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Die Demagogen und das Volk


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August 2007

Beschreibung

Beschreibung

In der athenischen Demokratie des 5. Jahrhunderts besaß jeder Bürger das Recht, in Volksversammlungen zu reden, in der Praxis aber ergriff nur eine kleine Minderheit das Wort. Diese Männer wurden Demagogen genannt. Sie erfüllten als politische Experten eine wichtige Funktion bei der demokratischen Entscheidungsfindung, indem sie das Volk in den Versammlungen mit Informationen versorgten, politische Konzepte vorstellten und alternative Handlungsoptionen aufzeigten. Nach herkömmlicher Forschungsmeinung entstammten die Demagogen lange Zeit der alten Aristokratie; politische Macht habe auch in der Demokratie zunächst noch auf vornehmer Abkunft, Reichtum, überlegener Bildung und adligen Freundeszirkeln beruht. Erst nach dem Tod des Perikles 429 v. Chr. hätten Aufsteiger mit populistischen Methoden Einfluss auf das Volk gewinnen können. In Auseinandersetzung mit dieser Position plädiert der Autor dafür, dass die Auftretensweise der Demagogen auch schon vor dieser angeblichen Zäsur durch eine Inszenierung von Loyalität gegenüber der Polis und dem Volk geprägt war. Zwar besaßen alle Demagogen überdurchschnittliche ökonomische Ressourcen, doch in der politischen Kommunikation betonten sie gerade nicht ihre soziale Überlegenheit, sondern verringerten symbolisch den Abstand zum einfachen Bürger, etwa durch demonstrativen Verzicht auf eine luxuriöse Lebensführung und auf aristokratische Beziehungsnetze. Die politische Ordnung der athenischen Demokratie war eben gerade nicht in die traditionelle Sozialordnung eingebettet, sondern weitgehend von dieser losgelöst. Eine Veränderung trat erst im vorletzten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts ein, als ein Anspruch auf politischen Einfluss zunehmend mit traditionellen aristokratischen Ressourcen begründet wurde; dieser Prozess führte schließlich zum Umsturz von 411.

Portrait

Christian Mann, geb. 1971, Heisenberg-Stipendiat, lehrt Alte Geschichte an der Universität Mannheim

Pressestimmen

"Auf der Suche nach Antworten tritt Mann den Quellenganz unmittelbar gegenüber. Ihm gelingt sein Vorhaben, sich einem so stark erforschten, zentralen Gegenstand in einer Habilitationsschrift zuzuwenden, in zweifacher Weise: Zum einen präsentiert er seinem Leser souverän die verschiedenen Forschungsergebnisse, zum anderen macht er diese gleich wieder zum Gegenstand und kann mit strengem Bezug zu seinem Thema auf vieles, was bis dato als communis opinio angesehen wurde, ein neues Licht werfen und frische Akzente setzen. Mit ruhiger Hand führt er
seinen Leser in einem klar strukturierten Text mit einer unprätentiösen Sprache durch seine Gedankengänge. Er scheut sich nicht, auch grundlegend Bekanntes in der gebotenen Kürze vorzustellen, so daß seine Überlegungen allgemein zugänglich und nachvollziehbar sind. Der Autor versorgt seine Leser dabei immer mit den nötigen Informationen, ohne ihn mit
hypertrophen Fußnotenapparaten zu erschlagen."
Frank Bücher in: Historische Zeitschrift, Heft 291 (2010), Nr. 1
"[I]t deserves to be read by all who are concerned with fifth-century Athens."
P.J. Rhodes in: sehepunkte, Ausgabe 8 (2008), Nr.1
"Trotz der großen Zahl von Arbeiten zur attischen Demokratie gelingt Mann mit seinem Ansatz ein neuer Blick auf grundlegende Strukturprinzipien." Winfried Schmitz in: H-Soz-u-Kult vom 2.4.2008
"[...] le travail solide de Christian Mann apporte une intéressante contribution à l'étude de l'histoire politique athénienne de Vème siècle, riche et généralement bien documentée." Anne Queyrel in: Bryn Mawr Classical Review, 27.Mai 2008
"[...] this is a very stimulating and thought-provoking book that will generate a significant rethinking of the history and structure of Athenian democracy."
Kostas Vlassopoulos in: Gnomon, 2009, 81 (8)
EAN: 9783050043517
ISBN: 3050043512
Untertitel: Zur politischen Kommunikation im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. 'KLIO / Beihefte. Neue Folge'. HC runder Rücken kaschiert.
Verlag: De Gruyter
Erscheinungsdatum: August 2007
Seitenanzahl: 348 Seiten
Format: gebunden
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