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Die Leipziger Prozesse


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März 2003

Beschreibung

Beschreibung

Ein Strafverfahren der Siegerm¿te gegen deutsche Kriegsverbrecher - wie 1945/46 in N¿rnberg - sollte schon nach dem Ersten Weltkrieg stattfinden. Die Erbitterung ¿ber die deutsche Kriegf¿hrung, die sich an der Bek¿fung des angeblichen belgischen Volkskriegs und der Behandlung der Kriegsgefangenen, an dem uneingeschr¿ten U-Bootkrieg und der Politik der verbrannten Erde festmachte, war zu gro¿ als da¿in einem Friedensvertrag wie ¿blich eine Amnestie h¿e vereinbart werden k¿nnen. Gerd Hankel analysiert warum es zu den damals geplanten Verfahren nicht kam und welch weitreichende Konsequenzen diese Entscheidung mit sich brachte. Die Alliierten verzichteten auf ihre Durchf¿hrung vor allem, weil sich Deutschland bereit erkl¿e, die Beschuldigten selbst vor das h¿chste deutsche Gericht, das Reichsgericht in Leipzig, zu stellen. Von den etwa 900 deutschen Milit¿ und Zivilpersonen, deren Auslieferung verlangt worden war, und den vielen Hundert, gegen die Deutschland, um seinen guten Willen zu demonstrieren, aus eigener Initiative Ermittlungen eingeleitet hatte, wurden letztlich nur sieben verurteilt (zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und f¿nf Jahren) und zehn freigesprochen. Alle anderen Verfahren endeten mit einem Einstellungsbeschlu¿- der letzte erging 1931. Ungeachtet der Ergebnisse im konkreten Fall mu¿e in diesen Verfahren jedoch zum ersten Mal zur Rechtm¿gkeit von Kriegshandlungen Stellung genommen werden. Was ist ¿berhaupt ein Kriegsverbrechen? Inwiefern unterscheidet es sich von einem gew¿hnlichen Verbrechen? Wann macht sich ein Soldat strafbar? Auch wenn die Antworten der deutschen Justiz auf diese und ¿liche Fragen fast durchweg g¿nstig f¿r die Beschuldigten waren, traten die Unterschiede zwischen der deutschen und der internationalen Auffassung von Kriegsrecht, zum Beispiel im Hinblick auf die sogenannte Kriegsnotwendigkeit, die Behandlung von Zivilsten und Partisanen oder von Kriegsgefangenen, doch deutlich zu Tage. Zugleich lassen die unterschiedlichen Antworten aber auch die Grenzen des Kriegsrechts und der strafrechtlichen Ahndung von Kriegsverbrechen deutlich werden. Die Massivit¿der Gewaltanwendung, die Un¿bersichtlichkeit des Geschehens und dessen propagandistische ¿erzeichnung erschwerten in vielen F¿en die Beweisf¿hrung oder machten die Zuweisung einer konkreten Verantwortlichkeit unm¿glich. Doch ob die Urteile und Beschl¿sse nun letztlich auf nationalistische Parteilichkeiten und/oder auf unklaren Tatherg¿en beruhen, in jedem Fall festigten sie auf deutscher Seite ein Kriegsverst¿nis, in dem das Kriegsziel als jederzeit nutzbare Rechtfertigung erschien. Darin ist, wie der Autor am Ende der Untersuchung darstellt, ein entscheidender Grund f¿r die nahezu v¿llige Mi¿chtung des Kriegsrechts im Zweiten Weltkrieg zu sehen. ¿Die kriegerische Gewalt dem Feinde gegen¿ber unterliegt von Haus aus keinen rechtlichen Schranken. ¿ (A. Romen, C. Rissom, Milit¿trafgesetzbuch/Kommentar, Berlin 1918, S. 390 und 569).

Portrait

Gerd Hankel, Dr. jur., geboren 1957, Sprachwissenschaftler und Jurist, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Das Buch ist die überarbeitete Fassung einer Dissertation, mit der er 2001 an der Universität Bremen promovierte. Zur Zeit arbeitet er an einer Untersuchung über die juristische Aufarbeitung des Genozids in Ruanda.

EAN: 9783930908851
ISBN: 3930908859
Untertitel: Deutsche Kriegsverbrechen und ihre strafrechtliche Verfolgung nach dem Ersten Weltkrieg.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: März 2003
Seitenanzahl: 550 Seiten
Format: gebunden
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