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Der Staatsadel


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Mai 2004

Beschreibung

Beschreibung

In dieser Anatomie des französischen Bildungssystems entwirft Pierre Bourdieu eine Theorie der Macht und zeigt, wie sich diese in der Konstruktion von Eliten in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung entfaltet und Gestalt annimmt. Macht erweist sich als Produkt eines sozialen Systems, das durch seine Struktur und Funktionslogik bestimmte gesellschaftliche Schichten privilegiert und ihnen die Reproduktion ihrer Macht ermöglicht. Bourdieus Buch bietet die Analyse sozialer Ungleichheit und ihrer Reproduktion.Als entscheidender Faktor in diesem sozialen Konstruktionsprozess kristallisiert sich in der Analyse des Materials das kulturelle Kapital heraus. Es kommt bereits auf der Ebene der Sekundarschulenmit seiner selektiven Wirkung zum Tragen. In einer begrenzten Zahl exklusiver Gymnasien sammeln sich die Sprösslinge jener gesellschaftlichen Elite, die über Generationen hinweg ein hohes kulturelles Kapital verwaltet und ihren Nachkommen bereits in frühester Kindheit vermittelt hat. Mit dem Begriff Bildung ist dieses Kapital nur unzureichend beschrieben, weil es ästhetische, moralische und geistige Dispositionen umfasst. Aus diesen formiert sich ein besonderer Habitus, der seine Träger zur Macht prädestiniert.Pierre Bourdieus bildungssoziologische Studie beruht auf umfangreichem empirischem Material, das er im Laufe von mehr als 20 Jahren zusammengetragen und mit quantitativen wie auch qualitativen Methoden ausgewertet hat: Protokolle von Prüfungskommissionen, Interviews mit Schülern von rund 20 Vorbereitungskursen zu Aufnahmeprüfungen, Interviews mit Studenten von rund 40 Elitehochschulen, Tiefeninterviews mit Professoren, Nachrufe auf verstorbene Alumni sowie eine Fülle von weiterem schriftlichem Material. Er zeigt, wie die staatlichen Elitehochschulen Frankreichs - allen voran die Ecole Normale Superieure (ENS) und die Ecole Normale d'Administration (ENA) -als Tore zu den Machtpositionen in der Staatsverwaltung, der Wirtschaft und dem öffentlichen Hochschulwesen der französischen Republik fungieren.Bourdieus zentrale These ist, dass die Eliteschulen und ihre Diplome dieselbe Funktion haben wie zu Zeiten des Ancien Regimes das Adelsprädikat am königlichen Hof: Sie konstituieren und reproduzieren eine sozial geschlossene Elite. Mehr als die formale Bestätigung intellektueller bzw. akademischer Qualifikation sind die Diplome der Eliteschulen Zeichen der Aufnahme in den geschlossenen Zirkel einer gesellschaftlichen Führungsschicht, die im republikanischen Frankreich die adlige Oberschicht abgelöst hat.

Portrait

Pierre Bourdieu war Professor für Soziologie am Collège de France in Paris. Er starb am 23. Januar 2002.

Pressestimmen

"Bourdieus Analyse des >Staatsadels< wird in Deutschland zu einem Zeitpunkt vorgelegt, der treffender kaum hätte sein können. Für die aktuelle Diskussion über Eliteuniversitäten bietet sein Werk eine Fülle von Argumentationen, die das öffentliche Gerede über die so dringlich erforderlichen Eliten, über Hochbegabungen, über den Vorteil universitärer Auswahlverfahren, über Chancengerechtigkeit statt Chancengleichheit etc. auf ihren harten sozialen Kern zurückführen helfen. Es kann damit einiges dazu beitragen, die zurzeit im deutschen Bildungssystem stattfindende AuseinanderSetzung um die Reproduktion von Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu erhellen. Eine Lektüre ist also gerade [aber nicht nur] aus diesem Grund dringend zu empfehlen. "
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS)
"Bourdieu beschreibt ebenso materialreich wie eindringlich die Mechanismen eines Kooptationssystems, das die Illusion von Chancengleichheit nährt, letztlich jedoch nicht anderes als die Vererbung technokratischer und bürokratischer Führungspositionen bewirkt. Die Förderung von Elite-Bildungseinrichtungen verfestigt entstandene Vorrechte, die durch Propagierung des Leistungsprinzips und partielle Öffnung für einige Aufsteiger die Akzeptanz dafür schafft, dass die geschlossene Gesellschaft auch weiterhin unter sich bleibt."
Frankfurter Rundschau
"Die materialreiche Studie über die sozialen Strukturen der Grandes Ecoles und ihre Funktion für die Reproduktion der Pariser Elite ist ein empirisches Schlüsselwerk in Bourdieus Schaffen, das die Verbindung zwischen der Sozialstrukturanalyse in >Die feinen Unterschiede< und der Soziologie des Universitätswesen und des Selbstverständnisses der Intellektuellen in >Homo Academicus< mit der Opposition gegen eine elitäres Modell der Staatsaufgaben in >Gegenfeuer< herstellt."
Soziologische Revue
"Der Universitätsverlag Konstanz hat mit Der Staatsadel endlich eine Lücke in der deutschsprachigen ÜberSetzung des Werkes von Pierre Bourdieu geschlossen."
Stattzeitung
EAN: 9783896698070
ISBN: 3896698079
Untertitel: 'edition discours'.
Verlag: Uvk Verlags GmbH
Erscheinungsdatum: Mai 2004
Seitenanzahl: 476 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Franz Hector, Jürgen Bolder
Format: kartoniert
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