HUDU

Entliehene Erinnerung


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Oktober 2003

Beschreibung

Beschreibung

Geschichte hat eine wichtige Funktion bei der Ausbildung von Identit¿ Das gilt auch f¿r jugendliche Migranten in der Bundesrepublik, die sich mit Nationalsozialismus und Holocaust als historischem Erbe des Einwanderungslandes auseinandersetzen und sich dieses auf vielfache Weise aneignen. Viola Georgis empirische Bestandsaufnahme antizipiert die demographische Entwicklung der deutschen Gesellschaft, in der sich neben vielem anderen auch der Zugang zur Geschichte ver¿ern wird. Zuwanderungsgesetz hin oder her: Die Bundesrepublik Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland. Seit 1945 hat ein stetiger Zustrom von Migranten ¿ ob ¿Gastarbeiter¿, B¿rgerkriegsfl¿chtlinge, Asylsuchende oder Sp¿ussiedler ¿ zur ethnischen, kulturellen und religi¿sen Vielfalt der bundesdeutschen Gesellschaft beigetragen. Rund acht Millionen Menschen nichtdeutscher Herkunft leben derzeit in Deutschland, viele von ihnen in der zweiten oder dritten Generation. Die ver¿erte Zusammensetzung der Bev¿lkerung kann nicht ohne Auswirkungen auf Geschichtsbilder und Geschichtsbewu¿sein bleiben. Viola Georgi geht in ihrem Buch der Frage nach, welche Bedeutung Nationalsozialismus und Holocaust ¿ unbestritten die zentralen Ereignisse der deutschen Geschichte ¿ f¿r junge Migranten haben. Ist eine ¿berwiegend ethnisch-national definierte deutsche Erinnerungsgemeinschaft ¿berhaupt in der Lage, sich zu erweitern? Kann man andererseits von Einwanderern erwarten, da¿sie das ¿negative Erbe¿ des Aufnahmelandes antreten? Kann die Geschichte des Nationalsozialismus in der pluralen deutschen Gesellschaft der Zukunft Bezugspunkt des nationalen Selbstverst¿nisses sein, ohne da¿dabei eine deutsche Abstammungsgemeinschaft beschworen wird? Anhand detaillierter, narrativ orientierter Interviews mit Jugendlichen aus Einwandererfamilien untersucht die Autorin deren Geschichtsbez¿ge. Sie legt anschaulich dar, wie die jungen Leute die Geschichte des Nationalsozialismus biographisch bearbeiten, welche unterschiedlichen historischen Orientierungsmuster sich herausbilden, wie die jungen Migranten sich selbst positionieren und Zugeh¿rigkeit(en) konstruieren. Daraus entwickelt sie auf der Grundlage relevanter wissenschaftlicher Arbeiten eine Typologie der Aneignung von NS-Geschichte und Holocaust. Abschlie¿nd bricht sie eine Lanze f¿r zukunftsf¿ge p¿gogische Konzepte in der historisch-politischen Bildung ¿ unter Einbeziehung der heute meist str¿ich vernachl¿igten ¿Geschichtsgeschichten¿ der Lernenden selbst.

Portrait

Dr. Viola B. Georgi, Jahrgang 1967, Erziehungswissenschaftlerin und Soziologin, arbeitet als wissenschaftliche Projektleiterin am Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig Maximilians-Universität München. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören: Toleranz- und Menschenrechtsbildung, Rechtsextremismus und Antisemitismus, Migrationsforschung, Demokratietheorien, internationale Jugendforschung, Theorien der multikulturellen Gesellschaft, Bildung in der Einwanderungsgesellschaft, Erinnerungspolitik, Geschichtsbewußtseinsforschung, Gedenkstättenpädagogik und Holocaust Education.
EAN: 9783930908899
ISBN: 3930908891
Untertitel: Geschichtsbilder junger Migranten in Deutschland.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: Oktober 2003
Seitenanzahl: 343 Seiten
Format: gebunden
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