weitestgehend überfordert. Ihnen sind die Hände in zweierlei Hinsicht gebunden. Zum einen können staatliche Akteure erst dann aktiv handeln, wenn ein akuter Konflikt auf der hocheskalierten Ebene eines sog. Anerkennungskonflikts angekommen ist, und ¿zum anderen sind ihre Gestaltungsspielräume in der Regel auf die Ebene der politischen Führungen beschränkt. Die Bearbeitung der tiefer liegenden Ursachen und Aspekte ethnopolitischer Auseinandersetzungen ist demgegenüber eher eine Aufgabe für Akteure der Gesellschaftswelt. Dazu gehören alle Personen und Institutionen, die Einfluß auf die Art und Weise der ethnopolitischen Identitäts- und Gruppenbildung haben.¿.
Gerade die angesprochene, tragische Hartnäckigkeit ethnopolitischer Konflikte macht es erforderlich, bei der Suche nach politischen und sozialen Regelungsmöglichkeiten die historische und psycho-soziale Tiefendimension nicht außer Acht zu lassen, da bei strikter Mißachtung dieser Faktoren das frühzeitige Scheitern von Verhandlungen mitunter vorprogrammiert ist. Beim Bearbeiten der sozialpsychologischen Tiefendimension ist ein verstärkter Einbezug nicht-staatlicher Akteure dringend erforderlich; dementsprechend sollten sie umfassender Förderung unterliegen. Bislang existieren nach wie vor viel zu wenig nationale und internationale Diskussionsforen, auf denen die tiefenpsychologische Dimension ethnopolitischer Konflikt nachhaltig behandelt wird. Erschwerend hinzu tritt, daß die wenigen vorhandenen Projekte zusätzlich durch mangelhafte Ressourcenausstattung gekennzeichnet sind. Insofern legen die Grenzen konstruktiver Gewaltprävention durch nationalstaatliche Diplomatie wie auch die zu engen Möglichkeiten der produktiven Kooperation traditioneller und neuartiger Mediationsmethoden den realistischen Schluß nahe: ¿Der Bereich der interaktiven Problemlösung durch gesellschaftliche Akteure bedarf einer gewaltigen Aufwertung.¿ Um dieses Ziel in der langfristigen Perspektive zu erreichen liegt der nächste wichtige Schritt darin, die jahrhunderte alte Dichtomie von staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren zu minimieren.¿.
Die besondere Stärke gesellschaftlicher Friedensarbeit liegt in diesem kontinuierlichen Wandlungsprozeß in der gewaltdeeskalierenden Prävention. Aus diesem Grund kommt es entscheidend darauf an, so frühzeitig wie möglich, eine soziokulturelle Infrastruktur konstruktiver Konfliktaustragung zu etablieren, in ihr kreative Initiativen zu entwickeln und langfristig gesellschaftspolitisch tragfähige Alternativkonzepte anzubieten, die weit über das hinausgehen, wozu staatliche Institutionen bis heute in der Lage sind. Das gilt vor allem für die Phase der Friedenskonsolidierung (peacebuilding), da insbesondere in der fragilen Zeit eines jungen Waffenstillstands oder Friedensabkommens nicht selten die Keime für neue Gewalt gesät werden. Von enormer Wichtigkeit ist deshalb, zu Beginn von Friedensbemühungen dafür Sorge zu tragen, dem innerethnisch ¿verbreiteten Ohnmachtsgefühl entgegenzuwirken und an den ebenfalls vorhandenen sozialen Zerrüttungen innerhalb der Konfliktparteien zu arbeiten.¿ Gerade in zugespitzten ethnopolitischen Konfliktlagen ist es nicht selten, daß innerhalb des selben Lagers häufig intensive Auseinandersetzungen über die Art und Weise der Konfliktaustragung mit den anderen Seiten stattfinden. Bestes Beispiel hierfür ist der israelisch-palästinensische Dauerkonflikt, in dem alle Anzeichen dafür sprechen, ¿daß es zu einem dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern erst kommen wird, wenn parallel dazu sowohl die israelische als auch die palästinensische Seite sich mit sich selbst versöhnen.¿.
Um einen derartigen Versöhnungsprozeß voranzubringen ist es wesentlich, präventive Konfliktbearbeitung als einen langanhaltenden gesellschaftlichen Transformationsprozeß zu sehen, der nach Möglichkeit viele staatliche wie auch gesellschaftliche Akteure und Institutionen umfaßt. In dieser Diplomarbeit wird konstruktive Gewaltprävention daher als ein mehrdimensionaler, paralleler politischer und gesellschaftlicher Prozeß betrachtet, der sowohl alte und neue Strukturen miteinbezieht und sich zugleich verschiedener Verfahren friedlicher Konfliktbeilegung und ziviler Lösungsmechanismen bedient. Dieser gesamtgesellschaftliche Prozeß sollte nach Möglichkeit so gestaltet sein, daß es im Lauf der Zeit zu einer schrittweisen Etablierung, Erweiterung und Vernetzung von sog. 'strategischen Friedensallianzen' (strategic peace constituencies) kommt. Auf dem Weg dahin sind auf der einen Seite externe Friedensstifter von großen Nutzen, auf der anderen Seite kommt es aber wesentlich darauf an, vermehrt interne, einheimische Akteure für die friedliche Beilegung von ethnischen Konflikten zu gewinnen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird aus diesem Grund sog. ¿parteilichen Insidern¿ eine gewichtige Rolle im transformatorischen Komplex des Friedensprozesses zugesprochen. Für eine beständige Etablierung strategischer Friedensallianzen plädiert Kumar Rupesinghe, ¿möglichst viele Sektoren der Zivilgesellschaft für die aktive Konfliktverhütung sowie Verständigungs- und Versöhnungsarbeit zu gewinnen.¿ Dieses Konzept ist seine friedliche Vorstellung davon, den eskalierenden Teufelskreislauf militärischer Drohpotentiale in jeder Form frühzeitig durchbrechen zu helfen, bei denen sich die Zivilbevölkerung mit ihren reichhaltigen Einflußmaßnahmen verständlicherweise passiv ängstlich zurückzieht, um nicht zum Opfer aktiver Kampfhandlungen oder staatlicher Repressionsmaßnahmen zu werden. Spätestens von diesem Punkt an ist jede Konfliktbearbeitung pures Krisenmanagement. Darum ist es dringend geraten ¿diesen Kreislauf durchbrechen zu helfen, indem neue Möglichkeiten der zivilen Konfliktbearbeitung entwickelt und in der Praxis begleitet werden.¿ Diese Zusammenhänge stellen für die kritisch-reflexive Friedensforschung, die wichtigste friedenspolitische Aufgabe, vermutlich der nächsten zehn bis zwanzig Jahre, dar.
Einer der Schlüsselbegriffe auf dem Weg zu einem friedlicheren ethnopolitischen Ordnungsrahmen, der für den öffentlichen Wandel der internationalen Beziehungen nach dem Ende das alten Ost-West-Konflikts steht ist derjenige der Mediation, ¿der friedlichen Einmischung einer dritten Partei in einen Konflikt.¿ Vor dem Hintergrund des weltpolitischen Optimismus der zu Anbeginn der neunziger Jahre spürbar war, schien dieses Verfahren neue konstruktive Möglichkeiten der Friedenssicherung zu versprechen. Es bleibt allerdings anzumerken, daß Vermittlung und Schlichtung zwischenmenschlicher Kontroversen mit Hilfe Dritter Parteien so alt ist wie die Beschäftigung zur Lösung von Konflikten in der Menschheitsgeschichte insgesamt. ¿Neu sind hingegen die Impulse, die die Professionalisierung der Mediation als eine vor allem innergesellschaftliche Konfliktbearbeitungskultur in der angelsächsischen Welt mit sich gebracht hat.¿ Dabei gilt als das wichtigste Merkmal jeglicher Intervention Dritter Parteien, unabhängig von der wahlweisen Interventionsform externer bzw. interner Mediatoren, zunächst, daß aus einer bilateralen Konfliktberabeitung (direkte Verhandlungen) eine vorrangig trilaterale Beziehung wird. Die bei weitem einflußreichste Mediationsschule hat ihren Ursprung in den frühen achtziger Jahren begründet und ist aus dem Harvard Negotiation Project in den USA hervorgegangen. Nach ihrer Auffassung stellt eine gelungene ¿Transformation der Konfliktinterpretation von einer ¿win-loose¿-Konstellation zu einer ¿win-win¿-Problemlösungsaufgabe¿ den objektiven Gradmesser erfolgreicher Mediation dar.
Dabei setzt Mediation im engeren Sinne, zu der zählt die Harvard Negotiation School, voraus, daß alle beteiligten Streitparteien an einer stabilen friedlichen Verhandlungslösung interessiert sind, sich wechselseitig als gleichberechtigte Konfliktakteure anerkennen und die Machtformation zwischen ihnen nicht allzu asymmetrisch ausgeprägt ist. Bei langwierigen, zugespitzten ethnopolitischen Konflikten (protracted conflicts), von denen in dieser Arbeit ausschließlich die Rede ist, ist es überaus kompliziert, eine konstruktive Bearbeitung rein über die bestehende Sachebene zu erreichen. Hierzu sind zumindest, wenn nicht sogar hauptsächlich, Anstrengungen am historisch fundierten tiefenpsychologischen Beziehungsgeflecht ¿auf den Ebenen der mittleren und unteren Führungsschicht erforderlich. Mediation muß deshalb ergänzt werden, um verschiedene Methoden des peace-building¿ Mediation, die dem weiten Kreis von peace-making Aktivitäten zugeordnet wird, bedarf aufgrund gesellschaftlicher Substanzbildung von peace-building Qualitäten dringend der facettenreichen Kontextualisierung des ansonsten gewohnten Verfahrensweges und tiefgreifender interkultureller Qualifikation, damit alle betroffenen Konfliktparteien auf faire Weise in den Bearbeitungsprozeß miteinbezogen werden können. Mediation repräsentiert anhand dessen einen dynamischen und komplexen gesellschaftlichen Wandlungsprozeß, in den die Streitparteien involviert sind, und aufgrund eines verbindendes Konfliktes oder einer schwierigen Problemstellung auf einen vermittelnden Akteur angewiesen sind. Von daher entscheidet über die erfolgreiche Bewältigung der im Mediationsverfahren zur Disposition stehenden Fragestellungen das erfolgreiche Zusammenspiel aller voran genannten Faktoren. Aufgrund der eingangs angeführten Fakten lautet, die in dieser Arbeit eingehend zu untersuchende These: Mediation ist die tragfähigste friedliche Interventionsmethode, anhand derer mit einer Dritten Partei in herannahenden ethnopolitischen Konfliktkonstellationen frühzeitig eine zugleich stabile und konstruktive Gewaltprävention erreicht werden kann!

Inhaltsverzeichnis:
A)Ausgangslage
1.)Hinführung zum Thema1
II.)Strukturmerkmale und Ursachen ethnopolitischer Konflikte
1.)Strukturmerkmale6
2.)Ursachen7
HI.)Einführung in das friedenswissenschaftliche Denken12
B)Grundlagen
I.)Grundbegriffe der Friedens- und Konfliktforschung19
1.)Macht19
2.)Konflikt23
3.)Gewalt27
4.)Frieden34
II.)Feindbilder41
1.)Vom Vorurteil zum Feindbild42
2.)Feindbilder - Funktionen, Ursachen, Lösungen44
a)Funktionen45
b)Ursachen47
ba)Die individuelle Dimension47
bb)Die soziale Dimension53
c)Lösungen59
III.)Rollen und Funktionen Dritter Parteien61
1.)Vermittlung auf staatlicher Ebene63
a)Bi- und multilaterale Verhandlungen (negotiation)63
b)Schlichtungs-, Schieds- und Gerichtsverfahren (arbitration)65
c)Gute Dienste (good offices)65
d)Gespräche mit vermittelndem Charakter (facilitation)66
e)Sachorientierte Mediationsverfahren (mediation)69
ea)Der abkommenorientierte Ansatz (settlement)69
eb)Machtmediation (powermediation)70
2.)Vermittlung auf gesellschaftlicher Ebene73
a)Beziehungsorientierte Mediationsverfahren74
aa)Mediation als Win-Win Problemlösung, Alternative Dispute Resolution (ADR)74
ab)Problemlösungsworkshops (Interactive-Problem-Solving)78
ac)Bürgerdiplomatie (citizen diplomacy)81
b)Integrative/komplementäre Ansätze85
ba)Der Kontingenz-Ansatz85
bb)Der Phasen-Vermittlungs-Ansatz87
bc)Multi-Track Diplomacy89
c)Transformationsorientierte Ansätze91
ca)Peace-Building-Ansatz92
cb)Der "middle-out"-Ansatz94
C)Mediation als Beitrag zur konstruktiven Gewaltprävention96
I.)Mediation als aktive Gewalttransformation97
II.)Interkulturelle Mediation als Abschied von der Ohn-Macht!110
III.)Mediative Konfliktkultur - Integraler Bestandteil der Culture of Peace114
D)Schlußbetrachtung123
LITERATURVERZEICHNIS126
EAN: 9783832455996
Untertitel: Mediation: Entstehungsbedingungen - Instrumentarien - Perspektiven. Eine Theorie kritisch-reflexiven Handelns zur konstruktiven Gewaltprävention. Dateigröße in MByte: 10.
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 2014
Seitenanzahl: 143 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Keiner
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