HUDU

Nwiab


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April 2008

Beschreibung

Beschreibung

"Babygetue!"So nennt der Vater die träumerische Flucht seines Sohnes Kai in seine eigene, heile Welt. In eine Welt voller Mutterliebe. Kais Mutter starb, als er neun Jahre alt war. Und er kann den schmerzlichen Verlust einfach nicht verarbeiten. Trost findet er nur in seiner Vergangenheit. Als seine Mutter ihn noch umsorgte. Sein "Babygetue" bringt ihn wieder dahin zurück. Mit dem Daumen im Mund und einer Windel an fühlt er sich wieder klein. So klein wie damals. Als seine Mutter noch lebte. Und er bei ihr geborgen und sicher war.Er braucht diese Auszeiten einfach. Denn sicher ist er nun nicht mehr. Sein völlig verständnisloser Vater zwingt Kai, zum Mann zu werden. Er wird geschlagen und eingesperrt. Und Gespräche sind sinnlos.In seiner Not wendet sich Kai an seinen 24-jährigen Chatfreund Stefan. Der befreit ihn zwar aus den gewalttätigen Zwängen seines Vaters, doch in Sicherheit ist der Junge nicht.Es beginnt eine Zeit voller Missverständnisse und Enttäuschungen, die Kai fast in den Selbstmord treiben.Auf seiner Suche nach einer Familie, die ihn so liebt, wie er ist, muß der 14jährige Stärke zeigen, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Portrait

Mein Name ist Andreas Prün. Ich wurde geboren in der Oberpfalz, ca. 30 Km südöstlich von Nürnberg. Schon als 10jähriger wollte ich, aus mir bisher unerfindlichen Gründen, irgendetwas tun, was normalerweise nur Erwachsene tun. Ich wollte etwas malen, zeichnen, irgendwie kreativ sein. Doch leider erwies sich meine Geschicklichkeit zu Buntstiften und Pinsel nicht als besonders erwähnenswert. Also überlegte ich, was ich sonst machen könnte. Und da fing ich an, zu schreiben.

Leseprobe


Prün, Andreas:
Nwiab


"Das gibt's doch nicht!! Du verdammter Bengel! Wie oft soll ich dir das noch sagen, hm??!!" Mein Vater stand im Flur mir gegenüber. Es war zehn nach 18 Uhr. Ich hatte nicht damit gerechnet, das er so früh zurück kam. Ich ging gerade von der Küche ins Wohnzimmer, nur mit Windel an, und da kam er zur Tür rein. Er hatte mich völlig überrascht. Wütend kam er auf mich zu, packte meine rechte Hand und sah meinen verschrumpelten Daumen. Wieder war er fast den ganzen Tag im Mund. "Und genuckelt hast du auch wieder!! Mir reicht¿s jetzt langsam, Kai!" Er holte aus und gab mir eine schallende Ohrfeige. So stark, das mir die Tränen in die Augen schossen. Er packte mich an den Schultern und schüttelte mich durch. Ich sah weinend auf den Boden. "Sieh mich gefälligst an, wenn ich mir dir rede!" Aber ich konnte nicht. "Du sollst mich anschauen, verdammt!" Und wieder holte er aus. Er traf fast dieselbe Stelle, ich verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Teppich. Die Tränen liefen nur so über mein Gesicht. Ich hielt mir mit einer Hand die Wange. Sie brannte wie Feuer. "Jetzt heulst du auch noch, steh auf! Steh auf, sag ich!" Völlig außer sich zerrte er mich am Arm hoch. Er packte mich so fest, das es wehtat. Ich ging ein wenig mit hoch, damit nicht mein ganzes Gewicht an dieser schmerzenden Stelle war, wo er mich festhielt. Und als ich wieder stand, sah ich ihn tränenüberströmt an. Die Augen und die rechte Backe knallrot, der Mund leicht geöffnet. "Ich mach das nicht mehr mit, hörst du! Mir langt¿s jetzt, Kai. Ständig dieses Scheiss Babygetue. Du bist doch nicht mehr normal!" Er hielt mich immer noch fest und starrte mich an. Nein, das war nicht mehr mein Vater. Das kann er nicht sein, dachte ich mir. Ich bin doch sein Sohn. Warum hat er mich nicht mehr lieb? Warum versteht er mich denn nicht?" "Bitte, Papa", schniefte ich kaum verständlich, "du tust mir weh." Aber er lockerte seinen Griff nicht. "Das wird gleich noch viel weher tun, wenn du nicht endlich mit damit aufhörst! Wird endlich erwachsen, Kai!" "Aber... aber... ich bin doch erst 13." "Das ist mir egal, du hörst damit auf und basta. Hast du mich verstanden!?" Ich sah auf den Boden und sagte nichts. "HAST DU MICH VERSTANDEN, KAI!" Er schrie diese Worte förmlich heraus. Und dann machte ich einen Fehler. Warum hab ich nicht den Mund gehalten. Ich sah auf, ihn an und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Mit allem Mut, den ich noch hatte sagte ich:" Nein, Papa, ich hab nicht verstanden. Und ich werde es auch nicht. Ich mach was ich will. Und wenn ich Windeln anziehe, ist es meine Sache. Und wenn ich Daumen lutsche, dann auch. Was geht dich das an? Du bist doch sowieso nie da, wenn ich dich brauch. Also, was kümmert es dich? Und lieb hast du mich sowieso nicht mehr. Weißt du was? Du kannst mich mal. Ich wünschte, Mama wäre noch hier." Oh Gott. Hab ich das wirklich gesagt? Respekt Kai. Hätte ich dir gar nicht zugetraut. Aber dieser Anfall von Selbstbewusstsein dauerte nicht mal 5 Sekunden. Denn genau diese Zeit brauchte mein Vater, um entsetzt seine Aktentasche fallen zu lassen, seinen Gürtel zu öffnen und aus den Hosenschlaufen zu ziehen. Ich kapierte natürlich, was das zu bedeuten hatte, obwohl es das erste Mal war, aber ich konnte nicht mehr rechtzeitig weglaufen. Und selbst wenn ich es geschafft hätte, wohin hätte ich rennen sollen? Wieder in die Küche? Ja, und dann? Sie hat nur eine Tür. Das Beste wäre, in mein Zimmer, aber dazu müsste ich leider an ihm vorbei, denn das liegt gleich neben der Eingangstüre links. Tja, weglaufen war also nicht, das heißt, ich versuchte es natürlich trotzdem, aber da hatte er mich schon am Arm gepackt. Und noch während er mich mit seiner linken Hand am meinem linken Arm festhielt, schlug er mit der rechten zu. Er traf meinen Nacken, meinen Rücken, meine Arme. Ich schrie vor Schmerzen. Meine Augen fest zusammen gepresst, schrie ich nur. Zuerst stand ich noch, zappelte an seiner Hand, die wie ein Schraubstock meinem Arm umschloss, aber dann ging ich in die Knie, er ließ mich los und ich versuchte mich so gut es ging, mit den Händen und Armen vor den Schlägen zu schützen. Aber es gelang mir kaum. Ich vernahm so was wie "Dir werde ich¿s zeigen, wer hier das sagen hat" oder "Du undankbarer Hund" oder "Haufen Scheisse". Er drosch weiter auf mich ein. Immer weiter und weiter. Das Ende des Gürtels (wenn man hier von Glück reden kann, war es nicht die Schnalle) klatschte ich weiß nicht wie oft auf meine nackte Haut und hinterließ roten Striemen. Ich konnte nichts tun. Ich war völlig hilflos. Ich konnte nur hoffen, dass er endlich aufhörte, mich zu schlagen...

Ja, er hörte auf. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber in Wirklichkeit waren es nur vielleicht nicht mal 2 Minuten. Ich lag mit der rechten Körperseite auf dem Boden und krümmte mich vor Schmerzen. Mein Rücken war ein einziger Feuerball, die Arme brannten bei jeder Bewegung. Ich hatte immer noch die Augen geschlossen und wimmerte vor mich hin. Mein Vater stand schnaufend im Flur und ließ den Gürtel fallen. Er fasste sich an die Stirn. Schweißperlen waren dort zu sehen. Er atmete sehr schnell, sein Puls musste rasen vor Erregung. Ich weiß nicht genau, was ich mir jetzt erhoffte. Das er mich nun in den Arm nimmt und mich irgendwie tröstet oder so was, oder das er einfach geht. Das er einfach verschwindet. Und das tat er auch. Er hob seinen Gürtel auf und stolperte aus der Wohnung. Laut fiel die Tür ins Schloss. Mich ließ er einfach liegen. Ganz alleine liegen.


EAN: 9783837009439
ISBN: 3837009432
Untertitel: Nur weil ich anders bin. Paperback.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: April 2008
Seitenanzahl: 264 Seiten
Format: kartoniert
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