HUDU

Hotel Iris


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September 2001

Beschreibung

Beschreibung

Die siebzehnjährige Mari führt zusammen mit ihrer Mutter ein bescheidenes Hotel in einem Badeort an der Küste. Eines Abends wird sie Zeugin eines heftigen Streits zwischen zwei Gästen, einem älteren Herrn und einer Prostituierten. Mari ist tief beeindruckt von der Würde und der Eleganz des Mannes, dem seine Begleiterin abartige sexuelle Neigungen vorhält. Als sie den Mann einige Tage später in der Stadt wiedersieht, macht sie seine Bekanntschaft und folgt ihm auf eine unbewohnte Insel, wo er zurückgezogen lebt. Seit Jahren arbeitet er dort an der Übersetzung eines russischen Romans, dessen Heldin ein gewaltsames Ende findet, genau wie seine eigene Frau Jahre zuvor.

Portrait

Yoko Ogawa, 1962 in Okayama geboren, lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo. Sie ist Autorin von zahlreichen Romanen und gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen ihrer Generation. Für ihr Werk wurde sie mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem begehrten Yomiuri-Preis. Bei Liebeskind erschienen u.a. die Romane 'Hotel Iris' und 'Das Museum der Stille' sowie die Erzählungsbände 'Der zerbrochene Schmetterling' und 'Schwimmbad im Regen'.

Pressestimmen

Verstörend betörend Ich bin keine typische Leseratte. Selten passiert es mir, dass mich ein Buch von Beginn an in Bann zieht, noch seltener, dass es mich bis zum Ende im Bann hält. Die Neugierde, die mich treibt ein Buch zu beginnen, erlahmt oder erlischt meist, wenn früher oder später das Gefühl einsetzt, auf allzu Bekanntes zu stoßen, zu ahnen wie der Hase läuft. Selbst wenn der Hase gut läuft, sprich: der Autor sein Handwerk versteht, lässt die Spannung nach. Yoko Ogawa's "Hotel Iris" gehört zu den Ausnahmen, zu den schillernden Perlen, die mich für viele Enttäuschungen mühseliger matter Lektüre versöhnen. Wenn (angeblich) Haruki Murakami's "Gefährliche Geliebte" mit seinen erotischen Beschreibungen einst schon zum Zerwürfnis des literarischen Quartetts geführt hat, müsste HOTEL IRIS ein Übriges tun. Sexuelle Praktiken sadomasochistischer Ausprägung zwischen einem älteren Herrn und einem siebzehnjährigen Mädchen - das ist der zumindest vordergründige Mittelpunkt des Buches - das riecht nach kalkuliertem Schielen auf Skandal, nach Aufguss dessen was im täglichen "Erotikangebot" der einschlägigen Sender längst gang und gäbe und deshalb beim bewegten Bild längst nicht mehr skandalträchtig ist. Kommt es aber im Gewand "seriöser Literatur" daher, fühlen sich Kulturhüter und Sittenwächter immer noch schnell auf den Plan gerufen. Aber der Aufschrei wäre ebenso ungerechtfertigt wie bei Murakami. (Womöglich bleibt er auch schon deshalb aus, weil das Buch von einer Frau geschrieben wurde.) Hotel Iris ist das Gegenteil von einem Sich Ergötzen an trendiger Tabulosigkeit: es ist ein verführerisch verstörendes poetisches Meisterwerk. Ausgangspunkt ist eine Szene im titelgebenden Hotel. Die Ich-Erzählerin Mari wird zusammen mit ihrer Mutter, die das Hotel leitet, und anderen Hotelgästen Zeuge davon, wie eine Prostituierte einen älteren Herrn lautstark beschimpft, ihn abartiger sexueller Neigungen bezichtigt. "Schweig, Hure!" ruft der Mann ihr hinterher, und diese beiden Worte, vielmehr die Art und Weise ihrer Intonation sind es, die das Mädchen zutiefst beeindrucken. "Die Stumme hatte einen vollen, tiefen Klang, bar jeder Gereiztheit oder Wut, und einen überlegenen Tonfall. Wie wenn der erste Ton eines Cellos oder Horns sich aus der Still erhebt... Noch nie hatte ich einen derart wohlklingenden Befehl gehört - gelassen, würdevoll und gebieterisch." Wochen später begegnet Mari dem Mann wieder. Sie geht ihm nach, sie kommen ins Gespräch, und sie erfährt, dass er zurückgezogen auf einer Insel wohnt und als Russischübersetzer arbeitet. Nach kurzer Unterhaltung verabschieden sie sich, der Übersetzer, wie er fortan nur noch genannt wird, fährt mit der Fähre zurück auf seine Insel. Einige Tage später erhält Mari einen Brief, in dem der Übersetzer - galant, freundlich, feinfühlig -.seine Dankbarkeit über die Begegnung mit ihr ausdrückt und um ein weiteres Treffen bittet. Es entspinnt sich ein regelmäßiger Kontakt, der bald in eine intensive sexuelle Verbindung mündet, ein Spiel mit festen Regeln: Die symbiotische Luststeigerung aus Demütigung und Gedemütigtwerden, Strafe und Gehorsam, Macht und Unterwerfung. Die Geschichte von Leidenschaft und Obsession dieses ungleichen Paares ist nicht Selbstzweck. Vielmehr ist sie zugleich Spiegelbild und Fluchtpunkt ihrer beider "offiziellen" Leben, von denen man aus einer Vielzahl wundervoller kleiner Szenen mehr und mehr erfährt. Das offizielle normale und das heimliche außergewöhnliche Leben gehen eine zunehmend nahtlose und natürliche Verbindung ein, erklären sich auseinander. Yoko Ogawa erzählt das mit einer Authentizität, die dem Innenleben der Personen ebenso wie der sie umgebenden Szenerie eine ganz außergewöhnliche Präsenz verschafft. Sie tut es mit einer Poesie und lakonischen Sinnlichkeit die einem den Atem verschlägt. Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite perfekt komponiert. Kein überflüsssiges Wort, kein Füllmaterial, keine störenden Erklärungsmuster. Dafür eine Fülle von Momentaufnahmen die unendlich viel offenbaren. Jedes Wort, jeder Satz ist Neuland. Schon jetzt hat sich die Verlagsbuchhandlung Liebeskind zur Premiere ihres Verlagsprogramms mit der Erstübersetzung dieser in Japan vielfach ausgezeichneten Autorin große Verdienste erworben. Man kann nur danken und gratulieren!
EAN: 9783935890007
ISBN: 3935890001
Untertitel: Originaltitel: Hoteru Airisisu.
Verlag: Liebeskind Verlagsbhdlg.
Erscheinungsdatum: September 2001
Seitenanzahl: 223 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler
Format: gebunden
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