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Beckenboden Power


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September 2002

Beschreibung

Beschreibung

Urkraft spüren, Sinnlichkeit genießen!

Das neue Buch von Erfolgsautor Eric Franklin hält ein dynamisches Beckenboden-Training für SIE und IHN bereit. Es verbindet gezielte Muskelaktivität mit Imagination, die kreativ beweglich macht und mit Schwung und Spaß den Energiefluss fördert. Die äußerst wirksamen, originellen Übungen basieren auf östlich/westlichen Techniken, lassen wohltuende Entspannung spüren, stärken Chakren, Organe und Potenz. Beckenboden-Power hilft, den Alltag lustbetont und energievoll anzupacken und zeigt, wie daraus ein Ja zum Leben wird.

Portrait

Eric Franklin, geb. 1957, ist Tänzer, Bewegungspädagoge und Dozent; veranstaltet Diplom- und Weiterbildungskurse in der Franklin-Methode sowie Tanz- und Bewegungsworkshops in Europa, Asien und den USA. Er ist erfolgreicher Autor und Leiter des Instituts für Franklin-Methode in Wetzikon/Schweiz.

Leseprobe

Rätselraten Beckenboden


Ein Tag in Zürich während meiner Seminare: Wir sind mitten in einem Beckenboden-Kurs und üben das Aufstehen und Absitzen als Beckenboden-Training im Alltag. Ich stelle die Frage: Dehnt sich der Beckenboden beim Aufstehen oder ziehen sich die Muskeln zusammen? Unsicherheit liest sich in den Gesichtern der Kursteilnehmer, ihr Urteil ist geteilt: Er spannt sich, Er zieht sich zusammen, Beides - viele sagen gar nichts. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Frage stelle, und immer wieder stelle ich fest, dass bei den meisten Teilnehmer/innen ein großes Rätselraten beginnt, auch bei denjenigen, die Beckenboden-Training sogar selbst unterrichten. Dabei wäre alles so einfach, wenn man den Beckenboden wahrnehmen könnte und somit die Funktion der Muskeln und Gelenke klar wäre. Doch wer nicht spürt, der muss glauben - nämlich an die Wirksamkeit der angebotenen Übungen und dies in einer Zeit, in der ohne Warentest beinah nichts mehr gekauft wird. Der Beckenboden ist sagenumwobenes Gebiet, für viele immer noch ein Ort der Peinlichkeit, der verschwiegenen oder gar unterdrückten Gelüste. Bei dem einen zu schlaff, beim andern zu eng, aber selten in der Balance. Hier sind die Regeln der Biomechanik aufgehoben, man verlässt sich auf das Hörensagen, und doch erscheint der Beckenboden maßgeschneidert dem aufrechten Gang angepasst. Bis vor wenigen Jahrzehnten kaum relevant und in medizinischen Fachbüchern versteckt, jetzt mit Aufmerksamkeit überhäuft, aber nach wie vor die Domäne der Frau - echte Männer essen keine Erdbeertorte und trainieren ihren Beckenboden nie ... In diesem Buch wagt es ein Mann (der Autor), etwas über diesen Bereich mitzuteilen (obwohl er zugibt, in seinem Körper die Geburt nicht erlebt zu haben - höchstens auf symbolischer Ebene), aber tat es mit Sympathie und eigener Beckenbodenwahrnehmung.


Was der Beckenboden leistet


Der Beckenboden hat zwei Hauptaufgaben: Er ist ein tragender Boden für di
e inneren Organe und ein Durchgang für die Harnröhre, die Sexualorgane, den Enddarm und natürlich bei der Geburt für das Baby. Ein guter Boden ist stark und undurchlässig, ein Durchgang ist offen. Die Aufgaben des Beckenbodens enthalten Gegensätze, die nur mithilfe von genügend Elastizität und Anpassungsfähigkeit im Gewebe gelöst werden können. Ohne geistige Anpassungsfähigkeit aber hat es der Körper schwer, mitzuhalten, denn Gedanken sind eine Non-stop-Instruktion an den Körper, deshalb begleiten wir die Übungen mit viel Imagination, die für den nötigen Ausgleich sorgt. Der Beckenboden hat auch andere Verpflichtungen: Er ist ein Gegenspieler wichtiger Atemmuskeln und wirkt bei der Atmungskoordination mit. Der Beckenboden spielt bei der koordinierten Auslösung von fast jeder Bewegung, für das Gleichgewicht und für eine gute Körperhaltung eine entscheidende Rolle. Viele Rücken-, Knie- und Fußprobleme könnten durch ein bewusstes Training des Beckenbodens kuriert werden.
Die Mehrheit der Bevölkerung hat irgendwann im Leben ein Rückenleiden. Eine gute Kenntnis der Beckenbodenfunktion könnte einen großen Teil dieser Probleme mildern oder gänzlich lösen. Der Beckenboden ist wichtig für die Körperzentrierung, für das Gefühl des Getragenseins, für den Dialog mit der Schwerkraft, für die Wahrnehmung des Bodens.
Nach fernöstlicher Tradition befindet sich hier das so genannte Wurzelchakra, das Muladhara. Dieses Chakra ist das unterste von sieben (oder mehr) Energiezentren, die den Körper in aufsteigender Reihe durchlaufen und unser spirituelles Potenzial darstellen. Die Energie des Wurzelchakra beeinflusst neben dem Beckenboden auch die Beine und Füße - in diesem Punkt stimmt auch die Lehre der Biomechanik zu. In östlichen Techniken (Yoga, Tantra etc.) geht es unter anderem um die Umwandlung der Beckenboden-Energie von einer rein körperlich orientierten zu einem Fundament des spirituellen Aufbaus. Im übertragenen Sinne ist das Muladhara unsere Wurzeln, die Erde, auf d
er wir stehen, sagt der renommierte Psychologe C.G. Jung. (Commentary on Kundalini Yoga, 1932)
Ein elastisch kraftvoller Beckenboden spielt auch für die Sexualorgane eine wichtige Rolle, denn der freie Fluss ihrer Energie hat wesentliche Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und die Vitalität und auch darauf, wie wir den Alltag anpacken.
Der Hauptunterschied zwischen dem männlichen und weiblichen Becken ist durch die Körperöffnungen gegeben: Männer haben davon zwei, Frauen drei, denn bei ihnen kommt neben Harnröhre und After noch die Vagina hinzu. In diesem Sinne (bitte keine Drohbriefe) ist der männliche Beckenboden evolutionär gesehen primitiver aufgebaut als der weibliche. Dafür hat er im Allgemeinen mehr Kraft. Der weibliche Beckenboden ist aus Geburtsgründen elastischer, der männliche neigt wegen Trainingsmangel und Sitzüberfluss eher zu Unbeweglichkeit. Deshalb ist das Übungsprogramm in gewissem Masse schon vorgegeben: mehr Beweglichkeit für den Mann, Kraftaufbau für die Frau.


Evolution des Beckenbodens


Der Beckenboden ist in der Evolutionsgeschichte ein junges Ereignis. Erst der aufrechte Gang machte diese Einrichtung notwendig, denn beim Vierbeiner ist der Boden des Körpers die Bauchwand und die Vorderseite des Brustkorbs. Um zu verstehen, wie der Beckenboden zustande kam, visualisieren wir im Super-Zeitraffertempo die menschliche Entwicklung in die Aufrechte. Der Mensch und auch der Affe sind im Prinzip ein Vierbeiner, deren Beine horizontal nach hinten
ausgestreckt waren, dann aber um 90 Grad gedreht wurden. Auf einmal ruhte das Gewicht der inneren Organe nun nicht mehr auf der Bauchwand, sondern im Becken. Damit unser Gedärm nicht schmählich zu Boden fiel, musste jetzt der Schwanz, welcher bis dahin eher nach hinten zeigte, eilig verkürzt nach vorne gezogen werden, um den neuen Boden abzuschließen. Darüber hinaus wurden die Muskeln, die ursprünglich den Schwanz bewegten, verstärkt und das Bindegewebe dicker gemacht
. Auf das Steißbein werde ich später noch ausführlicher zu sprechen kommen, zunächst aber wollen wir uns der Bedeutung von Bewegung und Imagination beim Training des Beckenbodens bewusst werden.

Beckenboden-Training und Imagination


In diesem Buch werden Sie Bewegungs-, Vorstellungs- und Berührungsübungen finden. Diese drei Übungsformen in Kombination sind die Elitetruppe, mit der viele körperliche Probleme erfolgreich in die Flucht geschlagen werden können und ein ganzheitlich gesundes Bewegungsverhalten erzielt werden kann. Dabei müssen wir kein kriegerisches Denken aufkommen lassen, im Gegenteil: Innenschau und Körperbewusstsein sind gefragt. Die meisten Übungen in diesem Buch basieren auf der Franklin-Methode, welche ich über die Jahre aus der Ideokinese weiterentwickelt habe. Die Ideokinese ist eine körpertherapeutische Methode, die auf das Verbessern von Kraft, Beweglichkeit und Koordination mithilfe von inneren Vorstellungsbildern setzt. Weitere Quellen, die diesem Buch zugrunde liegen, sind das Integrale Yoga, das von Bonnie Cohen begründete Body-Mind-Centering und verschiedene Formen des Tanzes.


Die Ballonübung


Halten Sie Ihren rechten Arm horizontal vor sich ausgestreckt. Stellen Sie sich vor, Ihr Arm sei ein schwebender Luftballon. Sie können sich auch denken, dass Hand, Unterarm und Oberarm einzelne sanft zusammengeknüpfte Ballons sind. Nun bewegen Sie den Arm etwas nach oben und nach unten, immer mit der Idee, dass Ihr Arm ein schwebender Ballon ist. Wenn Sie Ballons nicht schätzen, können Sie sich den Arm als schwebende Wolke oder als Feder vorstellen, die auf einem Windhauch treibt.
Versuchen Sie, sich vollends auf den Arm als Ballon zu konzentrieren. Diese Übung sollten Sie mindestens zwei Minuten ausführen, bis sich Ihre Muskeln
beginnen, etwas müde zu fühlen - wir wollen ja schließlich eine Trainingswirkung haben, und die erzielt man nur, wenn man ein wenig dranbleibt. Wenn Sie nun de
n Arm wieder nach unten senken und das Gefühl in beiden Armen vergleichen, so hoffe ich, dass Sie feststellen (außer der Müdigkeit im trainierten Arm), dass die Schulter auf der Ballon-Armseite tiefer und der Arm überhaupt etwas lockerer ist. Wenn Sie nun zum Vergleich beide Arme in die Hochhalte führen, so wird die Schulter auf der Ballonseite etwas elastischer sein.


Elastische Kraft, fließendes Chi


Warum ist die geschilderte Ballonübung so wirksam? Wenn man mit einem
entsprechenden Bild trainiert, kann man sowohl lockerer werden als auch
an Kraft gewinnen, und genau das braucht der Beckenboden: elastische Kraft.
Ein gehaltener Beckenboden führt zu Verstopfung und Unbeweglichkeit in
Wirbelsäule und Beinen, ein schlaffer Beckenboden zu Inkontinenz, dem unwillkürlichen Abgang von Harn. Auch bei der Geburt braucht es elastische Kraft.
Der Beckenboden muss also selektiv elastisch und zugleich kräftig sein.
Die Wirkung der Armballon-Übung beruht auf einer verbesserten Wahrnehmung und Stellungsempfindung (Propriozeption), was die Beweglichkeit verbessert, und auf der besseren Durchblutung. Man könnte sagen, die Wirkung beruhe allein auf der Bewegung, aber ein Experiment zeigt das Gegenteil: Wenn wir den Arm nach vorne strecken und uns vorstellen, er sei ein Eiszapfen, so erreichen wir danach keine verbesserte Elastizität in der Schulter. Erst wenn das Eis schmilzt, haben wir eine Chance, beweglicher zu werden. Zudem gibt es jetzt neuere Studien, die zeigen, dass man mithilfe von nur visualisierter Bewegung auch an Kraft gewinnen kann.
Fernöstliche Gesundheitstechniken erlauben ebenfalls eine Erklärung für die
Erfolge der Ballon-Übung: Imagination steuert die Qualität und den Ort der
Aufmerksamkeit und lenkt die Energie oder das Chi. Das Chi ist eine Form der
Lebensenergie, die alles durchfließt und sämtliche Lebensprozesse aufrechter
hält. Mangelt es an Chi, sind die Funktionen des Körper
s abgeschwächt. Die
längst auch in westlichen medizinischen Kreisen angewandte Akupunktur und
andere Druckpunkttechniken beeinflussen das Chi ebenfalls. Aber auch die Akupunktur basiert auf ursprünglichen Visualisationsmethoden. Meine Erfahrungen
in China haben gezeigt, dass die dortigen Chi-Gong-Meister sich mit unseren
westlichen Visualisationsmethoden, wie sie in diesem Buch angeboten werden,
gut identifizieren können. Für sie ist es Chi-Training.
Die Qualität des Chi, die wir aufnehmen, ist nicht immer gleich, das ist nicht
anders als bei Nahrungsmitteln. Will man das Beckenboden-Muladhara nähren,
so ist dies nur durch ein energetisch und geistig qualitativ hohes Chi-Verhalten
zu erzielen. Ebenso wie die Reinigung des Körpers für die Gesundheit wichtig ist, ist auch die Entstopfung und Reinigung des Chi von großer, sogar von primärer Bedeutung. Das Chi fließt in subtilen Kanälen, Nadis genannt. Einige von diesen Nadis sind mit dem Beckenboden verbunden, andere entspringen den inneren Organen und zirkulieren durch den ganzen Körper.


Chi-Clearing


Wir stellen uns vor, dass unser Körper von vielen Energieflüssen durchströmt wird. Diese Energieflüsse sind sehr angenehm und nähren jedes Gewebe, jede Zelle. Wir stellen uns vor, dass diese Energie ungehindert fließen kann und dass sämtliche Barrieren dahinschmelzen. Wir stellen uns vor, dass durch unsere Atmung die Energie heller und von allem Ruß und Staub befreit wird, sie ist klar und rein. Wir wünschen uns Gedanken, die unseren Energiefluss harmonisieren, ausgleichen und reinigen.


Chi aufbauen


Diese Übung ist auch in meinem Buch Entspannte Schultern, gelöster Nacken zu finden. Wir werden sie jetzt jedoch auf den Beckenboden beziehen. Wir reiben unsere Hände zusammen, bis etwas Wärme entsteht. Nun halten wir die Hände so, dass die einander zugewandten Handinnenflächen etwa zehn Zentimeter voneinander entfernt sind.
Wir konzentrieren uns auf den Raum zwischen den Händen. Wir bewegen die Hände ein wenig auseinander und wieder zusammen. Wahrscheinlich spüren wir etwas zwischen den Händen: eine Energie, ein Kribbeln, ein magnetisches Gefühl, einen Druck, einen Zug. Wir stellen uns die Sitzhöcker des Beckens vor. Zwischen diesen Knochenvorsprüngen, auf denen wir, wie der Name besagt, vorzüglich sitzen können, liegt ein Großteil der Beckenboden-Muskulatur. Wir stellen uns vor, dass zwischen den Sitzhöckern des Beckens ebenfalls diese Energie, dieses magnetische Gefühl zu finden ist. Wir testen den Einfluss dieser Wahrnehmung auf unsere Haltung und auf unseren Gang.


Was ist sinnvolles Beckenboden-Training?

Der Beckenboden braucht dynamisches Training mit dem vielfältigen Ziel vor Augen, Körperbewusstsein, Elastizität und Kraft aufzubauen. Seit dem Beckenboden-Boom der letzten Jahre geistern jedoch Beckenboden-Übungen in den Fitness- und Gymnastikschulen herum, die diese Prinzipien zu missachten scheinen. Überrascht berichten mir Geburtshelferinnen und Rückbildungsgymnasten, sie hätten in ihren Ausbildungen erstaunlich wenig dynamische Beckenboden-Schulung erlebt. Der folgende Abschnitt soll deshalb helfen, ein Beckenboden-Training vorzustellen, das auf den Prinzipien des gesunden und wirksamen Körpertrainings aufbaut. Dies soll nicht heißen, dass nur die in diesem Buch angebotenen Übungen wirken, aber in unzähligen Übungsstunden an unserem Institut wurde bestätigt, dass sie bei Beckenbodenproblemen schnell und nachhaltig helfen und dem ganzen Menschen gut tun.

Auf der Suche nach Information


Wenn etwas im Körper nicht so funktioniert, wie man es sich wünscht, braucht man Information. Man kann diese Information ein neues Körpergefühl, Bewegungswahrnehmung oder ganz einfach eine neue Vision des Körpers nennen. Wenn wir vom Körper sprechen, so können wir die Tatsache nicht umgehen, dass wir aus Knochen, Gelenken, Muskeln, Organen, Nerven
, Gefäßen, Energieflüssen und vielem mehr bestehen. Diese Komponenten sind natürlich zu einem funktionierenden Ganzen zusammengefasst und unterstehen gewissen Regeln. Wenn man diese Regeln nicht kennt oder missachtet, entstehen früher oder später Probleme. Am besten, man lernt seinen Körper als geniales Instrument frühzeitig kennen und kann entstehende Probleme schon im Keim ersticken. Weitere Problemquellen für den Beckenboden können der Geburtsvorgang, Trainingsmangel und eine schlechte Haltung sein.
Wann haben Sie im Fitnesstraining gehört: So, jetzt ist es Zeit für etwas Beckenboden-Stretching! oder Dies ist das Fitnessgerät zum Aufbauen der Beckenboden-Kraft? Pralle Oberarmmuskeln werden zur Schau gestellt, mit dem Steißbeinmuskel des Beckenbodens brüstet sich jedoch kaum jemand. Aber kräftige, tragfähige Muskulatur entsteht nicht nur durch Krafttraining. Kräftige Bewegung entsteht, wenn das Gesamtsystem von Muskeln, Knochen und anderen Geweben koordiniert zusammenarbeitet. Das Zusammenspiel der Strukturen ist entscheidend für die effektive wirksame Kraft, und nicht die isoliert angelegte Muskelkraft.


In vielen Fällen kann zu viel Muskelkraft sogar schaden, vor allem wenn ausgewogen arbeitende Knochenhebel und zentrierte Gelenke fehlen. Vielleicht hilft ein Vergleich die Situation besser zu verstehen: Wenn mehrere Menschen (Muskeln) versuchen, ein schweres Möbel anzuheben, so koordinieren sie sich zu aller Vorteil untereinander und heben das Stück gleichzeitig und rhythmisch nach oben. Fehlt die Koordination, kann auch der Muskelprotz an dem einen Ende des Möbels die Arbeit nicht alleine leisten, das andere Ende bleibt eben am Boden liegen.
Der Mensch ist ein Phänomen: Er tut Dinge, die ihm schaden - sogar voller Eifer-, bis man ihn darauf aufmerksam macht, meist in der Form eines Schicksalsschlages oder einer Krankheit, und dann wehrt er sich oft gegen die notwendigen Änderungen, die ihm unangenehm erscheinen. Die Information, die helf
en könnte, wird nicht wahrgenommen. Der Selbstrechfertigungsreflex steht dem gelassenen Annehmen von neuen Verhaltensmustern ebenfalls im Weg. Man fühlt sich im alten Verhalten zu Hause und nimmt lieber den Schaden hin als den oftmals anstrengenden Weg der Änderung. Wer hingegen das Gefühl hat, wandelbar, plastisch, bereit und offen zu sein, ist für neue Körperinformation bereit und macht schnelle Fortschritte.
Wer seine Wahrnehmung entwickelt, baut Urteilsvermögen auf. Er kann unterscheiden, wo und wie die Übung wirkt, und ob sie etwas gebracht hat. Um eine permanente Verbesserung der Kraft, Haltung und Beweglichkeit zu erreichen, müssen sich jedoch unsere Bewegungsmuster ändern. Denn es ändert sich nur dann etwas, wenn auf der Ebene des Nervensystems ein bewusstes Umschalten stattfindet - und dies geschieht eben über die Wahrnehmung.
Übungen für einen Körperbereich auszuführen ist nicht dasselbe, wie dessen Funktion im Alltag zu erleben. Spürt man, wie der Beckenboden (fast) jede Bewegung unterstützt, ist dies ein sehr wirksames Training. Doch dies realisiert man erst, wenn man merkt, dass der Beckenboden bei fast jeder Bewegung mithilft.


Der Kaffee wird kalt


Unser Nervensystem ist so angelegt, dass wir uns bewegen können, ohne eine bewusste Kontrolle über jeden einzelnen Muskel haben zu müssen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, im Beckenboden-Training zu früh über Muskeln zu sprechen. Der Anleitung, den Arm anzuheben, können wir gut folgen. Wenn wir dieselbe Bewegung über das Aktivieren von einzelnen Muskeln ausführen wollen, sind wir bereits mit einem Problem konfrontiert. Denn das Zusammenspiel der Muskeln ist so komplex, dass unser Bewusstsein die einzelnen Vorgänge kaum innerhalb einer sinnvollen Zeitspanne steuern kann: Vordere Fasern des Deltamuskels anspannen, hintere Fasern entspannen, Sägemuskel anspannen, Latissimus Dorsi und Teres Major entspannen ... und viele Details mehr. Die Kaffeetasse zum Mund zu führen würde
eine halbe Stunde dauern, man müsste sich also an den Genuss von kaltem Kaffee gewöhnen (oder ganz damit aufhören, Kaffee zu trinken - Koffein ist ohnehin nicht sehr gut für den Beckenboden ...).
Ebenso schwierig ist es, einzelne Muskeln des Beckenbodens ohne ausgeprägtes Wahrnehmungstraining zu aktivieren. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass jemand ohne ausgezeichnete Anatomiekenntnisse und ein fast magisches Körpergefühl einzelne Beckenboden-Muskeln spontan aktivieren kann.


Pressestimmen

"Das Buch ist sehr übersichtlich gegliedert und ermöglicht durch eine klare und einfache Sprache das Verstehen der körperlichen Voraussetzungen und der Übungen. Sie sind nicht zu kompliziert und durch Fotos und Zeichnungen leicht zu erlernen."
EAN: 9783466344581
ISBN: 3466344581
Untertitel: Das dynamische Training für sie und ihn. Zahlreiche Fotos und Zeichnungen.
Verlag: Kösel-Verlag
Erscheinungsdatum: September 2002
Seitenanzahl: 152 Seiten
Format: kartoniert
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