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Caesar. Sonderausgabe


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Februar 2004

Beschreibung

Beschreibung

Caesar fasziniert noch immer durch das, wodurch er Jahrhunderte lang die großen Geister des Abendlandes beeindruckt hat: der Eroberer Galliens und der ganzen römischen Welt, bedeutend zugleich als Politiker und Diplomat, Feldherr und Soldatenführer, Redner, Schriftsteller und auch Liebhaber; Sieger nicht nur, sondern vielfach mild gegenüber den Besiegten, von verwegener Unbekümmertheit und männlichem Charme; von nicht nachlassender Tatkraft und höchster Präsenz, noch aus Rückschlägen zum Erfolg ausholend: eine ungemein reiche, nahezu unwahrscheinliche Entfaltung menschlicher Möglichkeiten.

Portrait

Christian Meier, geboren 1929 in Stolp/Pommern, ist emeritierter Professor für Alte Geschichte und einer der herausragenden Historiker Deutschlands. Von 1980 bis 1988 war er Vorsitzender des Verbands der Historiker Deutschlands, von 1996 bis 2002 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde er mit hohen und höchsten Auszeichnungen geehrt; auch erhielt er 2003 den Jakob-Grimm-Preis für deutsche Sprache. Er hat zahlreiche Werke zur Antike veröffentlicht, darunter "Caesar" (1982), und "Athen" (1993). Darüber hinaus greifen Publikationen wie "Das Verschwinden der Gegenwart. Über Geschichte und Politik" (2001) sowie "Von Athen bis Auschwitz" (2002).

Leseprobe

Am 1. Januar 49 v. Chr. hatten die Consuln begonnen, mit aller Macht die Absetzung Caesars von seiner Statthalterschaft zu betreiben. Fast neun Jahre hatte er sie innegehabt; ihre Frist war abgelaufen. Nun beabsichtigte Caesar, sich um das Consulat des Jahres 48 zu bewerben und in die römische Innenpolitik zurückzukehren. Eben das aber wollten seine Gegner vereiteln. Noch bevor er überhaupt kandidieren konnte, sollte er sein Kommando niederlegen und als Privatmann nach Rom kommen. Dort sollte ihm der Prozeß wegen verschiedener Verfassungsbrüche gemacht werden, die er sich in seinem Consulat (59 v. Chr.) hatte zuschulden kommen lassen. Und das sollte offenbar unter militärischem Schutz geschehen, damit er das Gericht nicht unter Druck setzen, und wohl auch, damit das Gericht nicht ganz frei von Druck entscheiden konnte. Auf diese Weise, so scheint man gehofft zu haben, ließen sich Caesars politische Existenz vernichten und das Senatsregime voll wieder in Kraft setzen. Gleichgültig ob Caesar wirklich ein Gegner der herkömmlichen Ordnung war oder nicht: Er hatte deren Funktionieren früher nachhaltig gestört. Und es war zu befürchten, daß er verschiedene Forderungen gegen den Willen des Senats durchsetzen und damit so mächtig werden könnte, daß immer neue Konflikte und Niederlagen des Senats vorherzusehen waren. Wenn es ihm jetzt gelang, erneut Consul zu werden.
Schon seit nahezu zwei Jahren hatten Caesars entschiedene Gegner versucht, Roms zentrales Regierungsorgan, den Senat, dazu zu bewegen, ihn abzusetzen. Immer wieder waren sie damit gescheitert, denn Caesar hatte einige Volkstribunen auf seine Seite gezogen, die durch ihr Vetorecht jeden Beschluß gegen ihn vereiteln konnten. Zeitweise ergriffen sie sogar die Offensive und vermochten der Senatsmehrheit Beschlüsse in Caesars Sinn abzuringen. Denn diese Mehrheit war zwar gegen den Proconsul und wünschte durchaus, daß dessen Statthalterschaft bald ein Ende finde. Aber noch mehr als gegen ihn war sie gegen einen Bü
rgerkrieg. Und daß mit Caesar nicht zu spaßen war, wußte sie, also war sie eher geneigt, ihm nachzugeben.
Anfang Januar setzen dann die entschiedenen Gegner Caesars alle Hebel in Bewegung, um den Senat zu einem Beschluß zu bringen. Anhänger werden aufgeboten, Alarm geschlagen, eine mächtige, mitreißende Stimmung erzeugt. Man beschließt, wenn Caesar nicht bis zu einem bestimmten Tag sein Kommando niedergelegt habe, handle er gegen die Republik. Die Volkstribunen legen dagegen ihr Veto ein. Da sie nicht bereit sind, einzulenken, wird am 7. Januar der äußerste Senatsbeschluß gefaßt, das senatus consultum ultimum; grob gesagt: Es wird der Notstand ausgerufen.
Die caesarianischen Volkstribunen verlassen daraufhin, als Sklaven verkleidet, die Stadt in einem der Mietwagen, die an den Stadttoren zu stehen pflegten (das war damals das normale Beförderungsmittel für längere Reisen - neben Pferd und Sänfte -, das Gespann konnte unterwegs gewechselt werden). So gefährdet war die Freiheit des römischen Volkes, wollten sie damit sagen, daß nicht einmal deren eigentliche Wächter, zu deren Schutz sich das Volk einst eidlich verpflichtet hatte, ihres Lebens mehr sicher sein konnten.


Caesar befand sich zu dieser Zeit im äußersten Südosten seiner Provinz Gallia Cisalpina, in Ravenna. Dort erhielt er am Morgen des 10. Januar 49 - nach unserem Kalender Mitte November -durch einen Kurier die Nachricht von dem Senatsbeschluß und der Flucht der Volkstribunen. Sofort setzte er ohne viel Aufhebens eine Truppe in Richtung Ariminum (Rimini) in Marsch. Das war die erste größere Stadt im eigentlichen Bürgergebiet Italien, jenseits des Rubicon, der Grenze seiner Statthalterschaft. Der Entschluß war unerhört kühn. Denn Caesar hatte nur eine Legion bei sich, fünftausend Mann und dreihundert Reiter. Das Gros seiner Armee stand noch in Gallien. Aber er wollte das Überraschungsmoment nützen und die gegnerischen Vorbereitungen durchkreuzen.
Caesar widmete sich in Ravenna zunä
chst Routinegeschäften.
Er inspizierte eine Gladiatorenschule. Danach begab er sich ins Bad - sei es bei einem Gastfreund, sei es in einem öffentlichen Badehaus: Es hatte sich damals schon eine gewisse Badekultur ausgebildet, und Caesar pflegte sich sehr sorgfältig. Schließlich legte er sich im Kreise einer größeren Gesellschaft zu Tisch. Als die Dunkelheit einbrach, beurlaubte er sich - man möge sich nicht stören lassen, er käme demnächst zurück - und fuhr davon. Nicht auf direktem Wege. Eine unserer Quellen berichtet, er habe sich in der Dunkelheit verfahren. Einer anderen zufolge hat er absichtlich erst eine andere Richtung gewählt, um dann unbeachtet den Weg nach Süden einzuschlagen. Einigen Freunden hatte er insgeheim aufgetragen, sie möchten ihm folgen, jeder für sich. Spätestens am Rubicon traf man zusammen.
Dort hielt Caesar inne. Er zögerte. Noch einmal ließ er - angesichts des kleinen, damals nach starken Regengüssen reißend dahinströmenden Flüßchens - dem Hin und Her der Argumente freien Lauf, setzte sich ihm aus und wiederholte seine Entscheidung. Für einen Moment erschien ihm das Vorhaben, in dem er schon mittendrin steckte, noch einmal von außen; und was er Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen begonnen hatte, distanzierte und verdichtete sich ihm zu einem einzigen großen Schreckbild. Alle möglichen Konsequenzen seines Beginnens traten ihm in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit vor Augen; es könnte ihn durchaus geschwindelt haben.
Er stand lange schweigend. Dann bezog er die Freunde in sein Abwägen ein. Einer von ihnen, Asinius Pollio, hat in seinen Historien darüber berichtet. Sie sind nicht überliefert; aber durch zwei antike Autoren ist Pollios Bericht in leicht unterschiedlicher Brechung auf uns gekommen. Ihm zufolge kreisten Caesars Gedanken um das Unglück, das er allen Menschen zumutete, wenn er jetzt den Schritt zum Kriege tat. Er überschlug, wieviel Unglück der Übergang allen Menschen verursachen wird. Er suchte, sich und seinen Ents
chluß im Urteil der Nachwelt zu sehen. Der eine unserer Gewährsmänner läßt Caesars Überlegungen klar sich zuspitzen auf die fatale Alternative: Der Verzicht auf diesen Übergang wird mir Unglück verursachen, der Übergang aber allen Menschen.
Offenbar also sprach Pollios Bericht vom Unglück aller Menschen. Und es besteht kein Grund daran zu zweifeln, daß auch Caesar damals davon gesprochen hat. Die militärischen Ressourcen der Gegner erstreckten sich über den ganzen Mittelmeerräum. Es war zu befurchten, daß sie sie mobilisierten. Folglich konnte er sich kaum darüber täuschen, daß der Krieg, den er gerade beginnen wollte, potentiell den ganzen Mittelmeerraum -und das hieß nach damaligem Verständnis die ganze Menschheit - in Mitleidenschaft ziehen konnte. Wohl mochte er hoffen, daß man billiger davonkam. Eben deswegen lag ihm ja daran, die Entscheidung so rasch herbeizuzwingen. Wenn jedoch damals am Rubicon die ganze Tragweite des Unternehmens in so gespenstisch überscharfer Klarheit plötzlich vor Caesars Augen trat, dann mußte die Gravitation dieses Eindrucks wohl auf das Schlimmste stehen.
Nur, wenn das Unglück aller Menschen auf der einen Waagschale lag, lag dann auf der anderen bloß dasjenige Caesars? War die zweite Seite der Alternative so eindeutig klar, so fatal, wie sie bei unserem Gewährsmann erscheint? Wurde der Krieg nur geführt, weil sich Caesar nicht absetzen, nicht in Rom vor Gericht ziehen lassen wollte? War er also allein gegen alle und so sehr auf sich gestellt? Und falls es sich wirklich so verhielt, konnte er das ohne alle Selbsttäuschung so sehen und vor den Freunden am Rubicon so unumwunden aussprechen?
Schließlich aber raffte er sich mit Leidenschaft aus dem zweifelvollen Abwägen auf und wandte sich dem Bevorstehenden zu. Mit den Worten: Der Würfel soll geworfen werden setzte er über den Rubicon, um nach rascher Fahrt noch vor Morgengrauen mit seinen Soldaten in Ariminum einzumarschieren. Der Ausspruch war ein Zitat aus einer Komödie de
s Menander. Die Version: Der Würfel ist gefallen ist eine falsche Wiedergabe. Denn hier war nicht gewürfelt worden, sondern das Würfeln begann erst, das mit höchsten Einsätzen verbundene Spiel eines Krieges, in dem Fortuna ein gewichtiges Wort mitzusprechen hatte. Das war Caesar so deutlich bewußt wie wenigen anderen; er meinte aber auch, in der Gunst der Göttin zu stehen.
In Ariminum stießen dann die aus Rom gewichenen Volkstribunen zu Caesar. Er führte sie vor seine Soldaten. In einer Ansprache erklärte er - nach eigenem Bericht -, der Senat habe den rechtmäßigen Einspruch der Tribunen mit Waffengewalt unterdrückt. Ganz unberechtigterweise habe er das senatus consultum ultimum beschlossen. Caesar legte alle Rechtsbrüche dar, die seine Gegner die ganze Zeit über gegen ihn begangen hatten. Und jetzt wollten sie ihm sogar das Kommando nehmen. Er rief daher die Soldaten auf, Ansehen und Ehre ihres Feldherrn, unter dessen Führung sie neun Jahre lang so glücklich für das Gemeinwesen gefochten, so viele Schlachten erfolgreich geschlagen und ganz Gallien und Germanien befriedet hatten, gegen seine Gegner in Schutz zu nehmen. So begann der Bürgerkrieg, der Caesar dann - mit kurzen Unterbrechungen - an die fünf Jahre lang in Anspruch nahm, der sehr viel Blut kostete und die ganze römische Welt tief und nachhaltig erschütterte.
Wenn also nach Caesars eigenen Worten die Soldaten Ansehen und Ehre ihres Feldherrn in Schutz nehmen sollten, hieß das nicht, daß er den Krieg, der schlimmstenfalls die ganze Menschheit in Mitleidenschaft ziehen sollte, um seiner Person willen riskierte? Sieht man die nicht geringe Zahl einschlägiger Quellen daraufhin durch, so kann kein Zweifel daran bestehen, daß es so war. Unglück, Gefahr für die eigene politische Existenz wollte er von sich abwenden. Wenn er sich zum Anwalt der Volkstribunen und auch der Freiheit des römischen Volkes aufwarf, so nur um zu verhüllen, worum es ihm eigentlich ging. Die Hülle war durchaus durchsichtig, und Cae
sar gab sich gar keine Mühe, das durch geschickte Drapierung wettzumachen. Er wollte gar nicht leugnen, daß die Gefährdung der Tribunen, die er übrigens grob übertrieb, einzig daraus resultierte, daß sie sich für ihn einsetzten. Er hat auch sehr bald von diesem Vorwand keinen Gebrauch mehr gemacht. In seinen eigenen Verlautbarungen wie in Reden, mit denen andere seine Gunst gewinnen wollten, war dann in aller Schlichtheit nurmehr davon die Rede, daß der Krieg um die Wahrung der Ehre (dignitas) Caesars geführt wurde. Was wollten deine Armeen anderes als beleidigendes Unrecht von dir abwenden? fragte Cicero. Das haben sie gewollt; nach so großen Taten wäre ich, Gaius Caesar, verurteilt worden, wenn ich nicht bei meiner Armee Hilfe gesucht hätte, hat Caesar selbst am Abend der Entscheidungsschlacht vor Pharsalos angesichts des mit Leichen und Verwundeten übersäten Feldes festgestellt. Die Zitate ließen sich vermehren. Caesar hatte keine Sache außer sich selbst. An allen Dingen hat diese Sache genug, schrieb Cicero, nur eine Sache hat sie nicht.
Insofern ist es durchaus richtig: Das Unglück, das Caesar durch die Eröffnung des Krieges abwenden wollte, war allein seines. Und nichts spricht dafür, daß ihm das nicht klar gewesen wäre.
Ungeheuerlich mutet das an, kaum glaubhaft. Wie kann ein Einzelner sich entschließen, lieber allen Menschen Unglück zu verursachen als sich selbst? Wie war das zu denken, auszusprechen, zu wagen und durchzuhalten? Wie zu rechtfertigen? Muß nicht, wer sich so entscheidet, ein Desperado sein oder ein Kranker, nicht nur unendlich einsam, sondern auch abgespalten von der Tuchfühlung, der Gleichsinnigkeit mit seiner Welt? Oder soll darin Größe liegen? Aber was ist dann Größe?
Doch sollte man das Problem nicht zu abstrakt, nicht nur als persönliches nehmen, vielmehr zunächst nach der Konstellation fragen, nach dem Ensemble, in dem Caesar sich entschied. Politiker handeln j a nicht nur angesichts von Situationen, sondern in Situationen. S
ie sind dann nicht nur sie selbst, sondern in einem gewissen Ausmaß auch Teil einer Konstellation, und das ist wohl in extremen Lagen in besonderem Maße der Fall. Es gilt also nicht nur, nach den Persönlichkeiten, ihren allgemeinen und je besonderen Interessen und Meinungen zu forschen, sondern auch nach ihren Positionen innerhalb der Konstellation, welchselbe sie zwar miteinander ausmachen, von der sie aber auch ausgemacht werden. Von daher bestimmen sich nicht nur Spielräume, sondern auch Perspektiven und Distanzen. Auch in Situationen gibt es eine Ortsgebundenheit, und der Ort bestimmt sich im Rahmen der Umgebung. Es sind also nicht nur die Beteiligten zu beachten, sondern auch die Situation im ganzen, die mehr ist als die Summe ihrer Teile. Das erschwert zwar das eindimensionale Urteilen aus akademischer Distanz, aber es kommt der Sache näher. Bisher ist nur deutlich, wer damals bei einem Krieg hätte in Mitleidenschaft gezogen werden können; noch nicht, wer da gegen wen stand und aufweiche Weise.
Caesar erhob sich gegen Rom; so mußte es sich darstellen für den Senat und für alle, die gemäß der römischen Ordnung ihm die Regierungsgewalt und die Verantwortung für das Gemeinwesen zusprachen, das heißt für die römische Gesellschaft. Einhellig ist Caesars bewaffneter Einfall in Rom und Italien verurteilt worden, auch von einigen seiner prominenten Freunde, Verwandten und Verbündeten.
Die bisherige Forschung hat dagegen verschiedentlich versucht, der fatalen Alternative zu entkommen. Man hat Caesar überlegene staatsmännische Einsicht und eine Sache unterstellt, um annehmen zu können, er habe in Wirklichkeit in einem höheren Interesse gehandelt. Danach sei er für Rom und Italien und für die Völker im weiteren Herrschaftsbereich der Stadt aufgestanden gegen einen bornierten, eigensüchtigen Senat, dessen Zeit abgelaufen gewesen sei. Er habe ein gerechtes, handlungsfähiges Regierungssystem schaffen und die Struktur des römischen Reiches grundlegend erneuern wollen
.
Wenn dem aber so gewesen sein sollte, so hat Caesar es jedenfalls nicht gesagt, nicht am Rubicon und nicht später, und auch sonst läßt sich kein Zeuge dafür aufrufen. Im Gegenteil: Offensichtlich hat keiner davon gewußt. Es gab auch keine Parteiungen im Bürgerkrieg, die sich an solchen sachlichen Differenzen orientiert hätten. Es fehlte vielmehr an einer Spaltung der römischen Gesellschaft, die dem Gegensatz zwischen Caesar und seinen Gegnern korrespondiert hätte. Wer sich später zu Caesar schlug, tat es, weil er der Erfolgversprechende, der Eroberer und schließlich der Sieger war. Wirklich auf seiner Seite standen nur seine unmittelbaren Anhänger, die ihm bei aller Faszination und Freundschaft zumeist in dem Maße treu ergeben waren, wie sie von seinem Sieg eine Verbesserung ihrer eigenen Verhältnisse erhofften, und seine Soldaten, bei denen es sich ähnlich verhielt. Da war keine Sache, die über den Kreis der Caesarianer hinausgewiesen hätte. Insofern kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Caesar isoliert war und mit seiner Gefolgschaft allein stand und, wie es scheint, gegen Rom.
Er selbst sah das allerdings nicht so. Nicht gegen Rom wollte er nämlich antreten, sondern nur gegen seine Widersacher. Und nicht einen Bürgerkrieg, sondern bürgerliche Streitigkeiten (civiles controversiae) wollte er austragen. Den Senat vermochte er als eigenständige Größe gar nicht wahrzunehmen. In dessen Beschluß gegen ihn sah er nicht die Willensäußerung der römischen Republik, sondern nur eine Machenschaft seiner Gegner, und in denen konnte er keinerlei staatsmännische, vielmehr ausschließlich höchst eigennützige Motive am Werk sehen.
Entsprechend zog er die Trennlinien. Diese bürgerlichen Streitigkeiten sollten das Gros der Bürgerschaft gar nichts angehen. Was steht einem anständigen Mann (vir bonus) und ruhigen, anständigen Bürger mehr an, als bürgerlichen Streitigkeiten fernzubleiben? schrieb er damals an Cicero, wie wenn, wo die feindlichen Parteien ihre Bataillen
schlugen, Ruhe die erste Bürgerpflicht in einem republikanischen Gemeinwesen gewesen wäre. Wer nicht gegen ihn sei, meinte er, sei sein Freund. Was die Bürger nichts angeht, daran haben sie sich nicht zu beteiligen. Die Gegner urteilten genau umgekehrt: Sie sahen jeden als Feind an, der sich ihnen nicht anschloß. Sie hatten eben die Sache der res publica auf ihrer Seite; da durfte keiner unbeteiligt sein. Das beste Zeugnis für die Unterschiedlichkeit der beiden Positionen war ihre Einigkeit darüber, wohin die Neutralen gehörten. Caesar hatte von deren aktiver Parteinahme nichts zu erhoffen - sie wäre für die res publica und somit gegen ihn erfolgt. So waren sie seine Freunde, wenn sie nicht seine Feinde waren. Praktisch erkannten sie dann an, daß der Krieg nur zwischen ihm und der Gruppe seiner senatorischen Gegner ausgetragen wurde.








Pressestimmen

"Es handelt sich um eine historiographische Leistung, auf die unsere Zeit stolz sein kann."
EAN: 9783886808137
ISBN: 3886808130
Untertitel: Mit Abbildungen und Ktn. -Skizz.
Verlag: Siedler Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2004
Seitenanzahl: 592 Seiten
Format: gebunden
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