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Der Tag der Lerche


€ 16,90
 
kartoniert
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September 2015

Beschreibung

Beschreibung

Im Sommer 1949, acht Jahre nach dem Friedensschluss mit Hitler, treibt Großbritannien unaufhaltsam einer düsteren Zukunft entgegen. Hitler wird zu einem Staatsbesuch erwartet, und in einem Londoner Vorort explodiert eine Bombe und reißt zwei Menschen in den Tod.

Inspector Carmichael würde Scotland Yard und auch das Land lieber heute als morgen verlassen, seit er gezwungen wurde, einen Mörder zu decken: keinen Geringeren als Premierminister Mark Normanby. Nun kommt er einer Verschwörung von königstreuen Patrioten, Kommunisten und IRA-Kämpfern auf die Spur, die ein Attentat auf den Premierminister und auf Hitler planen.

Doch die Attentäter sind auf die Hilfe der Schauspielerin Viola Lark angewiesen, die nur für das Theater lebt und mit der Rolle als Hamlet den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht hat. Die Zeit gerät aus den Fugen, und alle müssen Entscheidungen treffen, deren Folgen nicht abzusehen sind.

Im zweiten Band ihrer Krimi-Trilogie beschreibt Jo Walton, wie der Faschismus in Großbritannien Fuß fasst - wenn die Geschichte denn anders verlaufen wäre. Spannend und erschreckend überzeugend entsteht das Porträt einer Gesellschaft, in der die Angst regiert, der Verrat überall lauert und niemand mehr unschuldig bleiben kann.

Portrait

Jo Walton wurde in Wales geboren, lebte viele Jahre in England und hat sich 2002 in Kanada niedergelassen. Ihr erster großer Erfolg war der Roman "Tooth and Claw" (2003), der mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet wurde. Für ihren Roman "Lifelode" (2010) erhielt sie den Mythopoeic Award. Sie führt ein regelmäßiges Blog und schreibt für die Internetseite tor.com eine regelmäßige Kolumne.
EAN: 9783944720678
ISBN: 3944720679
Untertitel: Originaltitel: Ha'penny.
Verlag: Golkonda Verlag
Erscheinungsdatum: September 2015
Seitenanzahl: 293 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Nora Lachmann
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Christina Benedikt - 11.11.2015, 21:19
Raffiniert, erschreckend realistisch und mit der richtigen Prise politischer Bri
Mark Normanby ist Premierminister, Hitler ist auf Erfolgskurs und Antisemitismus auf dem Vormarsch in Europa - Jo Waltons Alternativwelt geht in die zweite Runde. Inspector Carmichael ist wieder im Dienst, nachdem er im letzten Fall einen Maulkorb verpasst bekommen hat, desillusioniert und mit vielen Zweifeln. Gemeinsam mit Sergeant Royston untersucht er ein Bombenattentat auf die berühmte Schauspielerin Lauria Gilmore. Waren es Terroristen? Das muss schnell herausgefunden werden, denn Hitler hat sich zum Staatsbesuch angekündigt - inklusive Theaterbesuch. Wie auch im letzten Teil ist der Krimi aus zwei Perspektiven geschrieben: Inspector Carmichael und Viola Lark, eine Tochter aus gutem Hause, die es zum Theater verschlagen hat. Sie wird als Hamlet besetzt - in dieser Zeit üblich - und soll vor großem Publikum spielen, nämlich vor Normanby und Hitler. Eine große Chance für ihre Karriere, doch dann rücken wichtigere Dinge in den Vordergrund, als sie von den Leuten angesprochen wird, die mit dem Bombenattentat zu tun haben. Die beiden Sichten verleihen dem Leser mehr Wissen und manchmal muss man sich die Haare raufen, weil man etwas weiß, was die Figur gerade noch nicht weiß. Obwohl die Perspektiven immer schön abwechselnd sind, stören sie den Lesefluss keineswegs und gehen harmonisch ineinander über. Man ist dann immer gleich gespannt, wie es bei dem anderen weitergeht. Bei Inspector Carmichael ist eine deutliche Veränderung zum Vorgängerband festzustellen. Er hat viele Zweifel, ob er den Job weiterhin ausüben soll und wie es mit ihm weitergehen wird. Gemeinsam mit seinem Lebensgefährten bespricht er sogar, das Land zu verlassen. Eine "angedrohte" Beförderung macht dies vorläufig zunichte. Die Stimmung ist insgesamt noch ein wenig düsterer und bedrückender, durch Carmichael fühlt man die angespannte Situation in Großbritannien nach der Machtergreifung Normanbys und den Sympathisanten mit Nazi-Deutschland noch deutlicher. Die alternative Geschichtsschreibung hat sich zum ersten Teil hin kaum verändert, der Nationalsozialismus ist weiterhin auf dem besten Weg sich in Großbritannien zu festigen. Es gibt viele Kleinigkeiten, die sich langsam aber stetig verändern. Kleinigkeiten, die man bei Beginn eines faschistischen/nationalsozialistischen Systems häufig feststellen kann. Diese knabbern ja langsam aber hartnäckig an der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, bis sie sich gefestigt haben und man sie kaum mehr los bekommt. Und doch sind die meisten Leute einig oder haben zumindest keine Einwände. Es sind eben nur wenige, die Angst vor dem herrschenden System haben und gleichzeitig aber den Mut haben, es ändern zu wollen. Auch wenn "Der Tag der Lerche" wieder einen politischen Hintergrund hat, ähnelt es trotzdem einen klassischen, englischen Krimi. Es ist irgendwie schon eine Meisterleistung, wie es der Autorin gelingt, diese Subgenres zu verbinden. Der alternative Geschichtsverlauf bietet in dem Fall das gewisse Extra. Natürlich ist er die Basis - ohne die Alternativwelt gäbe es den Krimi in dieser Form nicht, doch durch diesen Kniff wird das Buch auf die Ebene eines Politthriller gehoben. Ganz fies ist diesmal übrigens der Schluss - denn Inspector Carmichael folgt seinem Gerechtigkeitssinn und verzweifelt dann daran fast. Sehr tragisch und man konnte richtig mit fiebern. Ein Wehrmutstropfen bleibt, aber natürlich sichert das den Fortbestand der Reihe, die ja erst mal auf drei Bände angelegt ist. Ich hoffe nun, bald folgt "Das Jahr des Falken" und vielleicht ja doch noch der ein oder andere Band. ;-) Fazit: Klassischer Krimi kombiniert mit Politthriller - Inspector Carmichael löst diesmal einen Fall im Theater. Raffiniert, erschreckend realistisch und mit der richtigen Prise politischer Brisanz. Hervorragend!