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Deutschland und Polen


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Mai 2008

Beschreibung

Beschreibung

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sind von besonderer Art, geprägt durch geschichtliche Erfahrungen, die auch heute die geographische Nähe mit sozialer und politischer Distanz verbinden. Hieraus resultieren immer wieder tief reichende Spannungen. In diesem Band wird dieses besondere deutsch-polnische Verhältnis umfassend analysiert. Der Fokus ist dabei vor allem auf die Entscheidungen, Rollen und Beziehungen beider Staaten in der Europäischen Union und der internationalen Politik gerichtet.

Inhaltsverzeichnis


I. Einführung: von Thomas Jäger, Hans J. Gießmann -
II. Deutschland und Polen in der Europäischen Union: von Helmut P. Gaisbauer, Heiko Fürst, Cornelia Frank, Kai-Olaf Lang, Andreas Marchetti -
III. Deutschland und Polen im internationalen Kontext: von Rasmus Beckmann, Simon Koschut, Daria W. Dylla, Florian Wassenberg, Frank Umbach, Thomas Jäger

Innenansichten

Portrait

Prof. Dr. Thomas Jäger und Dr. Daria W. Dylla sind Politikwissenschaftler an der Universität zu Köln.

Leseprobe

Mittelmächte in Europa: Bilaterale Beziehungen und außenpolitischer Handlungsspielraum (S. 9)

Thomas Jäger

1 Einleitung

Wenn Beziehungen beschrieben und analysiert werden, die politische Akteure zueinander unterhalten, werden zumal wenn es sich hierbei um Staaten handelt relative Positionen, die miteinander in Verbindung stehen, thematisiert. Diese Relationen können Interessen, Werte und Fähigkeiten der betrachteten Staaten betreffen. Es ist von politischer Bedeutung und damit auch für die politikwissenschaftliche Analyse relevant , in welcher Intensität und Ausprägung Staaten ihren Außenbeziehungen ähnliche Werte zugrunde legen.

Je näher diese Werte beieinander liegen, desto höher sind ceteris paribus die Chancen für Kooperation miteinander. So verhält es sich auch, wenn kompatible Interessen bestehen, die eine Zusammenarbeit befördern können. Sind die Interessen stärker kompatibel, stellt dies eine bessere Ausgangsbedingung für Kooperation dar, als wenn sie allzu sehr auseinander laufen. Auch hinsichtlich der Fähigkeiten werden Relationen beschrieben und analysiert, denn Staaten mit einem eher ausgeglichenen Repertoire an Fähigkeiten unterhalten andere Beziehungen zueinander, als dies für Staaten gilt, deren Fähigkeiten sehr asymmetrisch ausgeprägt sind.

Dies gilt sowohl für die Gesamtheit des Repertoires an Befähigungen als auch für die Sachbereiche, auf denen sie angesiedelt sind. Eine ähnliche Größe der Fähigkeiten und eine parallele Lagerung etwa im ökonomischen und militärischen Bereich bewirkt einen anderen Umgang miteinander, als dies bei drastischen Asymmetrien der Fall ist. Dabei müssen die Beziehungen keineswegs der symmetrischen Fähigkeiten wegen kooperativ sein. Im Gegenteil.

Anders als bei Werten und Interessen führt ein vergleichbares Machtportefeuille nicht zu einer höheren Erwartbarkeit von Kooperation, sondern lediglich dazu, dass diese Staate
n andere Beziehungen miteinander unterhalten, als dies bei ungleicher Machtausstattung der Fall wäre. Fähigkeiten sind jedenfalls ein wichtiges Kriterium zur Analyse der Beziehungen zwischen Staaten in internationalen und regionalen Beziehungen und deshalb ist es hilfreich, den unter- schiedlichen Status der Staaten als Großmacht, Mittelmacht oder Kleinstaat zu bedenken.

Während sich diese dreifache Differenzierung auf die Fähigkeitsausstattung der Staaten bezieht, bezeichnen Begriffe wie Weltmacht oder Regionalmacht den Radius des ordnungspolitischen Einflusses. Sie werden zwar häufig synonym verwandt insbesondere Weltmacht und Großmacht, nachdem der gängige Begriff der nuklear gerüsteten Supermächte des Ost-West-Konflikts außer Gebrauch geriet , bezeichnen aber unterschiedliche Aspekte staatlicher Machtentfaltung.

In den drei Großtheorien der Internationalen Politik kommt der Analyse der Relation der Fähigkeiten generell eine besondere Bedeutung zu. In einem Ansatz dem strukturellen Realismus Waltzscher Prägung ist dieses Kriterium für die Analyse des internationalen Systems sogar ausschlaggebend. Aber auch in institutionalistischen Ansätzen und im Liberalismus ist die Analyse der Akteursfähigkeiten bedeutsam. In der einen Theorie, weil dem Ausgleich von Machtasymmetrien in institutionellen Arrangements große Bedeutung für die Generierung von Kooperation zugemessen wird, in der anderen Theorie, weil sich staatliche Präferenzen entsprechend ihrer unterschiedlichen Durchschlagskraft als international bestimmend erweisen.

Entsprechend intensiv werden die unterschiedlichen politischen, militärischen, ökonomischen und ideologischen Facetten der sozialen Gestalt der Welt- oder Supermächte analysiert, also der Staaten, die im internationalen System ihrer Zeit jeweils dominant sind (Mearsheimer 2001). Ihnen gilt die größte Aufmerksamkeit, da sie den stärksten Einfluss auf die Ausgestaltung der Umwelt nehmen, die die Bedingung der Existenz aller Staate
n und der sozioökonomischen Entwicklung ihrer Gesellschaften ist.

Mit großem Konsens lässt sich für die jeweiligen historischen Phasen feststellen, welche Staaten als Groß- oder Weltmacht angesehen werden können. Unterschiedliche Bewertungen für die Auf- und Abstiegsentwicklungen lassen sich hingegen in den Transformationsphasen des internationalen Systems feststellen.
EAN: 9783531909479
Untertitel: Die europäische und internationale Politik. 2008. Auflage. Dateigröße in MByte: 1.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: vi326
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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