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Momente deutscher Unschuld Band 3


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Oktober 2014

Beschreibung

Beschreibung

Der 3. Band der Trilogie will den Versuch wagen, einen Moment der Entwicklung in unserem Land seit dem historischen Ereignis 1989 aufzuzeigen. Die Mitwirkenden lassen uns Teil werden an diesem Geschehen und so mancher wird in dieser oder jener Sequenz einen Ausschnitt seiner Bewertung wiederfinden. Hier wird Beharrlichkeit und Meisterung sichtbar, vielleicht auch die Erkenntnis vom endgültigen Verlust der Unschuld.Es versteht sich von selbst, dass die Gesamtheit der hier vorgestellten Meinungen und Ansichten alles andere als wertneutrale Stellungnahmen sind. Die Autoren nehmen ganz klar in dieser oder jener Form Partei. Sie sind sozialisiert bis ins Heute hinein. Damit haben sie ein gewachsenes Wertesystem und der Leser allein möge entscheiden, in welche Richtung es ausschlägt.

Inhaltsverzeichnis

0. Einordnung
1. Die Gewänder einer Nachfrage
2. Gedankensplitter
3. Reife der Spätlese
4. Reflexionen als Grundlage
5. Wechselbäder
6. Zeit der Tiefe
7. Tonbandmitschnitt - ein kleines Duett
8. Seiten im Briefgedächtnis
9. Auslassungen an Briefen
10. Briefe auf der Tabuliste
11. Briefwechsel als Dokumentation
12. Gedichte
13. Ergänzung
Nachlese
Anhang

Innenansichten

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Leseprobe

1. Die Gewänder einer Nachfrage

"Weder die Bundesbürger, denen die DDR fremder und entfernter als afrikanische Staaten war, noch die Bürger der DDR waren sich - in Mehrheiten - darüber klar, zu welchen großen Verwerfungen es kommen würde. Der "Beitritt" erweist sich noch immer nicht als Liebes- sondern Zwangsheirat. Es hat ja leider nicht einmal eine wirkliche Verfassungsdebatte gegeben, und wenn mich etwas stört, dann unter anderem auch die Militarisierung der bundesrepublikanischen Politik."

Zwischen Einwanderungspolitik und Abwicklung - Befreiung und Schock - Minder- und Mehrheiten gehen nicht zusammen - Hartz 4 und Kanonenfutter - Bildungssystem im Zweifel - Eine Verfassung für Europa - Investoren und Arbeitslosigkeit - Mir geht es gut - Unrechtsstaat auf Abwegen - Zwischen gebraucht und geduldet - Freiheit ersetzt Beteiligung - Schweine im Glück - Rettungsschirme und Sozialnot

15.07.2008
Schröder Karin (Bd. 2., S.202) - Mühlen Eichsen
Zu 1.: Meine Meinung hat sich nicht geändert. Für mich ist noch immer der Inhalt wichtiger als die Verpackung, von der vieles entbehrlich ist.
Zu 2.: 1994 wurde der Block, in dem ich seit 1968 wohne, saniert. Das war einerseits furchtbar, weil ich kein Ausweichquartier hatte und in Lärm und Staub nicht nur leben sondern teilweise auch arbeiten musste, gelegentlich ohne Herd, Waschbecken und Toilette. Damals erfuhr ich viel Solidarität und Hilfsbereitschaft von Kollegen und Nachbarn, ein schönes Gefühl. Und das Ergebnis: Ein gefliestes Bad, Heizung keine Kohle Schleppen und keine Asche Kratzen mehr, durch und baden ohne Wartezeit - das Leben war doch viel bequemer geworden. Andererseits verschwand zuerst die Filiale der Raiffeisen-Bank, später die Post. Wenn man nicht Auto fährt, bringt das Schwierigkeiten mit sich, zumal auch der Busverkehr ständig weiter reduziert wurde - logischerweise, da nicht nur die Zahl der Fahrgäste sank, sondern auch der Treibstoffpreis stetig steigt.
Zu 3.: Ein
wanderungspolitik
Nach meinem Ausscheiden aus dem Schuldienst hatte ich das Glück, an der Volkshochschule Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Ich durfte einige Jahre lang helfen, Russlanddeutschen und wenigen anderen Immigranten die schwere deutsche Sprache zu vermitteln. Dabei fiel mir auf, dass es für die Kinder der Kursteilnehmer eine solche Förderung nicht gibt. Oft wurden sie einfach in eine Klasse gesetzt, und es hing vom Engagement des jeweiligen Lehrers ab, wie solchen Kindern gezielt und effektiv geholfen werden soll, sich die Sprache anzueignen, damit sie dem Unterricht folgen können. So waren Misserfolge vorprogrammiert, zumal die Kinder und Jugendlichen oft auch unter der Trennung von Verwandten und vor allem Freunden in der Heimat litten. Besonders Jugendliche finden dann oft nicht den richtigen Weg. Eine gezielte, sehr intensive Sprachvermittlung, möglichst vor dem Schulbesuch oder denselben begleitend, wäre daher gleichzeitig Prävention.

25.07.2008
Keber Ingelore (Bd. 2, S.136) - Schwaan
[...] Nach meinem Leserbrief vom 01.04.1990 hat sich sehr viel ereignet. Es wurde die Initiativgruppe Neubrandenburg Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen und die Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950 gegründet. Ich bin Mitglied dieser beiden Gruppen und bekomme Einladungen für das jährliche Treffen und später bekomme ich die Broschüren dieser Treffen mit Fotos und allen Veranstaltungen zugeschickt. Da mein Vater ja in Buchenwald verstorben ist, ist für mich dieser Ort maßgebend. Es hat lange gedauert bis unsere verstorbenen Häftlinge diese Gedenkstelle erhalten haben. Leider wurden die Häftlinge als Naziverbrecher verurteilt, was ja nicht der Fall war. Keiner von ihnen konnte seine Unschuld beweisen, weil es nie eine Gerichtsverhandlung gab. Heute werden unsere Angehörigen geehrt, Kreuze von Angehörigen aufgestellt und das Gräberfeld "ein Waldstück" gepflegt. Auch gab es eine Entschädigung für die Hinterbliebenen oder den Opfern, die entlassen wur
den.
Leider bekam ich diese Entschädigung nicht. Beim Notar stellte sich heraus, dass nur leibliche Nachkommen die Entschädigung bekommen. Mein Halbbruder sollte den Antrag übernehmen, es wurde aber abgelehnt, da angeblich die Antragszeit abgelaufen war.
Auch habe ich durch die Nachforschungen durch das Rote Kreuz erfahren, wann mein Vater verstorben ist. Auch konnten sie viele Namen von Lagerinsassen in der russischen Kartei, darunter auch den Namen meines Vaters ausfindig machen.
Auch besitze ich das Buch "Stalins Lager in Deutschland, 1945-1950". Ich bekam es von Verwandten aus Kanada.
Punkt 2: Da ich schon etwas älter bin und 1995 meinen Mann verlor, gilt mein Interesse meinem Haus und meinem Garten. Da man jetzt alles kaufen kann, stecke ich viel Geld in die Renovierung meines kleinen Hauses. Das Dach wurde erneuert, die Fassade geklinkert sowie alle Fenster erneuert. Auch innen wurde viel verändert.
Leider sind meine beiden Söhne schon jahrelang ohne Arbeit. Ab und zu einen Lehrgang oder einen 1-Euro Job für ein halbes Jahr. Mein größter Wunsch wäre eine feste Arbeitsstelle für meine Söhne. Auch habe ich eine pflegebedürftige Tochter. Sie ist geistig und psychisch krank. Also ganz auf meine Hilfe angewiesen. Mit den Jahren ist die Krankheit schlimmer und unheilbar geworden.
Punkt 3: Ich lese die Zeitung sehr aufmerksam. Leider dreht sich heute alles um das Geld. Alles wird teurer und für viele kaum noch zu bezahlen. Auch ärgert mich, dass Hauseigentümer für den Wasseranschluss, die Leitung liegt schon 30 Jahre, bezahlen mussten. Einen Artikel, damit unsere Hubbrücke in Schwaan erhalten bleibt, oder dass Schwaan keine öffentliche Badestelle mehr hat, habe ich schon an Zeitungen geschrieben.
Unsere Zeitung gefällt mir sehr gut, auch die neue Kinderseite. Auch gefällt mir das Montags- und das Wochenendmagazin, nicht zu vergessen Dienstags die Beilage "Prisma". Auch alles über unsere kleine Stadt Schwaan steht in unserer Zeitung. Sie is
t ja etwas teurer, aber ohne Zeitung möchte ich nicht sein. Alles bekommt man im Fernsehen über unsere Region doch nicht zu sehen oder zu hören.

...

Vorwort

0. Einordnung

Die Trilogie 'Momente deutscher Unschuld' ist keine Sammlung von Leserbriefen aus Zeitungen, die im Norden der DDR veröffentlicht wurden, als das 'Schiff DDR' in dem Herbststurm katastrophal zu versinken drohte.
In einer Zeit, in der viele Frauen und Männer an 'Runden Tischen' darum stritten, wie man die in der DDR lebenden Menschen vor der Katastrophe retten kann und die das 'Schiff' aus dem größten Sturm gesteuert haben bevor der Bundeskanzler der BRD Herr Kohl als Lotse es Richtung Bonn steuerte.

Der Initiator der Trilogie Rainer Lehmann hat die Leserbriefe nicht gesammelt, sondern studiert und erkannt, dass sie wichtige Dokumente zu den größten Ereignissen in der Nachkriegszeit in Deutschland und in Europa sind, weil sie jedem einen unverklärten Blick darauf ermöglichen, worum es den meisten Menschen in jener Zeit ging.
Rainer Lehmann beließ es nicht bei der o.g. Erkenntnis. Er fragte sich, was ist aus den Anregungen und Meinungen geworden? Wie denken die Menschen heute darüber, was sie in den Leserbriefen geäußert haben, nehmen sie weiter aktiv am Leben in der Gesellschaft teil? Alles Fragen, auf die ihn nur die Zeitzeugen selbst eine eindeutige Antwort geben konnten. Deshalb machte er sich an die aufwendige Arbeit. Er ermittelte die Anschriften der Verfasser der Leserbriefe, kopierte die Leserbriefe und wandte sich mit Anschreiben an die Verfasser. Zu vielen ist er selbst hingefahren.

So vergingen schnell acht Jahre bis zur Veröffentlichung eines einmaligen Werkes, dessen Inhalt durch Leserbriefe, Stellungnahmen, Gedichte, Grafiken und Bilder von Menschen erstellt wurde, die von unterschiedlichem Alter, unterschiedlichen Bildungsgrad, verschiedener Tätigkeiten und aus beiden Teilen Deutschlands sind.
Viele begründeten ihre Bereitschaft, sich mit ihrem einst verfassten Leserbrief und den Ereignissen in der Gegenwart auseinander zu setzen damit, dass sie einen Beitrag gegen das Ausmaß der Verklärung geschicht
licher Tatsachen leisten wollen.
Doch dieser Wille und die vielseitigen Bemühungen von Rainer Lehmann hätten nicht ausgereicht, um ein solches Werk zu erarbeiten. Dies wurde allein durch seine Frau Martina ermöglicht. Sie hat über die vielen Jahre die Arbeit ihres Mannes auch finanziell von ihrem Lohn unterstützt. Deshalb ist die Trilogie 'Momente deutscher Unschuld' auch ihr Werk. Ein Werk voller Fakten das auch denen helfen kann, die vor 25 Jahren noch nicht auf der Welt waren, aber jetzt die Gegenwart und Zukunft mitgestalten.

In diesem Werk werden alle daran erinnert, dass am 5./6. Juli 1990 auf der Gipfelkonferenz der NATO in London der 'Kalte Krieg' für beendet erklärt wurde. Die Sowjetunion und den Warschauer Pakt gibt es längst nicht mehr.

Doch die Gier nach Macht und Profit ist nicht aus der Welt.
Heinrich. A. Schmidt


EAN: 9783944265315
ISBN: 3944265319
Untertitel: Zwischen Handlung und dem Verlust der Unschuld. Empfohlen von 25 bis 100 Jahren.
Verlag: Mecklenburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2014
Seitenanzahl: 390 Seiten
Format: gebunden
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