HUDU

Tagebücher V. Strahlungen IV. Siebzig verweht II


€ 45,00
 
gebunden
Sofort lieferbar
Januar 1982

Beschreibung

Beschreibung

Deutlich rücken in den Tagebüchern des späten Jünger seine zeitkritische Sicht und das Verhältnis des Autors zu seinem eigenen Werk ins Zentrum der Reflexionen. Der Gegenwartskunst steht er skeptisch gegenüber - jedoch nimmt er vieles davon erst gar nicht zur Kenntnis.
Eingestreut sind zudem Berichte über die Arbeit an eigenen Werken, etwa den »Subtilen Jagden«, »Drogen und Rausch« oder der »Zwille«. Nicht nur als textgenetische Quelle interessant, sind die Tagebücher indes auch Ausdruck von Jüngers Selbststilisierung, die von der Kritik wiederum kontrovers bewertet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Erste Abteilung Tagebücher V:
Siebzig verweht II.

Portrait

Ernst Jünger, geb. in Heidelberg am 29. 3. 1895, war Soldat in der Fremdenlegion, dann in der Reichswehr und der Wehrmacht. Er ist der Bruder von Friedrich G. Jünger. Seine Schriften 'In Stahlgewittern' (Tageb., 1920), 'Der Kampf als inneres Erlebnis' (Essay, 1922) und 'Feuer und Blut' (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. Später Schriften gegen Gewalt und Macht. Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke.

Leseprobe

Siebzig verweht II

Wilflingen, 3. April 1971
Gesät: Spinat, Mangold, Weiße Rüben, Braun- und Rosenkohl, Zuckermais, Petersilie. In der stahlblauen Nieswurz leuchten die weißen Staubfäden.

Korfu, 30. April 1976
[...] Wir fuhren an einem Eiland vorüber, das Böcklin als Modell zur Toteninsel gedient haben soll. Das schien mir glaubwürdig, obwohl ich das gleiche im Golf von Neapel gehört habe. Immerhin ein Zeichen dafür, daß ein Typus getroffen worden ist.
*
Abends wieder Leuchtkäferjagd. Auch Kinder, die sich daraus ein Vergnügen machten, trugen dazu bei und brachten ihre Beute in Streichholzschachteln an.

Wilflingen, 28. Oktober 1979
Nachmittags in Saulgau, zu einer Ausstellung des -uvres von Otto Dix, dem ich leider nur ein Mal im Leben begegnet bin.
Gut gefiel mir ein Selbstbildnis von unerbittlicher Präzision, gut auch eine Szene mit Dämonen im Stil des Isenheimer Altars. Allerdings ergibt sich das Dilemma des Vergleiches in der Konfrontation. Diesen Einwand hat Horst Janssen in seinem genialischen Werk Die Kopie (1977) nach Goya, Watteau, Hokusai und ein paar Dutzend anderen nicht erst aufkommen lassen: Den Laden, in dem ich geklaut habe, möchte ich genannt wissen. Ein erstaunliches Werk, Hellenismus der abendländischen Malerei - und das nebenbei.
Wie mögen unsere Maler, die den Zweiten Weltkrieg überlebten, wie Dix, Schlichter, Beckmann, Max Ernst nicht zu vergessen, der Zeit standhalten - einmal innerhalb der nationalen, dann im Vergleich zur französischen Kunst? Mancher vielleicht wie einer, dem ein Mal im Leben ein unvergeßliches Gedicht gelang. Freilich, wer malen kann, hat eine gewisse Konstanz in der Leistung; das beruht schon auf der erworbenen Technik (die den Dichter eher schädigt) oder, wie die Alten meinten, auf größerer Nähe zum Banausentum.


EAN: 9783608934755
ISBN: 3608934758
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 1982
Seitenanzahl: 641 Seiten
Format: gebunden
Es gibt zu diesem Artikel noch keine Bewertungen.Kundenbewertung schreiben