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Sieben Brüder auf einer fliegenden Schildkröte


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kartoniert
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Dezember 2004

Beschreibung

Beschreibung

"Der älteste von sieben Brüdern erinnert sich, zu unserem Glück begabt mit dem Gedächtnis einer großen Schildkröte: Da wird "nackt" getanzt, die Mam erhält gegen den Willen der DDR-Staatsorgane doch noch achtzig Küsse zum Achtzigsten, Elisabeth tut auf Hiddensee genau das Richtige, und Bärbel lässt sich trotz zweimal Knast nicht einschüchtern dieses Buch ist ein historisches Lehrstück im Duktus kraftvoller Mündlichkeit, zart und deutlich in den Details, souverän im Überblick, aus einem Fundus,
der damit kaum ausgeschöpft sein dürfte."
Uwe Kolbe

"Die Erinnerungen des
Naturwissenschaftlers Peter Bohley:
ein exemplarischer deutsch-deutscher Lebenslauf.
Ein Lehrstück in Sachen Zivilcourage.
Faszinierend zu lesen."
Karl Corino




Portrait

Peter Bohley, geboren 1935, astudierte von 1954 bis 1959 Medizin an der Martin-Luther-Universität Halle; 1959 Promotion, 1974 Habilitation für Biochemie in Halle. Von 1969 bis 1978 war er Leiter der dortigen Forschergruppe "Intrazelluläre Proteolyse". Nach einem 1983 politisch begründeten Lehrverbot siedelte er mit Frau und drei Kindern in die BRD über. Seit 1986 ist Peter Bohley Professor für Biochemie in Tübingen, wo er seither arbeitet, publiziert, lehrt und lebt.

Leseprobe


Bohley, Peter:
Sieben Brüder auf einer fliegenden Schildkröte


Mein Traum von der fliegenden Schildkröte

Wie kurz das Leben sein kann, wußten wir sieben Brüder von Kindesbeinen an.
"Als Ältester mußt du nun auch Vater für deine kleinen Brüder sein!" sagte unsere Mutter nach dem Tod unseres Vaters im April 1945 zu mir, und das verstand ich gut, weil wir nun allein waren.
Sobald ich aber darüber nachdachte, bekam ich Angst, eine dumpfe, hilflose Angst.
Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich im Alter von nur neun Jahren jetzt auf einmal so etwas wie ein Vater werden sollte.
Da war es gut, daß es Träume gab, denn in denen fand ich eine Fülle von wunderbaren Lebenshilfen.
Eine davon träumte ich anfangs nur schlafend und dann wieder und wieder auch wachend besonders gern:
Es war eine riesengroße fliegende Schildkröte, der nichts und niemand gewachsen war.
Auf ihr segelten wir über alle Grenzen hinweg durch die Lüfte und Wolken, sie war unverletzbar und schützte uns friedfertig vor allen Gefahren.
Wir segelten mit unserer Mutter und mit unseren Freunden,
später auch mit den Freundinnen, dann mit unseren Frauen und Kindern und schließlich auch mit unseren Enkelkindern.
Auch wenn wir noch so getrennt voneinander leben mußten, diese fliegende Schildkröte sammelte uns überall auf.
Allmählich wurden wir immer mehr auf ihren riesigen hornigen Rücken, bis wir wieder alle beieinander waren wie eh und je.
Alle gemeinsam segelten wir nun gemächlich über die weiten Lande, und wir erzählten uns die alten Geschichten, die knappen aus der Kindheit, die kurzen aus der Jugend, und je älter wir wurden, desto länger und schwieriger wurden diese Erzählungen.
Genau wurde darauf geachtet, ob sich auch nur die kleinste Änderung in die gerade erzählte Geschichte eingeschlichen hatte, und falls das doch einmal geschen war, wurde sogleich gemeinsam die Urfassung wieder hergestellt.
Das also war die wunderbare Gegenwart.
Ich konnte sie mir wachend und manchmal auch wieder schlafend erträumen und alle Vergangenheiten waren ganz und gar vergangen und alles Zukünftige lag in einer weiten Ferne geheimnisvoll vor uns.
Noch war es Tag.


EAN: 9783833422645
ISBN: 3833422645
Verlag: Books on Demand GmbH
Erscheinungsdatum: Dezember 2004
Seitenanzahl: 316 Seiten
Format: kartoniert
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