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Adler und Engel


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Juli 2001

Beschreibung

Beschreibung

Jessie ist tot. Sie hat sich erschossen, als sie mit Max telephonierte.Zu Schulzeiten der geborene Versager, picklig und übergewichtig, hat Max aus sich selbst das Projekt seines Lebens gemacht: einen Karrierejuristen. Innerhalb von zehn Jahren hat er sich hochgearbeitet, aus eigener Kraft, wie er glaubte. Zu Rufus nach Wien, auf den Olymp des Völkerrechts, von wo aus die Staatengemeinschaft aussieht wie ein paar Kinder, die sich gegenseitig Sand in die Augen werfen.Aber dann ist Jessie wieder aufgetaucht und mit ihr das einzige echte Gefühl in Max' Leben: Die bodenlose Liebe zu der kindlich-verrückten Tochter eines Drogenhändlers. Als Jessie stirbt, schmeißt Max seinen Job. Er sitzt in Leipzig und beschließt, den Rest seiner Lebenszeit nach der Menge an Kokain zu bemessen, die er sich noch kaufen kann. Max ist am Ende.Und das ist der Anfang von ADLER UND ENGEL. Max ruft bei Clara an, einer ebenso jungen wie abgebrühten Radiomoderatorin, sie zwingt ihn zu einer Reise zurück nach Wien, zurück in seine Vergangenheit. Allmählich wird klar: Seine und Jessies Geschichte war Teil des Dramas auf dem Balkan. Ihre seltsame Liebe ist ein Produkt jenes zynischen Miteinanders von Bürgerkriegshelden, Völkermördern, Drogenhändlern und UNO-Politikern, die Schreckliches zulassen, um noch Schrecklicheres zu verhindern.Juli Zehs erster Roman ist furios, er kriecht in jede Hirnwindung. Noch aus dem unscheinbarsten Detail schlägt er Funken. Zugleich entwirft er ein erschreckend eindrucksvolles Panorama der gegenwärtigen Welt nach dem Zusammenbruch der Ideologien, verwebt die 'amour fou' von Max und Jessie mit den politischen Wirrnissen an den äußersten Rändern Europas. Das alles geschieht in einer rasanten und absolut zeitgemäßen Sprache. Man liest ADLER UND ENGEL, als hörte man zu, wie die Gegenwart spricht.

Portrait

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Ihr Roman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem "Deutschen Bücherpreis" (2002), dem "Rauriser Literaturpreis" (2002), dem "Hölderlin-Förderpreis" (2003), dem "Ernst-Toller-Preis" (2003), dem "Carl-Amery-Literaturpreis" (2009) und dem Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (2009). 2013 wurde sie mit dem"Thomas Mann Preis" für ihr "vielfälgiges Prosawerk" geehrt, 2014 mit dem "Hoffmann-von-Fallersleben-Preis" für zeitkritische Literatur. Juli Zeh lebt in Leipzig.

Pressestimmen

Max ist auf einem Ohr taub, seit seine Freundin Jessie, die Tochter eines Wiener Drogenbosses, sich während eines Telefonates mit ihm erschossen hat. Und er hat auch nur noch ein paar Wochen zu leben, denn er hat beschlossen, nur noch so lange auf der Erde zu weilen, wie sein Koksvorrat reicht. Seine letzten Tage nutzt er, um Clara, einer Radiomoderatorin und angehendes Psychologie, mit Splittern seiner Erinnerung zu beglücken. Und die haben vor allen Dinge mit Drogengeschäften auf dem Balkan zu tun. Juli Zehs Debüt liest sich wie ein zersprungenes Glasbild. Ganz vorsichtig nimmt sie einzelne Scherben in die Hand, betrachte sie intensiv und lange, freut sich über deren Schillern oder schneidet sich schmerzhaft in die Hand. Einige dieser Stücke passen zusammen, andere haben sich gegenseitig so zerkratzt, dass sie kaum noch ihre Farbe erkennen lassen. In collagenartigen Bildern lässt sie Gegenwart und Vergangenheit oft so abrupt miteinander verschmelzen, dass Max Orientierungslosigkeit zum Leitthema wird. Die Frage nach dem Warum von Jessies Tod wird immer bedeutungsloser, je stärker das zersprungene Bild Konturen annimmt. Und am Ende haben Max und der Leser ein leidlich zusammen geflicktes Muster in der Hand, das einmal schön gewesen sein mag, inzwischen aber so stark zerstört ist, dass es weh tut, es anzuschauen. (kulturnews/bl)   Friedensarbeit mit Kokain Juli Zehs Romandebüt "Adler und Engel" Kokain spielt in Juli Zehs Debütroman "Adler und Engel" eine ganz zentrale Rolle. Vergessen wir, was wir einst bei Konstantin Wecker in "Uferlos" (1992) oder in diesem Frühjahr in Bettina Gundermanns Erzählung "Lines" darüber gelesen haben. Max, ein erfolgreicher Jurist, kokst in ungesunden Maßen. Trotzdem ist er eine berufliche Koryphäe - spezialisiert auf Völkerrecht, mit dem Schwerpunkt Osteuropa. Er arbeitet an einem gleichermaßen reizvollen wie heiklen Projekt, an einem Vertragswerk, das das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien regeln soll. Die Berliner Autorin Juli Zeh, gerade einmal 26 Jahre alt, kennt sich in diesem Metier bestens aus. Im Sommersemester 2000 schrieb sie an der Berliner Humboldt-Universität eine umfangreiche Hausarbeit über das Thema "Das Selbstbestimmungsrecht der Völker". Max' Arbeit für den Frieden auf dem Balkan wird allerdings empfindlich gestört, als seine ehemalige Schulfreundin Jessie auftaucht. Sie war im großen Stil in den Kokainhandel involviert, ist dann ausgestiegen, verfügt über viel Geld und noch mehr "Koks". Doch Jessie hat auch panische Angst. Überall glaubt sie dunkle Gestalten zu erkennen, Hintermänner aus dem Drogenhandel, die ihr nach dem Leben trachten. Max rückt ihre Obsessionen zunächst in den Bereich der Wahnvorstellungen, ausgelöst durch den Kokain-Konsum. Ein schwerwiegender Irrtum, wie sich herausstellt, denn während eines Telefonats mit Max erschießt sich Jessie. Ausweglos, zerfressen von realen und halluzinierten Ängsten. Der renommierte Völkerrechtler verliert immer mehr den Halt, quält sich mit Selbstvorwürfen und versucht in der Rekonstruktion von Jessies Lebensweg eine Art Flucht aus dem Alltag zu finden. Dabei helfen ihm immer größere Dosen Kokain. Das liest sich schon herrlich spannend, aber damit erschöpfen sich die Qualitäten dieses Erstlings noch lange nicht. Vor allem versteht es Juli Zeh eindrucksvoll, wechselnde Stimmungen und verletzte Gefühle in Szene zu setzen. Jessie und Max sind hoffnungslose Einzelgänger, mal euphorisiert durch die Drogen, dann wieder in tiefe Depressionen abstürzend, unfähig zu wirklichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Nicht anders steht es um das Verhältnis zwischen Max und Clara, einer Rundfunkjournalistin, die sich nach Jessies Tod an der Seite des Juristen tummelt. Das geschieht nicht ganz uneigennützig, denn Clara arbeitet an einer Diplomarbeit über den Kokainhandel. So toleriert sie fast gleichmütig Max' Schikanen, der sie beschimpft, schlägt und zum Teufel wünscht. Der vorliegende Roman präsentiert ein Themenspektrum, das durch seinen Facettenreichtum jedes psychologische, juristische und soziologische Proseminar in den Schatten stellt. Juli Zeh beleuchtet in "Adler und Engel" die dunkle, geheimnisvolle Hemisphäre des menschlichen Handelns, jenen Bereich der durch normalen common sense ebenso wenig zu erklären ist wie der blutige Krieg auf dem Balkan, der während der gesamten Handlung seine düsteren Schatten wirft. Ein solch beeindruckendes literarisches Debütwerk hat der Rezensent schon lange nicht mehr gelesen, trotz des kapitalen Umfangs fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. PETER MOHR
EAN: 9783895610547
ISBN: 3895610542
Untertitel: Lesebändchen.
Verlag: Schoeffling + Co.
Erscheinungsdatum: Juli 2001
Seitenanzahl: 444 Seiten
Format: gebunden
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