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Das Kreuz mit der Bibel


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kartoniert
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März 2008

Beschreibung

Beschreibung

Die meisten Christen kennen nur wenige Bibelgeschichten und ausgewählte Verse. Wer weiss schon, dass die Heilige Schrift auch Regeln zur Sklavenhaltung enthält, zum Judenhass aufruft, widerspenstige Kinder zu verprügeln empfiehlt und ein beschämendes Frauenbild vermittelt.

Johannes Maria Lehner beschreibt in leicht verständlicher Sprache die Entstehungsgeschichte der Bibel und enthüllt die Identität und die Motive der Autoren. Dank neuer archäologischer Erkenntnisse und einem neuen Verständnis der historischen Zusammenhänge zeichnet er ein authentisches Bild der Bibel und ihrer Zeit.

Spannend und glaubhaft rekonstruiert Lehner die damaligen Ereignisse und gibt Antworten auf Fragen, die sich kritischen Lesern der Bibel zu allen Zeiten aufgedrängt haben. War Gottes auserwähltes Volk wirklich aus Ägypten geflohen? Stürzten die Mauern von Jericho tatsächlich ein? Warum weiss keine ausserbiblische Quelle etwas über Jesus? Hat Herodes' Kindermord wirklich stattgefunden?

Mit Lehners Buch werden die Geschichten der Bibel und ihre Ethik nachvollziehbar. Es bietet eine Orientierungshilfe für oder gegen das Christentum und ebnet den Weg für ein zeitgemässes Bibelverständnis.

Portrait

Johannes Maria Lehner, Jahrgang 1955, entschied sich als Jugendlicher knapp gegen das Theologiestudium und für eine publizistische Ausbildung. Er blieb aber dem Studium der heiligen Schriften und Religionen ein Leben lang treu. Er arbeitet heute freischaffend als religionskritischer Publizist und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach etlichen Auslandsaufenthalten in Zürich.

Leseprobe


Lehner, Johannes Maria:
Das Kreuz mit der Bibel


Und die Bibel hat doch NICHT recht

Einzug in Jerusalem - Die Prozessakten
(Kapitel 9)

Am Abend des ersten Frühlingsvollmonds um das Jahr 30 war ganz Jerusalem auf den Beinen. Die Stadt platzte wie jedes Jahr aus allen Nähten, denn die erste der drei großen jüdischen Hauptfeiern, das Passahfest, stand bevor. Eine wahre Flut von Pilgern strömte aus allen Teilen der Welt durch die Gassen hinauf zum Tempel, um dort ein Lamm zu opfern.

Das Fest sollte an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnern. Die schrecklichen Ereignisse sind uns aus dem Alten Testament noch gut in Erinnerung: Gott wollte die Ägypter mit zehn Plagen dazu zwingen, die Israeliten aus dem Land ziehen zu lassen. Bevor er als zehnte Plage alle Erstgeborenen des Landes eigenhändig ermordete, befahl er den Israeliten, die Pfosten und Oberschwellen ihrer Haustüren mit dem Blut eines makellosen (also männlichen) Lamms zu bestreichen. An den so gekennzeichneten Türen ging Gott dann vorüber (pasach = »vorübergehen«) und verschonte die Bewohner (2. Mose/Ex. 12,12): »Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen (töten) in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der Herr.«

Warum Gott die Häuser der Ägypter und jene der Israeliten nicht auseinander halten konnte, bleibt ungesagt und macht nachdenklich. Das Vieh der beiden Völker konnte er sehr wohl richtig zuordnen (2. Mose/Ex. 9,6): »Und der Herr tat es am andern Morgen; da starb alles Vieh der Ägypter, aber von dem Vieh der Israeliten starb nicht eins.«
Der »liebe Gott« hatte also wieder mal ein blutiges Schlachtfest auf Erden angerichtet und verlangte nun auch noch, dass man diesen Akt unvorstellbarer Grausamkeit landesweit feierte. Unfassbar!
Zum Glück ist das nur eine biblische Geschichte, die historisch wohl kaum stattgefunden hat. Sonst müsste man annehmen, hier würde wirklich ein Massaker an Tausenden unschuldiger Kinder bejubelt.

Die Regeln für den Ablauf des Passahfestes stehen detailliert in verschiedenen Büchern des Moses. Sie verlangen, dass die Nachkommen der Ausgewanderten an diesem Tag »eine heilige Versammlung halten« (3. Mose/Lev. 23,7). Im 5. Buch, dem grossen Gesetzeswerk, wird die Feier zu einem Wallfahrtsfest erklärt, an dem jeder männliche Israelit mit prall gefülltem Geldbeutel im Heiligtum zu erscheinen habe (5. Mose/Dtn. 16,16): »Sie sollen aber nicht mit leeren Händen vor dem Herrn erscheinen.« Kein Wunder, dass es in Jerusalem an jenem Abend, als Jesus unterwegs war, von Menschen und Opfertieren wimmelte. Letztere wurden in eigens dafür bereitgestellten Ställen untergebracht. Für den Tempel und die ganze Stadt bedeutete das ein riesiges Geschäft. Gott hatte seine Freude am Fleiss seiner Priester und an den sprudelnden Einnahmen.

Nach der vatikanischen Kommission für das »Heilige Jahr« (2000) ging Jesus an diesem Tag nach Jerusalem »in der klaren Absicht, seinen Erlösungsauftrag zu offenbaren und zu erfüllen«. Angeblich bekannte er sich im Neuen Testament als das für alle Menschen geopferte, endgültige Passahlamm des Neuen Bundes (1. Kor. 5,7): »Denn auch wir haben ein Passahlamm, das ist Christus, der geopfert ist.«
Es war also eine Art Selbstmord. Jesus war ja von ihm wohl gesonnenen Pharisäern vor seinem Feind gewarnt worden (Lk. 13,31): »Mach dich auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten.« Aber Jesus wollte unbedingt nach Jerusalem, um seine Verkündigung in einem grandiosen Finale enden zu lassen (Lk. 13,33): »Es geht nicht an, dass ein Prophet umkomme ausserhalb von Jerusalem.«

Die Vorstellung, Jesus habe von seiner bevorstehenden Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung gewusst und wie in einem Film eine Rolle zu Ende gespielt, wirkt schon sehr merkwürdig. Warum hätte er das tun sollen? Dass er mit diesem Akt der Selbstdarstellung die Sünden nicht von den Menschen nehmen konnte, wissen wir nach 2000 Jahren ungeduldigen Hoffens und Beobachtens nur zu gut. Hätte Jesus seine Heilslehre, seinen Willen zur Übernahme aller menschlichen Sünden und seine Gottwerdung nicht anders glaubhaft machen können als mit diesem blutigen Theater? Gäbe es überhaupt ein Christentum, wenn Jesus vor den Toren Jerusalems auf die warnenden Pharisäer gehört hätte und wieder umgekehrt wäre?

Nach Matthäus zog der Sohn Gottes mit zwei gestohlenen Eseln triumphal in Jerusalem ein (Mt. 21,5): »Dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen.« Die beiden Tiere hatten die Jünger an einem Pfahl angebunden gefunden und sie auf Jesus' Geheiß einfach gestohlen. Es ist anzunehmen, dass Matthäus seinen Jesus auf einen Esel setzte, um eine Prophezeiung aus dem Alten Testament in Erfüllung gehen zu lassen. Der Prophet Sacharja hatte nämlich vorausgesagt (Sach. 9,9): »Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.«
Dass Sacharjas Prophezeiung vom gerechten König nicht eingetroffen ist, wissen wir inzwischen. König Jerusalems war Jesus zu keiner Zeit. Der Prophet hatte übrigens auch Siege über militärische Feinde geweissagt, die ebenfalls nicht errungen wurden.

Sacharjas Kollege, der Prophet Elia, war noch von ganz anderem Schrot und Korn. Er hätte keinen Esel reitenden König vorausgesagt. Bei ihm herrschten Könige mit Glanz und Gloria. Elia selbst war noch mit einem von Rossen gezogenen Feuerwagen im Himmel umhergedüst. Aber die Evangelienschreiber hatten sich wohlweislich für einen Esel entschieden, denn auf reich geschmückten Pferden ritten schon die Feinde.

Im Matthäusevangelium wird Jesus' Einzug durch das Stadttor Jerusalems als grandioses Ereignis beschrieben (Mt. 21,8): »Eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.« Die Menschen erkannten in Jesus sofort den Sohn Davids, den König ihres untergegangenen Landes Juda. Wir sollten diese Begeisterung im Gedächtnis behalten, denn ein paar Seiten weiter wird dieselbe Menge nach der Kreuzigung schreien.
...

EAN: 9783837014709
ISBN: 3837014703
Untertitel: Das Buch der Bücher im Licht von Wissenschaft, Vernunft und Moral. Paperback.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: März 2008
Seitenanzahl: 280 Seiten
Format: kartoniert
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