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Die Liebe der Matrosen


€ 19,90
 
gebunden
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März 2005

Beschreibung

Beschreibung

Die Liebe der Matrosen gibt es auch an Land - als flüchtige Suche nach Nähe. Klara ist Anfang zwanzig, als sie erfährt, dass ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin Sylvie betrügt. Sylvie reiht wie betäubt einen Mann an den anderen - bis sie einem verfällt, der ihr Vater sein könnte. Auch Klaras Eltern kennen die Flüchtigkeit der Liebe, stürzen sich in Abenteuer oder versuchen einen Neuanfang. Auf Ausbrüche der Lust folgt die erschrockene Frage nach dem Preis des Glücks, das Abwägen zwischen Verlangen und Verzicht. Vier Menschen erzählen ihre Lebens- und Liebesgeschichten, die vielfältig miteinander verflochten sind. Im Spiel der Beziehungen ist nie gewiss, wer gewinnt und wer verliert. Mit großem erzählerischem Können und außerordentlichem Einfühlungsvermögen legt Annette Mingels' Roman das Leben von vier Menschen bloß, die sich im Auf und Ab von Hoffnung und Enttäuschung verstricken. Besessen von der Suche nach dem ersehnten Glück entgleiten ihnen die Bindungen von Familie und Freundschaft. So treiben sie, ihrer Illusionen und Unschuld beraubt, wie Schiffbrüchige ohne Aussicht auf Rettung.

Portrait

Annette Mingels wurde 1971 in Köln geboren. Sie studierte Germanistik, Sprachwissenschaft und Soziologie, promovierte mit einer Arbeit über Dürren-matt und Kierkegaard und ist Lehrbeauftragte an der Universität Fribourg. 2003 erschien ihr Roman Puppenglück. Annette Mingels lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Zürich.
Ein Gespräch mit Annette Mingels über ihren Roman Die Liebe der Matrosen
"Die Liebe der Matrosen" heißt Ihr soeben erschienenes Buch. Haben Sie schon einmal einen Matrosen geliebt?
Nein. Sie?
Ich auch nicht. Ich habe allerdings auch kein Buch über die Liebe der Matrosen geschrieben.
Das stimmt wohl. Aber wer das Buch liest, stellt ja schnell fest, dass kein einziger Matrose darin vorkommt, und auch das Meer und Schiffe spielen keine Rolle. Ich habe bei der Wahl des Titels an das Lied gedacht, den Hans-Albers-Schlager, der die Liebe der Matrosen besingt, als vergänglich, als ebenso wenig festzuhalten wie die Seeleute selbst.
Klingt melancholisch. Und auch Ihr Buch ist bei allem Handlungsreichtum durchaus ein wenig melancholisch. Immerhin beschreiben Sie nicht nur das Auseinanderbrechen von Liebe und Freundschaft, sondern auch einer Familie.
Auf der einen Seite bricht die Familie auseinander, das stimmt: Die Mutter, Judith, verlässt ihren Mann Georg und zieht in eine andere Stadt. Auf der anderen Seite bleiben die Bindungen zwischen den Eltern und ihren Töchtern natürlich bestehen, ja, sie werden vielleicht sogar intensiviert dadurch, dass die Mutter nach mehr als zwanzig Jahren plötzlich als eigen- und widerständige Person wahrgenommen werden muss. Nicht jedes Ende von etwas ist traurig. Manchmal steckt darin auch die Aussicht auf eine Besserung der Situation.
In Ihrem Roman lassen Sie vier Personen zu Wort kommen, welche die - teilweise gemeinsame - Realität bisweilen gegensätzlich erleben. Die Wirklichkeit, die mir beim Lesen von Klaras Sicht der Dinge vermittelt wird, wird zum Beispiel durch Sylvies Schilderungen komplett in Frage gestellt.
Also, das freut mich sehr, wenn Sie das so erlebt haben.
Warum?
Nun ja, weil auch das Leben immer mehr als eine Version von Wirklichkeit bereithält. Der naive Begriff von der einen Wahrheit ist ja längst überholt: Was ist Wahrheit mehr als die Bündelung der widersprüchlichen Realität in einer einzigen Deutung? Meine Idee bei dem Roman war es, vier Personen zu zeigen, deren Leben in verschiedenen Situationen zusammenläuft - die aber die Realität je anders wahrnehmen und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Auch langjährige Beziehungen und Freundschaften schützen nicht vor Fehleinschätzungen: So wie Georg seine Frau Judith falsch einschätzt, kennt Sylvie ihre Freundin Klara kaum. Ich bin einfach davon überzeugt, dass jedes Individuum zu komplex ist, um jemals ganz verstanden zu werden - nicht von sich selbst, und schon gar nicht von anderen.
Hört man da das Echo von Kierkegaard? Als Germanistin haben Sie ja zu Kierkegaard und Dürrenmatt gearbeitet.
Kann gut sein, dass man da Anklänge an Kierkegaard hört. Zumindest teile ich seine Anschauung vom Individuum, das - ambivalent, veränderlich, nie ideal - jedes theoretische System sprengt. So werden Sie in meinem Roman auch keine Person finden, die nur negativ oder nur positiv gezeichnet ist.
Und was ist mit Falk? Er treibt doch ein ziemlich böses Spiel mit der ihm ergebenen Sylvie.
Ja, das stimmt. Aber er ist auch anders: Für Klara ist er ein guter Freund, einer, der sie wirklich mag, einer, der ihr gut tut, sie aus ihrer Naivität rausholt und sie, durchaus ein bisschen väterlich, ins Erwachsenenleben überführt. Wie es mit den beiden weitergeht, weiß man natürlich nicht...
Eigentlich hätte man auch gerne seine Position gehört.
Falks?
Ja.
Das wurde mir schon mehrfach gesagt. Wer weiß, vielleicht sollte ich dann irgendwann einmal einen Folgeroman schreiben, in dem Falk und Luise und noch einige weitere Figuren zu Wort kommen. Für diesen Roman war mir aber vor allem auch die Gegenüberstellung zweier Frauengenerationen wichtig. Nicht umsonst stammt das Motto aus Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway", deren Heldin für mich der Inbegriff des Dilemmas ist, in dem sich Frauen nach wie vor befinden, wenn sie sich in althergebrachte Rollenmuster einfügen.
In welcher der geschilderten Figuren steckt denn am meisten von Ihnen selbst?
Ich bin jemand, der ausgesprochen wenig Autobiographisches verarbeitet. In allen vier Personen stecken natürlich Gefühle und Vorstellungen, die ich kenne, gleichzeitig tun sie aber Dinge, die ich mir erst im Zuge des Schreibens ausgemalt habe. Vielleicht ähnele ich am ehesten Klara. Obwohl ich nicht hoffe, dass ich je so naiv wirkte. Aber doch, in ihrem Alter ... das kann schon sein.
Und welche dieser vier Figuren mögen Sie am liebsten?
Ich mag sie alle. Und das ist seltsam, oder? Denn eigentlich sind sie alle ziemlich unmöglich: Wenn man sieht, wie sie lügen, betrügen und sich bevormunden lassen. Aber vielleicht ist es gerade das, was sie menschlich macht. Außerdem lässt sich beim Lesen nachvollziehen, wie es zu ihrem 'Fehlverhalten' kommt. Manche Fehler scheinen fast unvermeidbar. Nehmen Sie zum Beispiel Georg, der seine Frau wann immer möglich betrügt. Er ist schwach und in seiner Suche nach dem erotischen Abenteuer auch lächerlich, und trotzdem: Seine Angst vor der Langeweile, die auch eine Angst vorm Alter ist, ist durchaus auch verständlich.
Welche Leser wünschen Sie Ihrem Buch?
Natürlich wünscht man sich Leser, die den Zusammenhang von Sprache, Rhythmus und Inhalt eines Buches erkennen. Das ist also ein sehr unbescheidener Wunsch. Aber der ideale Leser wäre außerdem jemand, der sich von den Figuren berühren lassen würde.
Indem er Mitleid für sie empfindet?
Mehr noch: Zuneigung. Kennen Sie das Gefühl, dass Ihnen eine literarische Figur mit einer einzigen scheinbar banalen Handlung lieb wird? Das beste Beispiel hierfür ist wohl Pnin, der seltsame Gelehrte, den Vladimir Nabokov beschreibt: Er ist ein Kauz, ein Sonderling und ziemlich unfähig, aber die Beschreibung, wie er sich von einem Eichhörnchen - ja man muss es so sagen - ausnutzen lässt, löste in mir den spontanen Wunsch aus, ihn kennen zu lernen. Genau das würde ich mir also von einem Leser, einer Leserin wünschen.
Haben Sie denn Ihre Figuren so beschrieben, dass man ihnen mit dieser Zuneigung begegnen kann?
Das kann ich nur hoffen. Ich hoffe es sehr.

EAN: 9783832179144
ISBN: 3832179143
Untertitel: Roman.
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH
Erscheinungsdatum: März 2005
Seitenanzahl: 346 Seiten
Format: gebunden
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