HUDU

Zwischen den Leben


€ 9,90
 
kartoniert
Noch nicht erschienen
November 2007

Beschreibung

Beschreibung

Robert hat Pech mit seinem Autodeal in Beirut. Er kriegt für sein letztes Geld ein gutes Pfund besten Roten und trampt damit durch Libanon, Syrien, Türkei. Doch der deutsche Zoll wird fündig.
Die Monate in U-Haft werden dem Aussteiger nicht lang. Er überrascht mit immer neuen Einfällen, die ihm die vom verachteten Staat geschenkte Freizeit versüßen. Er macht psychologische Beobachtungen der Mitgefangenen und der Wachmänner. Er meditiert, schreibt, philosophiert und wundert sich, wie spannend diese Tage ohne äußere Abwechslung sind.
Die Mitbewohner seines "Schlosses" wechseln. Er erlebt deren Knastkoller, visualisiert groteske Phantasien und bedauert es, wenn er "aus dem Knast hier drinnen in den Knast dort draußen" versetzt wird. Die Briefe an seine Eltern sind eine Abrechnung mit der Ignoranz. Robert geht mit Gelas-senheit und Ruhe in die Verhandlung.
Haschisch ist der Auslöser der Geschichte, aber dies ist kein Drogen-Roman. Er spielt "zwischen den Leben", d.h. in einer "Todeszone", einer Wandlungsphase zwischen zwei Existenzen. Wenn mensch sich auf eine Grenzerfahrung, Transformation einläßt, wird das Mißgeschick zum Gewinn, alchemistisch: das Blei wird in Gold verwandelt.
Social Beat und Existentialismus, durchdrungen von spiritueller Philosophie, begegnen uns in diesem Text. Hier wird Meditation beschrieben, und deren jahrelange Praxis in ihrer Wirkung gezeigt. Selten verbinden sich Sensibilität, Empathie und radikale Gesellschaftskritik so optimistisch. Ganz nebenbei stoßen hier mehrere Kulturen problemlos und ohne Vorbehalte aufeinander. Der Protagonist reflektiert die Eigenheiten und Menthalitäten objektiv und voller Menschlichkeit.
Leseprobe:
Es ist ein duerndes Hin und Her, die ganze Woche schon. Abou Johnny hat mir zehn Kunden angebracht. Immer ist der Zoll zu hoch im Vergleich zum Wagen. Ich bin unter die Tausend gegangen. Mit Feyez, dem Jordanier, hab ich was abgemacht. Ich krieg heute Nachricht vom letzten Kunden. Wenn auch der absagt, verkauf ich ihm den Wagen für sechs libanesische Pfund. Im Spaß hat er mir fünf geboten und ich habe gesagt "Nein, sechs". Er ging darauf ein und ich werde ihn beim Wort halten.
Abou Johnny will mir die Shitplatten schenken, wenn ich kein Geld mehr habe. Schenken! Andererseits nimmt er einen Hunderter für die Vermittlung. Geschäft ist Geschäft. Ihm rutschte gestern ein Wort heraus, über das wir alle herzlich lachten. Er meinte, ich sei ein Derwisch, ein einfacher Mensch. Vor Tagen hatten wir darüber geredet, jetzt meinte er es im Sinne von: einfach im Kopf. Derwisch ist wohl auch ein Wort für Narr.
Ich bin froh, wenn es heimgeht. Irgendwie ist es doch genug, gerade wenn es so unsicher ist, und das Geld höchstens für die Heimfahrt reicht. Es geht gegen Mittag zu. Ich sitze im Laden von Abou Johnny hinter der Theke und warte. Er ist kurz weggefahren. Wenn jemand kommt, sage ich, er sei eine Zeitung holen gegangen. Er hat heute mal den Laden auf. Sonst ist sonntags zu. Wir warten auf den Wagenkunden. Wenn das nicht klappt, hat er morgen noch eine Chance. Er verkauft heut nichts im Laden. Trotzdem spielt sich das alltägliche Leben ab. Draußen stehen Leute beim Schuhputzer und er selbst wertet die gestrigen Pferderennen aus. Gut hundert Mark hat er verloren. Wir rauchen zusammen ein paar Shit-Zigaretten und der Kaffeeverkäufer vom Straßenrand bringt ein Küken und setzt es auf die Glasplatte des Schreibtisches. Abou Johnny hat einen kleinen Plastikbecher Whisky verdünnt mit Wasser vor sich stehen, an dem er gelegentlich nippt. Er hebt das Küken hoch und setzt ihm den Whisky vor den Schnabel. Es macht einen guten Zug und darf wieder auf den Tisch. Es sitzt ganz ruhig, bis es plötzlich niesen muss.
Sonntag scheint er gern eine zu rauchen. Bei jeder Zigarette ruft er Chibin herein, der gern zugreift. Er ist ein sehr einfacher Typ, der gern lacht. Wenn er einen Streich erzählt, dann klatscht er sich mit Abou Johnny die Hand. Das machen sie oft gegenseitig.
Chibin ist cirka 40 und schwarz wie ein Köhler; die Haare, der dunkle Teint und die vielen Falten in seinem Gesicht. Dazu ist er immer dunkel angezogen. Er hat eine rollende Espressomaschine. Ein richtiges Bargerät ist auf einen Karren mit drei Fahrrädern gebaut. An dem Holzchassis sind drei Plastikbüchsen für Zucker, Teebeutel und gemahlenen Kaffee. An der einen Seite ist eine Öffnung für Wasser und Feuer, obendrauf die Maschine und darüber ein Holzdach, wo er sich nicht mal selbst mit drunter stellen kann. Sein Platz ist vorm Bordstein am Straßenrand, eigentlich mehr vorm Kolonialwarenhändler. In lockerem Abstand hat er zwei rostige Tonnen hinter seinem Karren stehen. Die werden weggeräumt, wenn Abou Johnnys bester Freund oder ein guter Besuch kommt. Sonst ist alles freier Parkplatz. Rechts, gleich neben dem Schaufenster ist Abou Georges. Auf der Grenze zum benachbarten Sanitärladen baut er tagtäglich seinen Kasten auf. Auch er lebt teilweise von Abou Johnnys Kundschaft. So ein Geschäft verkauft an sich recht wenig, dafür sind immer Freunde und Bekannte da die einen Kaffee trinken oder ein paar Runden Tawla mitspielen. Das eigentliche Geschäft läuft nebenbei in Kommission und anderen Händeln.
EAN: 9783936149043
ISBN: 3936149046
Untertitel: Empfohlen von 15 bis 45 Jahren. 2. Auflage.
Verlag: Araki Verlag
Erscheinungsdatum: November 2007
Seitenanzahl: 220 Seiten
Format: kartoniert
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