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Europa in den Medien


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November 2005

Beschreibung

Beschreibung

Immer wieder wird behauptet, es finde keine öffentliche Kommunikation über europäische Politik und Integration statt. Hans-Jörg Trenz hat führende Zeitungen in sieben Ländern ausgewertet und festgestellt, dass die Berichterstattung über europäische Themen mittlerweile breiten Eingang in die Presse gefunden hat. Diese hohe Resonanz des politischen Europas in den nationalen Medien wird bei der Frage nach der Legitimität der europäischen Herrschaftsordnung zunehmend in Rechnung gestellt und leitet Prozesse der Solidarisierung zwischen den Europäern ein.

Inhaltsverzeichnis

1;Inhalt;6 2;Einführung;14 3;Einleitung: Fragestellung einer Soziologie der europäischen Integration;20 3.1;1. Europawissenschaften als Gesellschaftswissenschaften;20 3.2;2. Von der Theorie europäischer Integration zur Theorie europäischer Vergesellschaftung;24 3.3;3. Von der Theorie europäischer Gesellschaftsbildung zur Theorie der politischen Gesellschaft Europas;36 3.4;4. Von der Theorie der europäischen politischen Gesellschaft zur Theorie europäischer Öffentlichkeit;42 3.5;5. Von der Theorie europäischer Öffentlichkeit zur Theorie der Beobachtung europäischer Öffentlichkeit;47 3.6;6. Forschungsaufriss;52 4;Teil 1: Öffentlichkeit und gesellschaftliche Integration in Europa;56 4.1;1. Europäische Gesellschaft als Raum des Öffentlichen;56 4.2;2. Von der Fragmentierung zur Polarisierung von Öffentlichkeit in der EU;62 4.3;3. Integration durch Herrschaft: Zur Selbstkonstitution politischer Öffentlichkeit in Europa;65 4.4;4. Integration durch Konflikt: Zur Strukturierungsleistung politischer Öffentlichkeit;72 4.5;5. Integration durch Konsens. Zur Verständigungsleistung politischer Öffentlichkeit;81 4.6;6. Von der Streitkommunikation zur Einheitsbeschreibung europäischer Gesellschaft;91 4.6.1;6.1 Meinungsbildung, Identität oder Selbstbeschreibung? Zu den erwartbaren integrativen Outputs einer selbst- konstitutiven Öffentlichkeit in der EU;92 4.6.2;6.2 Medien als Ort der Erreichbarkeit der europäischen Gesellschaft;95 5;Teil 2: Die Medien europäischer Öffentlichkeit;98 5.1;1. Operationen des europäischen Mediensystems;98 5.1.1;1.1 Massenmedien als Vermittler europäischer Politik;100 5.1.2;1.2 Massenmedien als Publizist (Veröffentlicher) europäischer Politik;104 5.1.3;1.3 Massenmedien als Organisator der Selbstbeschreibung europäischer Gesellschaft;106 5.2;2. Die Selektion europapolitischer Berichterstattung in den Massenmedien;108 5.2.1;2.1 Varianz der Selektionsbedingungen;111 5.2.2;2.2 Konvergenz der Selektionsbedingungen;131 5.2.3;2.3 Varianz und/oder Konvergenz als
Indikatoren europäischer Öffentlichkeit;148 6;Teil 3: Die Beobachtung europäischer Öffentlichkeit 1: Untersuchungsdesign und Operationalisierung;158 6.1;1. Zum Stand der vergleichenden Medienforschung in Europa;158 6.2;2. Die Anordnung medialer Diskurse: von der Dissonanz zur Resonanz europapolitischer Kommunikationsprozesse;163 6.2.1;2.1 Bezugsprobleme intermedialer Kommunikation;163 6.2.2;2.2 Themen und Thematisierungsmuster;170 6.2.3;2.3 Symmetrisierung, Synchronisierung und Synthetisierung medialer Kommunikation;172 6.2.4;2.4 Das Problem der Relevanz;175 6.2.5;2.5. Absolute und reziproke Resonanzstrukturmuster als notwendige und hinreichende Bedingungen für das Vorliegen europäischer Öffentlichkeit;177 6.3;3. Methodisches Vorgehen;180 6.3.1;3.1 Stichprobe;180 6.3.2;3.2 Erhebungsinstrumente und Codebuch;187 7;Teil 4: Die Beobachtung europäischer Öffentlichkeit 2: Die Struckturierung politisch-medialer Kommunikation in Europa;192 7.1;1. Die politische Nachrichtengeographie Europas;192 7.2;2. Formen der europapolitischen Kommunikation in der Qualitätspresse;195 7.3;3. Der europäische Nachrichtenartikel;202 7.3.1;3.1 Formale Merkmale;203 7.3.2;3.2 Autorschaft;208 7.3.3;3.3 Agenda-Setter;212 7.3.4;3.4 Die Themenstrukturierung europäischer Schwerpunktartikel;224 7.3.5;3.5 Thematisierungsebenen europäischer Schwerpunktartikel;251 7.3.6;3.6 Themenstrukturierung und Agenda-Setting;258 7.3.7;3.7 Der Argumentations- und Begründungskontext europäischer Schwerpunktartikel;263 7.4;4. Der europäisierte Artikel;269 7.4.1;4.1 Allgemeine Merkmale;269 7.4.2;4.2 Die Themenstrukturierung europäisierter Artikel;270 7.4.3;4.3 Thematisierungsebenen des europäischen Nebenthemas;271 7.4.4;4.4 Argumentations- und Begründungskontext europäischer Nebenthemen.;273 7.5;5. Der Artikel mit europäischem Verweisungskontext;273 7.5.1;5.1 Europa als Verallgemeinerungskontext;275 7.5.2;5.2 Europa als Vergleichsebene;277 7.5.3;5.3 Verweis auf europäische Ereignisse;278 7.5.4;5.4 Verweis auf europäisc
he Akteure und Institutionen;280 7.5.5;5.5 Verweis auf europäische Gesetze, Verträge, Konventionen;281 7.6;6. Fazit: Die kommunikativ-mediale Ordnung des politischen Europa;283 8;Teil 5: Die Beobachtung europäischer Öffentlichkeit 3: Quo vadis Europa? Der publizistische Kampf um die europäische Einigung;290 8.1;1. Der mediale Diskurs als Form gesellschaftlicher Einheitsbeschreibung;290 8.2;2. Europäische Einheitsbeschreibung als publizistische Metakommunikation;292 8.2.1;2.1 Pressekommentare als Arena europäischer Selbstbeschreibung;292 8.2.2;2.2 Die öffentlichen Meinungsmacher zu Europa;294 8.2.3;2.3 Zur analytischen Rekonstruktion von Selbstbeschreibungs- semantiken in Pressekommentaren;295 8.3;3. Die europäische Verfassungsdebatte im Schlaglicht der Medien;298 8.3.1;3.1 Fallauswahl;298 8.3.2;3.2 Die thematische Relevanz der Verfassungsdebatte: Fischers Humboldt- Rede als erfolgreiches gesamteuropäisches intermediales Agenda- Setting;301 8.3.3;3.3 Interpretations- und Motivationsrelevanz der Verfassungsdebatte: Meta- kommunikation als Form gesamteuropäischer Selbstbeschreibung;316 8.3.4;3.4 Das Paradox als Einheitssemantik: Von der Einheit in Vielfalt zur Vielfalt der Einheiten;352 8.4;4. Progressiver Europäismus als Einheitsideologie: Auf dem Wege zu einer hegemonialen Definitionsmacht der Massenmedien?;361 9;Teil 6: Die Politische Gesellschaft Europas: Rückblick und Ausblick;374 9.1;1. Kollektive Identitätsbildung in Europa: Einheit in Vielfalt oder Vielfalt der Einheit;374 9.1.1;1.1 Nationale Einheitssemantiken: die fragmentierte Einheit;375 9.1.2;1.2 Europäische Einheitssemantiken: Die kontingente Einheit oder die Mythologisierung des Identitätsdiskurses;377 9.2;2. Von der Modernisierung zur nachholenden Modernisierung des politischen Europas: Das europäische Integrationsprojekt im Spiegel seiner Öffentlichkeiten;380 9.2.1;2.1 Europa als der politische Kontinent;380 9.2.2;2.2 Begriffsgeschichte des politischen Europas;383 9.2.3;2.3 Die politische Sichtbarkeit
des Europäischen Integrationsprojekts;390 9.2.4;2.4 Reflexive Integration als Projekt europäischer Gesellschaftsgestaltung;401 10;Verzeichnis der Tabellen und Schaubilder;408 11;Literatur;411


Portrait

Hans-Jörg Trenz ist Politikwissenschaftler und habilitierte sich an der Humboldt- Universität zu Berlin. Zurzeit ist er Professor an der Universität Oslo.

Leseprobe

Teil 3
DIE BEOBACHTUNG EUROPÄISCHER ÖFFENTLICHKEIT I: UNTERSUCHUNGSDESIGN UND OPERATIONALISIERUNG
(S. 157-159)

1. Zum Stand der vergleichenden Medienforschung in Europa

Auch den Medienwissenschaften kann die von Zürn (2001) für die Disziplin der Internationalen Beziehungen konstatierte Befangenheit im methodischen Nationalismus angelastet werden, wenn sie sich bis heute fast exklusiv der nationalen Medienöffentlichkeit als Untersuchungsgegenstand zuwenden. Dahinter verbirgt sich mehr als eine pragmatische Arbeitsteilung oder kollektive Präferenzbildung der wissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft, sondern vielmehr die Überzeugung in die quasi-ontologische Wesensart des Nationalen als Hintergrundrealität aller sozialen und politischen Abläufe.

Eine international vergleichende Medienforschung befindet sich entsprechend in ihren Kinderschuhen. Im Ländervergleich werden allenfalls allgemeine Medienstrukturdaten als Variablen gegenübergestellt, um damit wiederum unterstellen zu können, dass sich unterschiedliche nationale Medienlandschaften nicht nur hinsichtlich allgemeiner Strukturdaten wie beispielsweise der Angebotspalette medialer Produkte oder der rechtlichen Ausgestaltung und Konzentration des Mediensektors, sondern vor allem auch inhaltlich voneinander abgrenzen lassen, wofür die Existenz von sprachlich und kulturell abgrenzbaren Sinnräumen als wichtigstes Indiz genannt wird. Sprachliche und kulturelle Barrieren begründen demnach die Unverträglichkeit und damit die segmentäre Differenzierung medialer Kommunikation, womit sich eine vergleichende Medienforschung folglich erübrigt hätte.

Die These der Emergenz einer europäischen Öffentlichkeit ist vor allem deshalb so provozierend, weil sie die methodologischen Grundlagen und das Doxa der Medienwissenschaften über die Natur und Beschaffenheit nationaler Öffentlichkeiten unterläuft. Die systemtheoretische Erwartung, dass sich au
ch das Mediensystem letztendlich aller Widerstände zum Trotz weltgesellschaftlich ausdifferenziert, wird von Kommunikationswissenschaftlern vehement widersprochen. Bei Luhmann selbst (1997: 202ff.) wird diese Erwartung dahingehend präzisiert, dass sich sehr wohl Verbreitungsmedien als auch die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien weltgesellschaftlich differenziert haben, damit aber den Widerstand von Sprache als das basale Gebrauchsmedium nicht ohne weiteres brechen können. Die Reichweite von Sprache begrenze allerdings nicht die prinzipielle Anschlussfähigkeit für Kommunikation und die Diffusion der durch sie transportierten Sinn- und Bedeutungsgehalte, sondern lediglich die faktische und momentane Erreichbarkeit des durch sie Bezeichneten für eine variable Größe der aktuell anwesenden oder aufmerksamen Kommunikationsteilnehmer (Sprecher und Publika).

Die fortschreitende Sektoralisierung der Massenmedien hat einerseits für eine weltweite Erreichbarkeit und Anschlussfähigkeit kommunikativer Inhalte Sorge getragen, andererseits aber der Trägheit der segmentären Differenzierung nationaler Medienräume bislang kaum etwas anhaben können. Trotz unübersehbarer Tendenzen der internationalen Kulturvermarktung und Unterhaltungsindustrie werden vor allem politische Nachrichten nach wie vor national kontextualisiert. Bei der Beobachtung aktueller Medienkommunikation erscheint es deshalb bis auf weiteres sinnvoller, geographische, nationale oder wirtschaftliche Grenzen zwischen Gesellschaften zu ziehen, deren jeweilige Journalismus-Systeme zu beschreiben und zu typologisieren statt das Konstrukt einer Weltgesellschaft als Referenz einzuführen (Weischenberg 2001: 275). Dies ist auch eine Frage nach dem Handlungs- und Organisationssystem des Journalismus. Journalismus kommt in der jeweiligen Gesellschaft zustande (a.a.O.: 274, kursiv i. O.) und rekurriert seine Käufer und Konsumenten in regional abgrenzbaren Märkten.

Darüber, inwiefern die Segmentierung
nationaler Medienlandschaften durch die Europäisierung medialer Öffentlichkeiten bzw. durch die Ausdifferenzierung einer genuin europäischen Medienöffentlichkeit verändert wird, liegen nur wenige gesicherte Erkenntnisse vor. Solange es keine repräsentative europäische Tageszeitung oder einen europäischen Fernsehkanal gibt, sieht sich die Medienwissenschaft kaum zu einer Revision ihres fundamentalen Credos veranlasst. Ist der Befund aber auch zutreffend, wenn man die europäische Publizistik als ein spezialisiertes Leistungssystem der Medien mit der Funktion der Herstellung von umfassender Sichtbarkeit und Anschlussfähigkeit europapolitischer Kommunikationen innerhalb der nationalen Medienöffentlichkeiten betrachtet, der zusätzlich noch die Aufgabe zufällt, für die Selbstbeschreibung und Kollektivrepräsentation des europäischen Integrationsprozesses Sorge zu tragen? (Marcinkowski 1993: 47)

Der Frage nach einer Europäisierung nationaler Medienabsatzmärkte und damit der Möglichkeit, dass gleiche Produkte auf unterschiedlichen Märkten angeboten werden, die dabei vergleichbare Angebots- und Nachfragestrukturen herausbilden, ist nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Nationale Märkte, die von einem nationalen Journalismus bedient werden, können nichtsdestotrotz ihre Fühler und Antennen auf gemeinsame europäische Themen und Ereignisse ausrichten, um damit ihren jeweiligen Publika eine ähnliche Angebotspalette von Nachrichten zu unterbreiten und eine allmähliche Umschichtung bzw. Annäherung national eingefahrener Beobachtungsweisen und Präferenzen zu fördern (van de Steeg 2003).
EAN: 9783593378824
ISBN: 3593378825
Untertitel: Die europäische Integration im Spiegel nationaler Öffentlichkeit. 'Campus Forschung'.
Verlag: Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum: November 2005
Seitenanzahl: 436 Seiten
Format: kartoniert
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