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Die Schrecken des Eises und der Finsternis


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gebunden
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August 1996

Beschreibung

Beschreibung

Im Zentrum dieses vielschichtigen Abenteuerromans steht das Schicksal der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition der »Payer-Weyprecht-Expedition«, die im arktischen Sommer 1872 in das unerforschte Meer nordöstlich des sibirischen Archipels Nowaja Semlja aufbricht. Das Expeditionsschiff wird bald - und für immer - vom Packeis eingeschlossen. Nach einer mehr als einjährigen Drift durch alle Schrecken des Eises und der Finsternis entdeckt die vom Skorbut geplagte Mannschaft eine unter Gletschern begrabene Inselgruppe am Rande der Welt und tauft sie zu Ehren eines fernen Herrschers »Kaiser-Franz-Joseph-Land«. Einer der letzten blinden Flecke ist damit von der Landkarte der Alten Welt getilgt.
Parallel zum Drama dieser historischen Expedition erzählt Ransmayr die Geschichte eines jungen, in Wien lebenden Italieners namens Mazzini, der mehr als hundert Jahre später zum besessenen Sammler aller hinterlassenen Zeugnisse und Dokumente der »Payer-Weyprecht-Expedition« wird und schließlich ins Eismeer aufbricht, um als Passagier eines norwegischen Forschungsschiffes die Entdeckung des »Franz-Joseph-Landes« nachzuvollziehen. Aber im Verlauf seiner Recherchen zur polaren Entdeckungsgeschichte gerät Mazzini immer tiefer in die arktische Gegenwart und verschwindet schließlich, ein Schlittenreisender, in den Gletscherlandschaften Spitzbergens.

Portrait

Christoph Ransmayr wurde am 20. März 1954 in Wels, Oberösterreich geboren. Er wuchs in der Nähe von Gmunden am Traunsee auf. Er studierte von 1972 bis 1978 Philosophie und Ethnologie in Wien und arbeitete danach als Kulturredakteur und freier Autor für verschieden Zeitschriften. Ab 1982 lebte er dort als freier Schriftsteller. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Asien, Nord- und Südamerika und Irland. 1994 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach West Cork in Irland. Er verbindet in seiner Prosa historische Tatsachen mit Fiktionen. Christoph Ransmayr erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1988 den Anton-Wildgans-Preis, 1992 den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 1995 den Franz-Nabl-Preis sowie den den Franz-Kafka-Preis, 1996 den Prix Aristeion, 1997 den Kulturpreis des Landes Oberösterreich und den Solothurner Literaturpreis, 1998 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg, 2001 den Nestroy-Theaterpreis und 2004 den Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg. Im Jahr 2014 wurde er mit dem Donauland Sachbuchpreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.
EAN: 9783100629173
ISBN: 3100629175
Untertitel: Roman. Lesebändchen.
Verlag: FISCHER, S.
Erscheinungsdatum: August 1996
Seitenanzahl: 280 Seiten
Format: gebunden

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Kundenbewertungen

Igelmanu - 19.02.2016, 15:09
Erzählte Wissenschaft - einfach faszinierend!
»Unbeschreibliche Einsamkeit liegt über diesen Schneegebirgen Wenn das Strandeis nicht durch Ebbe und Fluth ächzend und klingend gehoben wird, der Wind nicht seufzend über die Steinfugen dahinstreicht, so liegt die Stille des Todes über der geisterbleichen Landschaft. Wir hören von dem feierlichen Schweigen des Waldes, einer Wüste, selbst einer in Nacht gehüllten Stadt. Aber welch ein Schweigen liegt über einem solchen Lande und seinen kalten Gletschergebirgen, die in unerforschlichen duftigen Fernen sich verlieren, und deren Dasein ein Geheimnis zu bleiben scheint für alle Zeiten ¿ So stirbt man am Nordpol, allein und wie ein Irrlicht verlöschend, ein einfältiger Matrose als Klageweib, und draußen harrt des Dahingegangenen ein Grab aus Eis und Steinen.« Die Suche nach der Nordostpassage, auch der nordöstliche Traum genannt, beschäftigte über Jahrhunderte hinweg Forscher, Händler, Politiker und Abenteurer. Irgendwo entlang der sibirischen Polarküste suchten sie nach einem kurzen Seeweg nach Japan, China und Indien, einer Durchfahrt vom Atlantik in den Pazifik. Als im Jahr 1872 die k.u.k. Nordpolexpedition unter dem Kommando von Carl Weyprecht und Julius Payer startet, waren bereits ganze Flotten im Packeis verschwunden. Auch an Bord der Admiral Tegetthoff ist man sich darüber im Klaren, dass diese Reise eine ohne Wiederkehr sein könnte. Zumindest in den Reihen der Offziere. »Im Hafen wird eine Verzichtserklärung hinterlegt: Die k.u.k. Nordpolexpedition wolle für den Fall ihres Schiffbruchs keinerlei Rettungs- und Suchexpeditionen bemühen. Man käme entweder aus eigener Kraft oder niemals mehr zurück. Das Dokument trägt die Unterschriften der Offiziere. An eine Zeichnung der Matrosen kann ich mich nicht erinnern. Es hätten da auch Kreuze stehen müssen. Nicht alle konnten lesen und schreiben.« Weyprecht und Payer träumten von großen Entdeckungen und Berühmtheit, die Matrosen erlagen vermutlich der flammenden Rede, mit der Weyprecht sie anwarb und der in Aussicht gestellten Prämien. Im Laufe der Reise wird nichts mehr davon von Bedeutung sein, wird nur noch das Überleben zählen, das Bestehen gegen die gnadenlose Kälte, gegen "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" (selten war ein Buchtitel so zutreffend!) Der Autor nimmt sich sehr zurück, berichtet sachlich und lässt in großen Zügen die Teilnehmer der Expedition berichten. Es existieren Tagebücher von Weyprecht und Payer, vom Maschinisten Otto Krisch und dem Jäger und Hundetreiber Johann Haller, aus denen er zitiert. Außerdem bringt er drei Exkurse ein, die sich ausführlich mit der Vorgeschichte des nordöstlichen Traums befassen (die "Chronik des Scheiterns"), er listet die Teilnehmer der Expedition auf (einschließlich der Schlittenhunde und Bordkatzen) und zitiert Hinweise für Touristen. Diese vielen, für ein gutes Sachbuch sprechenden Fakten, vermag er zu einem fesselnden Roman zu verknüpfen, bei dessen Schilderungen man geneigt ist, zur wärmenden Decke zu greifen. Zudem integriert er die fiktive Geschichte von Josef Mazzini, einem Nachkommen eines der Expeditionsmitglieder, der im Jahr 1981 die Reise seines Vorfahren nacherleben möchte und im Eis verloren geht. Beide Handlungsstränge sind packend geschrieben und stellen zudem schön die Unterschiede einer Nordpolfahrt im Jahre 1872 einer solchen über 100 Jahre später gegenüber. Gelegentliche kritische Töne fließen ebenfalls ein, beispielsweise wenn den 1981 mitreisenden Geologen zugeschrieben wird, dass sie "dem Eismeergrund unermüdlich Bodenproben [entnehmen] und ihr Interesse an allfälligen Erdölvorkommen nur mühsam hinter der Reinheit der Wissenschaft verbergen [können]". Oder wenn Weyprecht in späteren Jahren die arktische Forschung als ein "sinnloses Opferspiel" bezeichnet, das sich "in der rücksichtslosen Jagd nach neuen Breitenrekorden im Interesse der nationalen Eitelkeit [erschöpft]". An die alte Sprache in den vielen Tagebuchauszügen muss man sich kurz gewöhnen, aber sie ist gut verständlich und sorgt natürlich für ein besonders realistisches Miterleben der damaligen Geschehnisse. Und wenn man vom "entsetzlichen Wuthgeheul der Eisschollen", aber auch von den "Lichtwundern des arktischen Himmels", von der Mitternachtssonne und den Nordlichtern liest, dann entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, die ich überaus faszinierend fand. Neben Bildern der Charaktere finden sich zahlreiche Abbildungen aus dem 1876 erschienenen Buch "Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition in den Jahren 1872-1874". Meine Ausgabe des Buchs ist zudem eine sehr schöne (leider nicht mehr neu zu bekommende) Sonderedition des Zeitverlags, die sich im Anhang noch ausführlich mit dem Thema "Roman und Realität" auseinandersetzt und eine Chronik der Entdeckung der Nordostpassage ab dem Jahr 1553 bringt. Fazit: Erzählte Wissenschaft - einfach faszinierend! »Sie wehren sich. Sie schlagen um sich. Mit Beilen und Hauen hacken sie auf die Scholle ein, versuchen mit langen Sägen Kanäle ins Eis zu schneiden, bohren Löcher, die sie mit Schwarzpulver füllen, in dieses verfluchte, erstarrte Meer, zünden Sprengsatz um Sprengsatz, Maschinist Krisch schmiedet aus einem Eisanker einen mächtigen Meißel, den die Matrosen an einem Balkengerüst hochziehen und immer wieder gegen die Eisklammer wuchten, sie werden die Tegetthoff aus dem Eis schlagen, sie werden freikommen, sie müssen freikommen¿«