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Einleitung in die Soziologie (1968)


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November 1993

Beschreibung

Beschreibung

Adornos »Einleitung in die Soziologie« ist die letzte Vorlesung, die er gehalten hat und die einzige, von der die Tonbandaufnahmen vollständig vorhanden sind. Nicht zuletzt dieser Umstand beeinflußte die Entscheidung des Theodor W. Adorno Archivs, die IV. Abteilung seiner »Nachgelassenen Schritten«, die insgesamt 15 Vorlesungsnachschriften Adornos enthält, mit dieser Edition zu eröffnen, sie anderen, gewichtigeren vorzuziehen. Als Résumé seiner jahrzehntelangen soziologischen Arbeit bietet die vorliegende Vorlesung gleichzeitig eine Einführung in die kritische Gesellschaftstheorie, die Adorno in den fünfziger und sechziger Jahren repräsentierte und an deren Entwicklung er entscheidenden Anteil hatte. Gerade die Soziologie-Vorlesung, in der Adornos Kritik des Positivismus im Zentrum steht, demonstriert exemplarisch, wofür Kritische Theorie einmal einstand: Die von Max Horkheimer Anfang der dreißiger Jahre für die Arbeit im Institut für Sozialforschung programmatisch erhobene Forderung einer »dialektischen Durchdringung und Entwicklung von philosophischer Theorie und einzelwissenschaftlicher Praxis«, der Adorno in allen seinen Arbeiten verpflichtet blieb, bestimmt ihr >inneres Band<, ist ihr ungebrochen lebendiger Impuls.

Inhaltsverzeichnis

Übersicht
1. VORLESUNG 9
Berufsaussichten und Berufswünsche der Soziologen 9 - Sozio-
logie als Bildungsstudium und gesellschaftlich nützliche Arbeit
11 - Schwierigkeiten vernünftiger Studienplanung 13 - Ver-
schulung der Universität und Freiheit der Wissenschaft 14 -
Lücken und Sprünge im Studium 16 - Keine Kontinuität der
Erkenntnis 17 - Einführung a contrario 19 - Agglomerat 19 -
Inhomogenität der Soziologie bei Comte: naturwissenschaftli-
ches und philosophisches Ideal 20
2. VORLESUNG 23
Antagonismus in der Soziologie 23 - Stellung der Soziologie zur
Politik 23 - Negation der Wahrheit, Methodenstreit und Tech-
nokratie 25 -Affirmativer Charakter der Soziologie bei Comte:
Statik und Dynamik; Lehre von den Produktivkräften bei Marx
26 - Pareto: Die Zirkulation der Eliten und der Kreislauf der
Geschichte 28 - Soziologie ist Einsicht in das Wesentliche
der Gesellschaft; Gegen Definitionen 31-"Schlechte Unendlichkeit"
des Sachgebiets der Soziologie; Interesse am Wesentlichen und
" Abhub der Erscheinungswelt" 32 - Zur Praxis 35
3. VORLESUNG 37
Wiederaufnahme der Frage nach dem Wesentlichen 37 - Stel-
lung des Positivismus zum Begriff des Wesens; Orientierung
der positivistischen Soziologie an Forschungsmethoden und
Aufträgen; Der Research-Techniker 37 - Zum Verhältnis von
Wesen und Erscheinung 40 - Die objektiven Bewegungsgesetze
der Gesellschaft; Zum Begriff der Klasse und des Klassenbe-
wußtseins 42 - Klassenbewußtsein und Integration; Verhältnis
zur Empirie 44 - Zum Begriff des Wesens 47 - Pragmatismus-
problem: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis 48 - Der Be-
griff der Gesellschaft 49
4. VORLESUNG 51
Dialektische Soziologie und emphatische Praxis; Stellung zur
Reform 51 - Gesellschaft nicht definierbar 53 - Gesellschaftsty-
pen und dialektischer Begriff der Gesellschaft 54 - Alberts Pole-
mik gegen den abstrakten Begriff der Gesellschaft 57 - Objekti-
ver Grund der Abstraktion: das Tauschverhältnis; "Gesellschaft"
als Funktionsbegriff, Kritik des positivistischen Sinnkriteriums
der Gegebenheit 57 - Vermittlung 63
5. VORLESUNG 64
Ankündigung eines Vortrags von Frederick Wyatt über die
amerikanischen Studentenproteste 64 - Fortsetzung der Analyse
des Begriffs der Gesellschaft; Das Durkheimsche "Undurch-
dringliche" 64 - Kritik an Durkheims Hypostasierung der Ge-
sellschaft als "Datum zweiten Grades" 66 - Der dialektische Be-
griff der Gesellschaft 68 - Zur dialektischen Vermittlung von
Individuum und Gesellschaft 68 - Das dynamische Prinzip der
Expansion im Kapitalismus 70 - Spencers Bestimmung der Dy-
namik als fortschreitende Integration 72 - Integration und An-
passung 74 Die geschichtliche Dialektik von Integration und
Differenzierung 74 - Rückfall in Metaphysik?; Gegen organizi-
stische und ganzheitliche Vorstellungen von Gesellschaft 76 -
Enfremdung 77
6. VORLESUNG 79
Antagonismus der Interessen und anwachsende Irrationalität
der Gesellschaft; Integration und Desintegration im Faschismus
79 - Gesellschaft, ein metaphysischer Begriff? Zur Polemik von
Scheuch 80 - Rückfall in vorkritisches Denken? 8 1 - Vermitt-
lung zwischen Faktum und Begriff; Die Berliner Situation nach
dem Attentat auf Dutschke; Die Prognose 82 - Zur Auswahl der
Beispiele in der Vorlesung 84 - Die Pressehetze gegen die Berlin-
er Studenten 84 - Der Schein des Konkreten 86 - Das Beispiel
der politischen Bildung 88 - Zur Paradoxie gesellschaftlicher
Erfahrung; Empirismus und restringierte Erfahrung 89 - Die
Idee unreglementierter Erfahrung 91
7. VORLESUNG 93
Probleme der Einteilung der Soziologie: Allgemeine und Spe-
zielle Soziologie; Historische Entwicklung der Soziologie; So-
ziologie und Philosophie 93 -Saint-Simon und Comte 95 - Die
sogenannten Bindestrich-Soziologien; Gefahr des Konkretis-
mus 96 - Exkurs zur Universitätsreform: Autonomie der Wis-
senschaft oder "Lernfabrik" 100- Theoretische Soziologie kein
abstrakt Allgemeines 102 - Die Bedeutung komparativer Ein-
sichten; Ethnologie und Anthropologie; "Konkrete Totalität"
103
8. VORLESUNG 108
Soziologie keine Summe von Einzelbefunden; Zum Begriff der
Wissenschaft 108 - Formalisierung als Allheilmittel? 111 - Das
Problem der Spezialisierung 112 - Historische Entwicklung der
Tendenz zur Formalisierung (Simmel) 113 - Die Schwäche der
formalen Soziologie: Das Modell der "Soziologie des Streites"
114 - Zur sogenannten Wertneutralität 117 - Zum Verhältnis
von Methode und Sache 118
9. VORLESUNG 122
Kritik der Trennung von Methode und Sache 122 - Subjekt und
Objekt der Soziologie ineinander 122 Die Fruchtbarkeit des
soziologischen Materials: die Darmstädter Gemeindestudien
123 - Die Methode ist aus der Sache zu entwickeln; Verselbstän-
digung der Methode; Die Skalierungsverfahren 125 - Zur Apo-
rie von quantitativer und qualitativer Erkenntnis 120 - Lösungs-
versuche: Das "klinische Interview"; "Einzahlbereich" und
"Mehrzahlbereich" 128 - Fetischisierung der Methode und Ver-
lust der "transzendentalen Orte" 129 - Uneinigkeit über die Me-
thode: Durkheim und Max Weber; Zum Problem der Wert-
freiheit 132 - Methodenstreit in der Dogmengeschichte 135 -
Eskamotierung des Begriffs 136 - Verengung durch Methodo-
logie 136
10.VORLESUNG 138
Fortsetzung der Diskussion über Methode: Methodenstreit ist
ein Streit in der Sache 138 - Zum Verhältnis von Methode und
Sache bei Durkheim und Max Weber; Das Unverstehbare im
"Chosisme"139 - Max Webers Forderung der Verstehbarkeit
141 - Nötigung zu einer dialektischen Theorie der Gesellschaft
141 - Wahl der Methode nicht zufällig 143 - Konfiguration 143 -
Ideologiekritik 144 - Stimulus und Response 146 - Lasswells
"Content Analysis" 148 - Quantitative und qualitative Mo-
mente 149 - Die Analyse geistiger Produkte 150
11. VORLESUNG 152
Probleme der quantitativen Analyse; Die Falsifizierbarkeit von
Hypothesen (Popper); Verdinglichung 152 - Die Mehrdeutig-
keit der "items" 155 - Cui bono 157 - Dle Idee des Ganzen 157-
Zum gesellschaftllchen Gehalt geistiger Gebilde; Doppelcha-
rakter 15 8 - Die Bedeutung der Dogmengeschichte in der So-
ziologie; Die Rede vom Veralten 16o - Dogmengeschichtliche
Beispiele: Comte, Spencer, Tarde 164 - Das Unerledigte 166
12. VORLESUNG 168
Die Abgrenzung der Soziologie von anderen Disziplinen; Not-
wendigkeit der Arbeitsteilung 168 - Spezifisch soziologische
Methoden 169 -Techniken der empirischen Sozialforschung
170 - Kritik der Forderung nach einer Soziologie, "die nichts
sein will als Soziologie": Soziologie ist kein "Fach" 171 -
Schwierigkeit einer Begrenzung des Sachgebiets der Soziolo-
gie 174 - Die Definition der Soziologie bei Max Weber; Der
Begriff des "sozialen Handelns" 175 - Die Deutung des sozialen
Handelns: der soziale "Sinn" 179
13. VORLESUNG 183
Reflexion der Arbeitsteilung durch Bezugnahme auf das Ganze
183 - Gefahr der Verselbständigung der soziologischen Refle-
xion 183 -Jedes Sachgebiet treibt über sich hinaus; Die kon-
krete Einheit der Gesellschaft 185 - Gesellschaftliche Momente
und Zusammenhänge innerhalb der einzelnen Sachgebiete: das
Modell der Psychoanalyse 186 - Der Begriff der "Lebensnot";
Der Bereich der "archaischen Bilder" 189 - Nebenbemerkung
zur Theorie von Jung über das kollektive Unbewußte 190 -
Freuds dialektische Analyse des Individuums; Das Ich und das
Es 191 - Das Über-Ich 193 - Zur Dialektik von Besonderem
und Allgemeinem bei Freud 193 - Individuum und Gesell-
schaft; Zu Durkheims Theorie des Selbstmords 194
14. VORLESUNG 198
Zum Tod von Fritz Bauer 198 - Ankündigung eines Vortrags
von Ernesto Grassi über Vico 198 - "Reine" Soziologie ver-
kümmert zu angewandter Statistik 199 - Idealtypus und hi-
storisches Material bei Max Weber 200 - Gegen eine Verselb-
ständigung der Begriffe 203 - Max Weber, wie er "nicht im
Baedeker steht"; Die Herrschaftssoziologie Max Webers 203 -
Zur "geschichtsfreien" Konstruktion der Idealtypen: das Mo-
dell der charismatischen Herrschaft 206 -Das fragwürdige
Ideal der "Reinheit"einer Wissenschaft; Berührungsängste ge-
genüber anderen Disziplinen 209 - Fetischismus der "Wissen-
schaftlichkeit" und vorwissenschaftliche Erfahrung; Die re-
stringierte Erfahrung der reinen Wissenschaft 211
15. VORLESUNG 213
Vorbemerkung zum weiteren Verlauf der Vorlesung 213 - Fe-
tischisierung der Wissenschaft; Das Motiv des Herrschaftsan-
spruches der Soziologie; Platons Konzeption der Philosophen-
könige; Mannheims Vorstellung von den "freischwebenden
Intellektuellen" 213 - Intention und gesellschaftlicher Gehalt
in der Dogmengeschichte; Comte und Spencer 219 - Der Herr-
schaftsanspruch der Soziologie heute: die Kontrolle sozialer Si-
tuationen; Die Mayo-Studie 220 - Das Irrationale in der
scheinbaren Rationalität der bürgerlichen Gesellschaft 221 -
Der Kultus der kleinen irrationalen Gruppe; Die "Cow-Soci
ology" 224 - Soziologie als soziale Kontrollinstanz; Zur Tech-
nokratisierung des soziologischen Ideals 225 - Aufgabe der
Kritik 226
16. VORLESUNG 228
Subjekt und Objekt in der Soziologie 228 - Der "administrative
research" und das Ideal der totalen Administration 231 -
Trennung von Soziologie und Sozialphilosophie? 232 - Die
ideologische Funktion der abstrakten wissenschaftlichen Ar-
beitsteilung 234 - Zur Trennung von Soziologie und Natio-
nalökonomie; Berechtigung der Forderung nach einer Poli-
tischen Ökonomie 235- Abstraktion von der eigenen raison
d'etre 236 - Selbstreflexion der Wissenschaft; Der Begriff der
Politischen Ökonomie bei Marx 237 - Affirmation 241 - Ver
hältnis zur Geschichte 241
17. VORLESUNG 243
Die konstitutive Bedeutung der Geschichte; Die in den Phä-
nomenen aufgespeicherte Geschichte; Zur Dimension der
Deutung 243 - Öffentlichkeit und Geschichte 246 - Die
Verabsolutierung der Tatsache zur punktuellen Gegenwart
248 - Koinzidenz des Augenblicklichen und Dinglichen; Die
Blindheit der antihistorischen Soziologie 249 - Geschichtliche
Bedingtheit von Erkenntnis: die Marxschen "Thesen über
Feuerbach" 250 - Andere Beispiele: Durkheim und Max We-
ber; Gefahr der Geistesgeschichte; Der Widerstand der mar-
xistischen Soziologie gegen die Psychologie; Zur Rolle des
subjektiven Faktors; Kulturindustrie 251 - Ein Wort in einer
akademischen Angelegenheit 257


Portrait

Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 06. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der "Frankfurter Schule", die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging. Sämtliche Werke Adornos sind im Suhrkamp Verlag erschienen.


EAN: 9783518581674
ISBN: 3518581678
Untertitel: Band 15: Einleitung in die Soziologie (1968).
Verlag: Suhrkamp Verlag AG
Erscheinungsdatum: November 1993
Seitenanzahl: 329 Seiten
Format: gebunden
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