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Wahlverwandte


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März 2004

Beschreibung

Beschreibung

Der Rassendiskurs beruhte nie allein auf dem schlichten Glauben an ewige Unterschiede, sondern vor allem auf einem instrumentellen Wissen vom Leben und Überleben der Körper und Bevölkerungen. Dieses Wissen zu einem Maßstab politischer Gemeinschaftsbildung in der Moderne gemacht und damit Partikularität und Differenz von einer Herausforderung politischen Denkens in ein manipulierbares Objekt biopolitischer Kontrolle verwandelt zu haben, ist das bis heute nachwirkende Erbe der Verschränkung von Rassendiskurs und Nationalismus im späten 19. Jahrhundert.

Der Rassendiskurs des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte mehr als eine Grundlage: In ihm artikulierte sich nicht nur der Glaube an ewige Unterschiede, sondern auch ein instrumentelles Wissen vom Leben und Überleben der Körper und Bevölkerungen.
In der Verschränkung von Rassendiskurs und Nationalismus wurde dieses Wissen zu einem Maßstab ¿gelingender¿ politischer Gemeinschaftsbildung in der Moderne. Was hier gelingen sollte, war die Verwandlung von Partikularität und Differenz in ein manipulierbares Objekt biopolitischer Kontrolle.
Christian Geulen untersucht diese Zusammenhänge in der Herausbildung des Evolutionismus ebenso wie in der Entstehung des modernen Rassismus, im völkischen und antisemitischen Denken wie in der Reform- und Frauenbewegung, im amerikanischen Nativismus wie in der deutschen Kolonialdebatte. Das vom Autor herangezogene Material ist so vielfältig wie die von ihm bearbeiteten Kontexte. Es reicht von theoretischen Schriften über populäre Zeitschriften bis zu den Inszenierungen von Kolonial- und Hygieneausstellungen.
Mit diskursanalytischem Blick auf die Semantik, Struktur und Funktionsweise der rassentheoretischen Annahmen und nationalen Selbst- und Fremdbilder arbeitet Geulen heraus, was ihnen jenseits nationaler, parteipolitischer oder sozialer Positionen gemeinsam war: die Verwandlung politischer Gemeinschaften in biopolitische Wahlverwandtschaften.
Entgegen der geläufigen Annahme, daß der Rassendiskurs eine Essentialisierung nationaler Grenzen und Identitäten bewirke, rekonstruiert Geulen die Dynamik rassentheoretisch begründeter Formen nationaler Identifikation. Diese mündete in der fatalen Behauptung, die Nation sei biopolitisch herstellbar. Mit Blick auf drei Leitmotive der politischen Kultur im späten 19. Jahrhundert ¿ Wissenschaft, Gesellschaft und Imperium ¿ betont der Autor die übergreifende Bedeutung und Rolle des Rassendiskurses in den politischen Selbstverständigungsprozessen jener Zeit.
Geulen legt mit seiner Analyse der Funktionsweise des Rassendiskurses eine neue Interpretation der Radikalisierung des Nationalismus um 1900 vor, die zugleich als Beitrag zur heutigen Diskussion über die Formen und Konsequenzen politischer Gemeinschaftsbildung zu lesen ist.

Portrait

Christian Geulen, geb. 1969, ist Juniorprofessor für Neuere und Neueste Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Koblenz. Er forscht und lehrt zur Geschichte des Nationalismus und Imperialismus, zur politischen Ideengeschichte, zur Geschichtstheorie und zur Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Neuere Veröffentlichungen: Vom Sinn der Feindschaft, gemeinsam herausgegeben mit Anne von der Heiden und Burkhard Liebsch), Berlin 2002.
EAN: 9783930908950
ISBN: 3930908956
Untertitel: Rassendiskurs und Nationalismus im späten 19. Jahrhundert.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: März 2004
Seitenanzahl: 410 Seiten
Format: gebunden
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