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Was Kindern zusteht


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Mai 2008

Beschreibung

Beschreibung

Eine knappe Einführung in die pädagogische Theorie Janusz Korczaks

- Die erste Systematisierung von Korczaks »Pädagogik der Achtung«

Da Janusz Korczak seine Gedanken nicht in methodischen Abhandlungen, sondern überwiegend in literarischen Texten entfaltete, schien seine »Pädagogik der Achtung« in den Augen vieler kein wirkliches System zu haben. Diesem Vorurteil begegnet Friedhelm Beiner mit dem vorliegenden Buch. Er arbeitet die Propria von Korczaks Pädagogik heraus, systematisiert sie und zeigt so auf, wie Pädagoginnen und Pädagogen sie noch heute fruchtbar zum Einsatz bringen können.

Portrait

Friedhelm Beiner, geb. 1939, Dr. phil., ist emeritierter Universitätsprofessor für Erziehungswissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Er war viele Jahre Vorsitzender der Deutschen Korczak-Gesellschaft und Vorstandsmitglied der International Janusz Korczak Association. Er ist international anerkannter Experte für Leben und Werk des polnisch-jüdischen Kinderarztes, Erziehers und Poeten Janusz Korczak und Herausgeber und Kommentator der "Sämtlichen Werke" des Janusz Korczak (16 Bände) in deutscher Sprache (unter Mitwirkung von Erich Dauzenroth).

Leseprobe

Was Kindern zusteht. - Was steht Kindern zu?
Wen für Kinder Verantwortlichen würde solch eine Frage nicht brennend interessieren?
Dieses Buch gibt fragenden Erziehern keine abstrakte, sondern eine beispielhafte Antwort. Es wird die gelebte Pädagogik der Achtung sowie das progressive Erziehungssystem des polnisch-jüdischen Kinderarztes, Poeten und Erziehers Henryk Goldszmit / Janusz Korczak beschrieben, dessen Leben und Werk in einzigartiger Weise verdeutlichen, was Kindern zusteht und was sie für eine humane Entwicklung benötigen.
Eine Besonderheit der Darstellung ist die Nähe zum Original, weshalb alle Aussagen mit Korczak-Zitaten und nachprüfbaren Fundstellen belegt werden. Die Nachweise beziehen sich auf die erste deutsche Gesamtausgabe der Werke Korczaks:
- Janusz Korczak: Sämtliche Werke. Band 1 bis Band 15. Gütersloh 1996-2005.
Für die Klärung von Fakten und Zusammenhängen, die Korczaks Biographie und Werk tangieren, wird zusätzlich vor allem auf folgende Quellen und Forschungsergebnisse zurückgegriffen:
Maria Rogowska-Falska: Zaktad wychowawczy Nasz Dom. Szkic infomacyjny. (Die Erziehungsanstalt Nasz Dom. Eine Informationsskizze.) Warszawa 1928, Wiederabdruck 1959.
Ida Merzan: Aby nie ulegto zapomnieniu. (Auf dass nichts in Vergessenheit gerät.) Warszawa 1987.
Janusz Korczak in der Erinnerung von Zeitzeugen. Mitarbeiter, Kinder und Freunde berichten. Gütersloh 1999.
Da diese Textsammlung sowohl die vollständige literarische Hinterlassenschaft Korczaks als auch die wichtigsten Zeitzeugenberichte über seine Erziehungspraxis enthält, müssten sich die Charakteristika der Korczakschen Reformpädagogik aus diesen Quellen erschliessen lassen. Indes, trotz ihres progressiven Charakters und ihrer historischen und aktuellen Bedeutung gibt es bis heute (international) keine vollständige und systematische Rekonstruktion der Pädagogik des polnischen Reformers. Das hat mehrere Gründe:
Die Veröffentlichungen der ersten Jahre nach dem Z
weiten Weltkrieg galten vor allem der Person Korczaks. Er wurde wegen seines heroischen Todes mit seinen Kindern, aber auch mit Bezug auf sein Leben für Kinder verehrt. Dass sich hinter seinem tragischen Ende und der vorbildlichen Biographie, die schon bald auch Gegenstand internationaler Filme wurde, auch ein wegweisendes pädagogisches Konzept verbarg, wurde nur selten erkannt und bis heute nicht angemessen gewürdigt. (Das erklärt wohl auch, dass es in Deutschland nur wenige Pädagogen und Erzieher gibt, die den Korczakschen Ansatz kennen - ganz zu schweigen von einer Umsetzung seiner Erfahrungen und Erkenntnisse in die eigene Praxis.)
Das umfangreiche Schrifttum Korczaks wurde nach seiner Ermordung nur nach und nach wiederentdeckt, bearbeitet und veröffentlicht. An der grundlegenden polnischen Gesamtausgabe seiner Werke arbeiten seit vielen Jahren qualifizierte Pädagogen und Philologen. Der erste Band erschien 1992, der sechzehnte wird in Kürze erscheinen. Eine Übersetzung ins Hebräische ist seit einigen Jahren in Arbeit. Für eine deutschsprachige Gesamtausgabe wurden die Korczak-Texte des polnischen Herausgeberteams übernommen, aber nach eigenem Konzept zusammengestellt und kommentiert.
Der letzte Band der Sämtlichen Werke (dt.) konnte Ende 2005 ausgeliefert werden. Das Gesamtwerk umfasst über 6.400 Seiten Korczak-Texte und 900 Seiten Kommentare. Die Quellenlage für eine Analyse von Korczaks pädagogischer Theorie und Praxis war bis dato also eher unbefriedigend, was natürlich eine fachwissenschaftliche Rekonstruktion erschwerte.


Der vielleicht wichtigste Grund für das Fehlen einer systematischen Darstellung der Korczakschen Pädagogik liegt in den Texten selbst. Korczak war von seinem Studium her Mediziner, daneben - von seiner Berufung her - nicht nur Pädagoge, sondern auch Schriftsteller. Alle seine Veröffentlichungen, auch die mit unmittelbarem pädagogischem Bezug, sind - ähnlich wie Pestalozzis Schriften - narrative Texte. Korczaks Veröffe
ntlichungen ähneln vom Stil her eher Erzählungen als Lehrbuchtexten oder Forschungsberichten und sind darum wissenschaftlich-systematisch nicht leicht zu erschließen.
Auf diesen Punkt hat schon Hartmut von Hentig, der erste namhafte Korczak-Interpret und Laudator bei der posthumen Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Janusz Korczak, hingewiesen, als er 1972 feststellte, dass Korczak kein Systematiker war. Diese Feststellung wurde dann nach 1972 von fast allen Autoren, die über Korczak schrieben, sinngemäß wiederholt, ohne freilich - wie von Hentig selbst es noch getan hatte - daraus Konsequenzen für ihre wissenschaftlichen Analysen und Beschreibungen der Korczak-Pädagogik zu ziehen. Denn von Hentig hatte in Fortsetzung zu obigem Zitat festgestellt: Gleichwohl - er (Korczak) war ein Praktiker und hat Maßnahmen getroffen. In ihnen steckt >SystemAuch Stanislaw Papuzmski, ein polnischer Pädagoge, der noch Zuhörer in Korczaks Vorlesungen war und sich mit ihm über Fachfragen unterhalten konnte, verweist rückblickend auf die pädagogischen Institutionen und nennt sie in ihrem funktionalen Zusammenspiel ausdrücklich ein System. Papuzmski schreibt: Im System Korczaks wurde eine ungeheure Konzentration des Denkens und Handelns sichtbar. Welches waren die wichtigsten Eigenschaften dieses Systems? Die bewusste Ablehnung jeglicher Improvisation und Zufälligkeit in der Erziehung. Alle Tätigkeiten in der Erziehungsanstalt wie die Dienste, die Selbstverwaltung, das Gericht, die Plebiszite, das Notariat, die Sammlung der Erinnerungen der Kinder >von klein aufDieses System mit allen darin vorgefundenen Maßnahmen, unter Heranziehung aller narrativen Charakterisierungen und Begründungen verstehbar und nachvollziehbar zu machen, ist Anliegen dieses Buches.
Begonnen wird mit der Frage nach dem Ausgangspunkt, mit der Klärung des Grundes für eine Lebenslinie, die auf ein ganz bestimmtes Ziel zustrebte. Es war die seit seiner Kindheit herangereifte Entscheidung
des jungen Arztes Goldszmit / Korczak, den Kindern der Welt zu helfen, sich aus ihren gesellschaftlichen und schein-pädagogischen Zwängen einer unterdrückten Klasse zu emanzipieren. Korczaks Entscheidung für einen Dienst am Kind in diesem Sinne hatte dann Folgen für sein Denken und Handeln. Er wechselte von der Medizin zur Pädagogik.
Ein bedeutsames Charakteristikum seiner sich entwickelnden Pädagogik war eine zirkuläre Verknüpfung von Theorie und Praxis. Seine kindbezogenen Gesellschaftsanalysen gingen Hand in Hand mit praktischen pädagogischen Hilfen für die Kinder zweier Waisenhäuser, die es ihnen ermöglichten, sich für ihre Belange selbst einzusetzen.
Im Buch wird gezeigt, wie sich bei Korczak Theorie und Praxis zueinander verhielten und welches Bild vom Kind ihnen zugrunde lag. Da sein Bild vom Kind, entgegen den damals gängigen Vorstellungen, vor allem durch die dem Kind zugebilligten Rechte bestimmt war, werden die Kinderrechte im Verständnis Korczaks expliziert. Der vorläufige Katalog der von ihm proklamierten Grundrechte umfasst Das Recht des Kindes auf den Tode, Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag und Das Recht des Kindes, das zu sein, was es ist. Diese drei und zahlreiche Unter-Rechte münden in dem zusammenfassenden Recht des Kindes auf Achtung.
In welcher Weise das von Immanuel Kant zu Beginn der Menschenrechtsdiskussion geforderte Recht des Menschen auf Achtung mit dem Korczakschen Recht des Kindes auf Achtung korrespondiert, wird wegen der Bedeutung dieses Themas für Korczaks Pädagogik in einem historischen Rückblick geklärt.




EAN: 9783579080413
ISBN: 3579080415
Untertitel: Janusz Korczaks Pädagogik der Achtung. Inhalt - Methoden - Chancen.
Verlag: Guetersloher Verlagshaus
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: 160 Seiten
Format: gebunden
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