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Dante. Die göttliche Komödie. Übertragungen


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Januar 2013

Beschreibung

Beschreibung

George hat aus fünfzig der hundert Gesänge kürzere oder längere Stellen ausgewählt; es sind, in seiner Auffassung, die dichterischen Höhepunkt. Georges von innerer Verwandtschaft und Verbundenheit geleitete Arbeit an Dante hat des Dichters eigenes Werk nachhaltig beeinflusst. Im Anhang des Bandes findet sich ein Verzeichnis aller Lesarten der bis heute bekannten schriftlichen und gedruckten Überlieferung, das den Nachvollzug der Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte ermöglicht.

Portrait

Stefan George, 1868 in Büdesheim bei Bingen geboren, war als Sohn eines wohlhabenden Weingutbesitzers nie zur Berufswahl gezwungen. Nach dem Abitur reiste er durch Westeuropa, studierte zwischendurch in Berlin u.a. Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte, traf aber vor allem mit den französischen Symbolisten zusammen. Diese Begegnung bestärkte ihn in seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem in Deutschland verbreiteten literarischen Realismus. Ab 1900 lebte er überwiegend in Deutschland: In München wurde er in der Schwabinger Boh me als Dichterfürst inszeniert und verehrt, in Heidelberg und Berlin verkehrte er in bildungsbürgerlichen Kreisen. 1927 wurde ihm der erste Goethe-Preis verliehen. George zog sich schließlich 1933 nach Minusio zurück, nachdem ihm Josef Goebbels die Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für Dichtung angeboten hatte. Er verweigerte dieses Angebot und starb am 4. Dezember, betrauert von seinen Schülern und Verehrern. §

Leseprobe

ODYSSEUS LEZTE FAHRT

Nachdem die flamme angelangt war dorten
Wo es ihm gut erschien nach ort und stande
Hört ich den führer reden mit DEN worten:

Ihr die ihr beide seid in Einem brande
Wenn ichs um euch verdient wie ihr auch richtet
Wenn ichs um euch verdient im erdenlande

Als ich die hohen verse einst gedichtet:
Geht nicht hinweg.. einer von euch entdecke
Wie er zum tode kam durch sich vernichtet!..

Der alten doppelflamme grössre ecke
Zuerst mit murmeln auf- und niederragte
Wie eine die der windeshauch erschrecke

Dann mit der spitze hier und dorthin jagte ..
Als wäre zunge sie die ihn entsandte
So schnellte sie den laut hervor und sagte:

Ich trennte mich von Kirke die mich wandte
Ein jahr schon bei Gaëta ab vom wege
Bevor Aeneas so den platz benannte.

Nicht zärtlichkeit des sohnes nicht die pflege
Des greisen vaters nicht die schuldige liebe
Die in Penelope die freude rege:

Vermochte dass mein drängen unterbliebe
Wie ich mich über alle welt belehre
Der menschen tüchtigkeit und eitle triebe.

Ich steuerte hinaus zum offnen meere
Mit Einem fahrzeug und den paar genossen
Die mich erwählt zum ständigen verkehre.

Die beiden ufer hatten wir erschlossen
Bis nach Marokko bis zu den Hispanen
Und andrem land vom gleichen meer umflossen.

Wir alt und müd schon ich und die kumpanen
Gelangten dann zu jenem engen rachen
Wo uns die pfosten Herkules' gemahnen

Von hier ab weiter keinen schritt zu machen.
Rechts liess ich schon die küste der Iberer
Links hatte Ceuta hinter sich der nachen.

O brüder sprach ich durch die unzahl schwerer
Gefahren seid ihr nun gelangt zum westen.
Zeigt euch an hohem sinne nun nicht leerer

In eures lebens nur noch kargen resten:
Dass ihr jezt die erforschung wolltet missen
Der sonn-rückwärtigen unbewohnten festen.
<
br/>Ich ruf euch eure abkunft ins gewissen:
Ihr seid nicht da zu leben gleich den kühen
Doch zum verfolg von tüchtigkeit und wissen.

Ich machte für die weiterfahrt erglühen
Mit dieser kurzen rede mein geleite -
Nun hätt ich sie nur abgebracht mit mühen.

Den morgen hinter sich zur tollen weite
Beflügelten sie ihre ruder gerne
Sich immer haltend nach der linken seite.

Schon sahen in der nacht wir alle sterne
Des andern pols die unsren so in tiefen
Dass sie nicht tauchten aus der meeresferne.

Fünfmal erhellten sich und es entschliefen
Sovielmal über uns des mondes strahlen
Seit wir zum hohen unternehmen liefen:

Als ich dann einen durch entfernung fahlen
Bergzug von einer solchen höh entdecke
Wie ich bis dahin schaute noch niemalen.

Uns kam die freude doch sie ward zum schrecke:
Vom neuen land her eines wirbels wehen
Zerschmetterte des fahrzeugs nächste ecke

Dreimal liess ers mit allen wassern drehen
Das hinterschiff stand hoch beim vierten zug
Das vordre abwärts - so musst es geschehen -

Bis über uns das meer zusammenschlug.

Hölle XXVI. Gesang 76-142.


Pressestimmen

»Die in der neueren Forschung aus philologischen und weltanschaulichen Gründen wohl unterschätzte Teilübertragung der Commedia darf als einzige wirklich dichterisch gelten, wie man auch im Detail über sie denken mag.«
Buchjournal, März 1988
»Noch heute bestechen diese Nachdichtungen durch ihre ebenso hochkünstlerische wie ganz und gar eigenständige Sprache. Im Anhang der hervorragend edierten Neuausgabe finden sich ausführliche Anmerkungen ... sowie eindrucksvolle Wiedergaben von Stefan Georges beinahe wie kleine Kunstwerke wirkenden Originalmanuskripten.«
Brückenbauer, 9.11.1989
EAN: 9783608951165
ISBN: 3608951164
Untertitel: Übertragungen. 2. , Aufl.
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 2013
Seitenanzahl: 199 Seiten
Format: gebunden
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