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Strafe


€ 19,99
 
gebunden
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Mai 2015

Beschreibung

Beschreibung

Wenn wir unser Leben Revue passieren lassen, sind wir dann frei von Schuld?Der Brief kommt überraschend, und er holt den Schriftsteller Max Schmeling aus seiner Komfortzone: einen Gefallen soll er ihm tun, seinem ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski, den er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat und den er aus vielen Gründen auch nicht sonderlich gut leiden konnte. Dass er sich auf ein Spiel mit gefährlichem Einsatz einlässt, ist ihm da noch nicht klar...

Portrait

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens. Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller. "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" oder "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" gelten inzwischen als Klassiker in Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau in London und auf Gotland. 2011 wurde er mit dem "Ripper Award", dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet.
EAN: 9783442756063
ISBN: 3442756065
Untertitel: Roman. Originaltitel: Straff.
Verlag: Btb
Erscheinungsdatum: Mai 2015
Seitenanzahl: 283 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Paul Berf
Format: gebunden

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

vanessa - 30.09.2015, 22:25
Etwas verwirrend, aber gut geschrieben
Hakan Nesser ist bekannt für seine eher philosophischen Roman-Krimis, und da ich seine Bücher schon lange verfolge und mag, war ich sehr gespannt auf dieses Buch, das er nun zusammen mit einer anderen Autorin geschrieben hat. Die Inhaltsangabe klang ja bereits mysteriös, noch seltsamer der Hinweis auf das Pseudonym der Co-Autorin. Da ich keinen Krimi, sondern einen Roman erwartete, hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Das Buch ist einfach gut geschrieben und ich war trotz einer gewissen Gemächlichkeit immer wieder gespannt, wie es weitergeht. Es geht um einen alternden Schriftsteller namens Max Schmeling, der eines Tages einen Brief von einem früheren Schulkameraden erhält, an den er sich eigentlich kaum erinnert. Jedoch weckt der Inhalt des Briefes seine Neugierde, denn er soll dem todkranken Mann einen letzten Wunsch erfüllen, den er diesem schuldig sein soll. Obwohl vieles mysteriös klingt, lässt er sich auf die Sache ein. Das Schreiben und das Altern nehmen einen gewissen Platz im Buch ein, was sicher auch an der Thematik liegt. Trotz der verschiedenen Perspektiven bleibt es übersichtlich. Mit der Geschichte selbst bin ich nicht ganz warm geworden, auch wenn sich am Ende einiges klärt. Leider weiß ich aber immer noch nicht, was es mit dem Pseudonym und den Andeutungen auf einen Wahrheitsgehalt auf sich hat, was mich noch lange grübeln lassen wird.
mrs-lucky - 25.08.2015, 09:22
eine raffinierte Geschichte mit einigen Überraschungen
Dieses Buch ist schwer einzuordnen. Håkan Nesser ist als Verfasser von Kriminalromanen bekannt und tritt hier als Coautor auf, um die Identität Paula Polanskis wird ein Geheimnis gemacht. Ist dieses Buch ein Krimi? Das trifft es nicht wirklich, die Geschichte besitzt allerdings durchaus Elemente eines Psychothrillers, wenngleich diese erst gegen Ende des Buches deutlich werden. Ansonsten kommt in diesem Fall eher Nessers Talent zu Geltung, in seinen Büchern auch philosophische Betrachtungen unterzubringen. Hauptfigur dieses Romans ist ein Autor namens Max Schmeling. Er ist Mitte 60 und sehr überrascht, als er den Brief einen ehemaligen Schulkameraden erhält, zu dem er seit über 40 Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Tibor Schittkowski ist unheilbar krank und bittet Max Schmeling um einen Besuch, da er für ihn etwas erledigen solle und ihm noch etwas schuldig sei. Schmeling zögert zunächst, dieser Kontakt regt ihn jedoch dazu an, sein eigenes Leben Revue passieren zu lassen. Längst vergessen geglaubte Ereignisse aus seiner Kindheit tauchen dabei auf, die Nesser in typischer Manier mit viel Selbstironie und Augenzwinkern schildert. Da es Tibor Schittkowski zu sehr anstrengt, Max Schmeling sein Anliegen zu erklären und die Gründe zu erläutern, gibt er ihm ein Manuskript mit, das er zu diesem Zweck vorbereitet hat. Es gibt also eine Art Buch im Buch, das sich mit der Lebensgeschichte Tibor Schittkowskis beschäftigt und aufgrund einer gemeinsamen Bekannten weitere Erinnerungen bei Schmeling wach ruft. Der Großteil des Romans besteht aus amüsanten Anekdoten aus dem Leben der beiden Hauptprotagonisten. Die Geschichte plätschert sanft dahin und besticht in erster Linie durch den Erzählton, der stets von einem leichten Augenzwinkern begleitet ist. Die eigentliche Raffinesse des Romans offenbart sich dem Leser erst kurz vor dem Ende. Erst jetzt wird deutlich, wie komplex diese so unscheinbar und unschuldig dahin plätschernde Geschichte ist. Mir haben Idee und Umsetzung der Geschichte sehr gut gefallen, sie ist ebenso raffiniert angelegt wie sprachlich ausgefeilt umgesetzt.
kindder80er - 21.08.2015, 00:14
Gemächlich, aber unbedingt bis zum Ende dran bleiben!
Relativ gemächlich fängt alles an. Im Prinzip wird man als Leser erst ein mal Zeuge einer Lebensbeichte - genau so wie der Protagonist Max Schmeling. Max Schmeling ist Schriftsteller und erhält einen Brief eines entfernten Bekannten, der ihm vor Jahrzehnten im Kindesalter zwei Mal das Leben rettete. Freunde sind sie nie geworden und eigentlich ist ihm der todkranke Tibor Schittkowski auch herzlich egal. Durch die Lebensbeichte in Schriftform, die ihm Tibor übergibt, kommt er ihm aber sehr nahe - nicht zuletzt durch eine gemeinsame Geliebte, die Max nie vergessen konnte. Am Ende seiner Beichte bittet Tibor Max um einen großen Gefallen - wird Max bereit sein, ihm diesen zu tun? Weiter möchte ich nicht auf den Inhalt eingehen, da ich als Leser ja auch gerne selbst den Dingen auf den Grund gehen möchte. Ich kann nur sagen, dass es in diesem Buch fast nie richtig spannend oder gar rasant zugeht. Wirklich langsam und Stück für Stück kommt die Geschichte ans Tageslicht. Hier werden Lebensentwürfe und -geschichten beleuchtet. Dinge, wie sie hätten sein können und wie sie wirklich sind. Das Ende ist in der Tat überraschend und macht alles rund. Allerdings hatte ich bei diesem Buch das Gefühl, das auch hundert andere Enden möglich gewesen wären und das Buch nicht weniger abgeschlossen hätten. Fazit: Reflektierende Lektüre, die ohne reißerische Spannung auskommt und vor sich hin plätschert. Dennoch hält sie einen bei der Stange, da man wissen möchte, wie es ausgeht. Unbedingt bis zum Ende dran bleiben!
buchina - 24.07.2015, 11:34
Polanski:STRAFE
Dies ist mein erster Håkan Nesser gewesen. Weshalb ich auch keine bestimmten Erwartungen an den Roman hatte. Mich hat nur der Plot neugierig gemacht: Max Schmeling, Schriftsteller und Single, erhält einen Brief von seinem ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski. Er bittet ihn um Hilfe, ohne genaueres zu sagen, nur mit dem Hinweis, dass Max in seiner Schuld steht. Max besucht Tibor, der nach eigener Aussage nicht mehr lange zu leben hat. Tibor gibt Max lose beschriebene Seiten, die seine Lebensgeschichte umfassen und die Max lesen soll, danach weiß er was zu tun ist. Max hat dazu keine Lust, aber schließlich liest er die Seiten doch. Damit begibt sich Max auf eine Reise, die sein Leben für immer verändert. Max ist kein Charakter, der auf anhieb sympathisch ist. Er ist mürrisch, egoistisch und irgendwie unglücklich, ohne das selbst zuzugeben. Tibor war für mich am anfang kaum zu fassen, erst mit dem Lesen seiner Lebensgeschichte wurde er zu einer wirklich interessanten Persönlichkeit. Auch wenn ich einige seiner Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte. Das spannenste sind die verschiedenen Wendungen, die der roman nimmt. Gerade dachte ich, ich weiß wie es weitergeht, schon gibt es eine neue Überraschung und es entwickelt sich alles ganz anders als gedacht. Diese unerwarteten Wendungen machen den Roman zu etwas besonderem. Dennoch ist er an manchen Stellen einfach langatmig. Dazu kommt, dass der Protagonist Max Schmeling mir die ganze Zeit ein wenig fremd blieb und mich zum Teil auch etwas langweilte. Dazu kommt, dass die Gefühle Schuld, Rache, Enttäuschung die eigentlich eine große Rolle im Roman spielen sehr schlicht beschrieben werden. Dennoch würde ich den Roman weiterempfehlen, dass liegt zum Einen am interessanten Schreibstil von Håkan Nesser. Der sehr geradlinig ist ohne große Beschreibungen und Emotionen. Zum anderen ist die Idee der Geschichte und vor allem das Ende neu und einzigartig. Mehr sei nicht verraten.
BookHook - 21.07.2015, 07:45
Polanski:STRAFE
Ein sehr ungewöhnliches und spezielles Leseerlebnis Meine Meinung: Dieser Roman ist vor allem eines: sehr ungewöhnlich! Vor diesem Hintergrund fällt es mir auch durchaus schwer, eine vernünftige und nachvollziehbare Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verrät. Ich werde es trotzdem mal versuchen: Der Schreibstil, im Präsens und der Dritten Person, wirkte auf mich von Beginn an irgendwie sehr distanziert, teilnahmslos, ja fast schon lieblos. So schwebte ich als Leser gefühlt die ganze Zeit "über" der Handlung, wie ein stiller Beobachter. Hierdurch war es mir auch bis zum Schluss leider nicht möglich, auch nur zu einem der Charaktere eine "Beziehung", geschweige denn Sympathien aufzubauen. Zudem machten die Charaktere einen ziemlich verschrobenen und irgendwie abstrakten Eindruck auf mich. Es fehlte mir der letzte Funke Lebendigkeit, die Authentizität. Dies habe ich über weite Teile des Buches als sehr störend empfunden. Nichts mit mitzittern, mitbangen, miträtseln. Das führte in Summe dazu, dass ich die Geschichte die ersten rd. 200 (von knapp 290!) Seiten zwar "tapfer" gelesen habe, aber weder Spannung noch Neugier auf den Fortgang beim mir aufkamen. Ja, ich habe mich regelrecht durchgekämpft. Eigentlich hatte ich diesen Roman schon fast abgeschrieben. Eigentlich. Doch nachdem ich mich immer unmotivierter durch die ersten rd. 2/3 des Buches hindurchgequält habe, hat die Autorin nicht nur den Protagonisten Max Schmeling, sondern auch mich gehörig überrascht. Auch wenn nach und nach eigene Vermutungen und Theorien zu den Hintergründen der Story in mir aufkeimten (und ich mit einigen Details richtig lag), so muss ich doch uneingeschränkt anerkennen, dass die Geschichte im letzten Teil eine wirklich überzeugende und in Summe sehr unerwartete Wendung genommen hat. Hierdurch habe ich Details, die ich in den ersten ca. zwei Dritteln noch als sehr schwach bis wirklich störend empfunden habe, am Ende als durchaus gekonnt eingesetzte stilistische Mittel wahrgenommen. Ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass es der Autorin auch nur ansatzweise gelingen könnte, das Steuer dermaßen herumzureißen. Respekt! Leider kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, ohne zu viel von der Story und dem dazugehörigen "Aha-Effekt" zu verraten. Alles in allem hat mich die Autorin mit der Auflösung ihrer Story und den eingesetzten Stilmitteln wirklich versöhnt. Auch wenn der "langatmige" Part der Geschichte mir mit rd. 2/3 viel zu lang gewesen ist, reicht es so am Ende dennoch für 4 Sterne für mich. FAZIT: Sehr ungewöhnlich: Über lange Strecken für mich persönlich echt enttäuschend und spannungslos dahin plätschernd, hat mich die Autorin mit der Auflösung doch noch überzeugt. "Blind empfehlen" würde ich dieses Buch allerdings nicht.
warmerSommerregen - 19.07.2015, 16:37
Polanski:STRAFE
Ausgeklügeltes Verwirrspiel, jedoch mit schleppendem Beginn... Der erfolgreich als Schriftsteller arbeitende Max Schmeling erhält eines Tages einen unerwarteten Brief von einem ehemaligen Schulkameraden. Dieser mittlerweile über sechzigjährige Mann erbittet Max um ein Treffen, da dieser ihm einen Gefallen schulde. Max jedoch hat nicht die geriengste Ahnung, welcher Art Tibor Schittkowskis Bitte sein könnte. Obwohl er ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen und noch nie richtig hat leiden können, macht er sich auf nach Gimsen, seiner alten Heimat, um dort Tibor zu besuchen. Dieser ist schwerkrank und hat nicht mehr viel Zeit zum Leben. Er hat Max auserwählt, ihm einen letzten Wunsch zu erfüllen, bevor er das Zeitliche segnet. Immerhin hat er Max in ihrer Jugend zwei Mal das Leben gerettet. Ohne ihn gäbe es diesen berühmten Schriftsteller nicht. Konfrontiert mit der Vergangenheit packt Max die Neugierde. Und so lässt er sich auf etwas ein, dessen Folgen er nicht einmal erahnt. Der Weg zum Verbrechen ist gebahnt... Zu Beginn des Romans verläuft die Handlung nur schleppend; es geschieht nicht viel, das Erzählte ist nicht wirklich spannend und man weiß noch nicht, in welche Richtung das Buch gehen wird. Doch dann erfährt man immer mehr von der Vergangenheit und den Beweggründen, möchte noch mehr erfahren und wissen, wie es weiter geht. Eine unerwartete Wende verblüfft den Leser, der zuvor im Dunkeln tappte. So ist das Ende sehr unerwartet und überraschend. Beim Beenden der Geschichte fällt erst wirklich auf, wie durchdacht sie war und wie alles mit allem zusammenhing. Der Schreibstil ist auch sehr angenehm, sodass sich das Buch sehr flüssig und leicht lesen lässt und man es, auch wenn die Handlung zu Beginn noch nicht wirklich voran schreitet, nicht aus der Hand legen mag. Zu Beginn des Buches muss man demnach zwar etwas Durchhaltevermögen besitzen, wird aber dafür, wenn man durchhält, mit einem sehr ausgeklügelten, überraschenden und faszinierenden Ende belohnt!
Klara - 18.07.2015, 15:50
Polanski:STRAFE
In dem neuen Roman "Strafe" von Hakan Nesser, den er zusammen mit der deutschen Publizistin Paula Polanski geschrieben hat, begegnen wir dem zweiundsechzigjährigen Schriftsteller Max Herrgott Schmeling. Am fünften September 2013 erhält er über seinen Verlag einen Brief seines früheren Klassenkameraden Tibor Schittkowski, dem er wahrscheinlich vor fünfundvierzig Jahren das letzte Mal begegnet ist. Tibor schreibt, dass er ihm (Max) zweimal das Leben gerettet habe, dass er seine Hilfe brauche und, ""es gibt da etwas, was ich noch in Angriff nehmen muss. Und dabei brauche ich deine Hilfe . (S. 10) Max erinnert sich, dass er Tibor nicht besonders mochte. Wegen seines ungewöhnlichen Nachnamens wurde er früher von einigen Leuten Scheißhaufen genannt. "Und so kommt es, dass er eine gute Stunde später mit dem sterbenden Scheißhaufen Tibor Schittkowski vereinbart, sich mit diesem in dessen Zuhause im früheren Pokerwald in Gimsen zu treffen." (S. 19) Max begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, an deren Beginn er von Tibor herzlich empfangen wird. Tibor ist an ALS erkrankt und sitzt im Rollstuhl. Er hat für Max einen Bericht über sein Leben verfasst, und wenn er ihn gelesen hat, teilt Tibor ihm mit, um was es ihm geht und wofür er einen Helfer braucht. Max ahnt da noch nicht, dass nach der Lektüre dieser fünfzig beschriebenen DIN-A4-Seiten sein Leben vollkommen aus der Bahn gerät. Der Roman "Strafe" von Hakan Nesser & Paula Polanski ist hervorragend. Er besticht durch Intelligenz, eine verzwickte Handlung und interessante Wendungen. Nesser führt den Leser über mehrere Kapitel auf eine falsche Fährte, stellt Fallen und zeigt wieder einmal, dass er ein Garant für anspruchsvolle Literatur ist. "Strafe" ist mehr ein Rätsel, eine Detektivgeschichte, und die Auflösung dieses Rätsels ist der Beginn der Geschichte. Es geht auch um die großen Enttäuschungen des Lebens, die man anderen, ob nun bewusst oder unbewusst, mit seinen Entscheidungen zufügt. Dass daraus ein großes Potential an Rachegedanken entstehen kann, lernt der Protagonist am eigenen Leib kennen. Nesser ist ein hervorragender Menschenkenner, der in die Abgründe der menschlichen Seele blickt. Und wer ist nun Paula Polanski? Warum möchte sie anonym bleiben? Sie bleibt lange anonym. Ein Geniestreich, den man am Ende des Buches erkennt. Ich gebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman.
katze102 - 13.07.2015, 19:50
Polanski:STRAFE
ganz anders als erwartet: Der bislang erfolgreiche Autor Max Schmeling erhält einen Brief von seinem ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski, den er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, der ihm damals zweimal das Leben gerettet hat und ihn nun im Gegenzug um einen Gefallen bittet. Max fühlt sich dem totkranken Tibor verpflichtet und versucht ihm zu helfen.... Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Zeiten erzählt und setzt sich langsam zusammen, bis sich am Ende doch alles ganz anders auflöst, als erwartet. Zeitweilig fand ich die Erzählung schon etwas zäh und unspektakulär. Als dann auf dem Seitenumsprung ( S. 253 / 254) zu lesen war: " Wenn ich bis Seite fünfzig gekommen bin und es bis dahin immer noch nicht mein Interesse geweckt hat, lege ich es wieder weg. So mache ich es immer." , schoß mir durch den Kopf, ob ich diesen Rat nun auch auf S. 254 noch beherzigen sollte. Da aber nur noch 29 Seiten folgten, wollte ich das Ende aber doch wissen und habe durchgehalten. Zum Glück, denn, wie schon oben erwähnt, löst sich alles auf, ganz anders als erwartet und plötzlich " aber erst im Nachhinein " gefällt mir die Erzählung doch ganz gut. Trotz allem muß ich gestehen, ich hatte etwas mehr erwartet; gerade diese ominöse Umschreibung " deutsche Publizistin wagt nur unter Pseudonym zu veröffentlichen" hat mich auf einen wirklichen, aufgedeckten Skandal warten lassen. Nach Lesen des Buches finde ich es nun überhaupt nicht mehr interessant, zu wissen ob es tatsächlich eine reale Vorlage gab oder wer gemeint sein könnte. Fazit: Zum Teil etwas langatmig, aber wenn man durchhält, gibt es ein gut durchdachtes und unerwartetes Ende und die Erkenntnis, den Autoren ebenfalls auf den Leim gegangen zu sein....
Philo - 06.07.2015, 16:40
Polanski:STRAFE
Max Schmeling, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller, erhält von seinem ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski, einen Brief, in welchem er ihn um Hilfe bittet. Er sei schwer krank, schreibt er, und hätte nicht mehr lange zu leben. Nur dunkel kann Max sich an Tibor erinnern und er ewägt, den Brief zu ignorieren. Tibor aber weist ihn darauf hin, daß er ihm zweimal das Leben gerettet habe und Max ihm somit noch etwas schuldig sei. Mehr aus Neugier, denn aus Ehrgefühl, besucht Max seinen ehemaligen Schulkameraden. Er trifft ihn in einem jämmerlichen Zustand an. Tibor übergibt Max Schriftstücke, in denen er sein Leben aufgeschrieben hat. mit dem Hinweis, daß er dann schon wisse, was zu tun sei, wenn er alles gelesen habe. Mx kann nicht ahnen, auf was er sich einläßt. Er gerät in einen Strudel aus Erinnerungen und Ereignissen, die ihn an die Grenze seiner Existenz bringen. Hakan Nesser gelingt es meisterhaft, die Spannung immer mehr zu steigern und durch immer wieder neue Wendungen den Leser zu verwirren. Immer wenn man denkt, man ist auf der richtigen Spur, läßt Nesser sich etwas Neues einfallen. Zum Schluß ist ohnehin alles anders als gedacht und erwartet. Mit seinem Sprachstil und seinem Ideenreichtum ist Hakan Nesser einmal mehr ein Meisterwerk an Spannung und Unterhaltung gelungen. Dieses Buch empfehle ich gerne weiter und vergebe hierfür volle 5 Sterne.
Gisel - 22.06.2015, 11:58
Polanski:STRAFE
Nichts ist hier so, wie es scheint Max Schmeling, der Erfolgsautor mit dem Namen des bekannten Boxers, erhält einen Brief von einem ehemaligen Schulkameraden. Da Tibor Schittkowski ihm in der Jugendzeit zweimal das Leben gerettet hat, bittet er Max, dieser möge nun ihm einen Gefallen tun, er sei es ihm ja schuldig. Max lässt sich darauf ein, auch wenn er es eigentlich gar nicht richtig will. Doch er findet, dass er Tibor Schittkowski diesen Gefallen schuldet. Worauf er sich tatsächlich einlässt, ahnt er nicht ansatzweise, und auch der Leser erfährt die wahren Hintergründe erst ganz zum Schluss. Die aber sind ganz anders, als man während der gesamten Lektüre erwarten würde. Der Titel ergibt erst ganz zum Schluss einen Sinn; erst dann erkennt man, was sich hinter dem Autorenduo Nesser/Polanski verbirgt. Anfangs plätschert die Geschichte so vor sich hin, ähnlich wie sich Max Schmeling eher treiben lässt, Schittkowski einen Gefallen zu tun und damit eine alte Schuld zu begleichen. Das ist manchmal ganz mühsam, besonders da sich die Erzählung des öfteren in unübersichtlichen Schachtelsätzen verliert. Nachdem diese Durststrecke jedoch überwunden ist, führt die Geschichte den Leser so völlig auf den Holzweg, dass es dann wieder ein besonderes Vergnügen ist, weiterzulesen. Die überraschende Wendung ist nicht vorauszusehen - das ist pure Absicht! Nichts ist, wie es scheint: Das gesamte Ausmaß dieser Aussage erkennt der Leser erst am Schluss. Einfach brillant! Mit "Strafe" legt Hakan Nesser einen ganz eigenwilligen Roman vor, der sich schwer in irgendwelche Schubladen einordnen lässt - genau das macht den Reiz dieses Buches aus.
melange - 07.06.2015, 14:30
Polanski:STRAFE
Überraschung! Zum Inhalt: Der Schriftsteller Max Schmeling wird von Tibor, einem Bekannten aus der Vergangenheit, gebeten, diesem bei der Annäherung an seine Tochter behilflich zu sein. Tibor appelliert dabei an Max schlechtes Gewissen. Nicht nur hat er ihm mindestens einmal das Leben gerettet, Tibor leidet zudem noch an einer tödlichen Krankheit. Zu spät erkennt Max die Intention dieser Bitte und dass er in eine perfide Falle getappt ist. Zum Cover: Das Blutrot ist wirklich gut gewählt: Es sieht edel und mörderisch aus. Mein Eindruck: Der Clou zum Schluss, der "Paula Polanski" thematisiert, ist absolut gelungen! So viel schwarzer Humor in so wenig Worten, - und man freut sich ungemein für Max Schmeling, dass dieses Buch einen Verlag gefunden hat. Aber auch wenn der Schluss einen nach Luft schnappen lässt, ist der Rest des Buches trotz aller theoretischen Dramatik oft zu leidenschaftslos geschrieben und zieht sich wie Kaugummi. Leben werden gerettet oder genommen, Depressionen und kaputte Beziehungen thematisiert (typisch skandinavische Vorgehensweise....), tödliche Krankheiten schlagen unbarmherzig zu, - aber obwohl sich zwei im wahrsten Sinne des geschriebenen Wortes ausgezeichnete Schriftsteller an dem Text ausgetobt haben, bleibt man kalt und blickt auf die Geschichte, statt in ihr zu versinken. Die Personen bleiben diffus und man mag sich mit niemandem wirklich identifizieren. Dazu sind alle viel zu "krank", - wenn auch auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Dafür ist der Klappentext jedoch einfach brillant. Weil bekannt ist, dass es eine große Überraschung für Max Schmeling geben muss, bleibt der Lesende interessiert an einer spektakulär unspektakulären Geschichte um Liebe, Verrat und Strafe. Das finde ich absolut meisterhaft! Mein Fazit: Über Strecken langweilig mit furiosem Ende. Hier ist nicht der Weg, sondern das Ziel das Ziel. 1 Stern für das Cover, einen für den Klappentext und einen für das Ende 3 Sterne